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Anonymer Brief wirft Waakirchner Gemeinderat Gemauschel vor

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Von: Klaus-Maria Mehr

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Waakirchner Gewerbegebiet
Das neue Gewerbegebiet am Brunnenweg aus der Vogelperspektive: Im südlichen Bereich sind große Industriehallen ähnlich dem Biolink-Gebäude geplant. Im Norden ist Platz für kleineres Gewerbe und einen Bahnhaltepunkt (pinke Fläche). Am westlichen Rand soll als Ausgleichsfläche einmal ein Hag wachsen. © Quelle: Google Maps / ABH Architekten; Grafik: Agron Krasniqi

Waakirchen – Aus grüner Wiese wird Bauland. Ein Teil davon gehört Gemeinderat Andreas Hagleitner, der auch bei den Verhandlungen mitgeholfen hat. Eine Verquickung, die Gerede auslöst.

Andreas Hagleitner weiß, was für ein Bild das abgibt. Er wusste es schon, als Bürgermeister Sepp Hartl (FWG) vor eineinhalb Jahren auf ihn zukam. „Deshalb habe ich auch abgelehnt“, sagt der FWG-Gemeinderat und Fraktionssprecher. Aber Hartl blieb hartnäckig, Hagleitner gab nach und machte mit. Das Problem: Die Firma Biolink signalisierte schon damals, dass sie erweitern möchte. Aber in der Nachbarschaft am Brunnenweg in Waakirchen gab’s kein Bauland mehr, nur Landschaftsschutzgebiet. Das gehört zum Teil der Gemeinde und zum Teil mehreren Landwirten, unter anderem Hagleitners Vater. 

Schon mal verließ eine High-Tech-Firma den Standort, weil es keine Erweiterungsoptionen gab. Das wollte der Bürgermeister nicht ein zweites Mal zulassen. Hartl handelte mit den Besitzern einen Städteplanervertrag aus. Hagleitner vermittelte. Wenn der Vertrag mal unterschrieben ist, hat die Gemeinde die Planungshoheit über das neue Gewerbegebiet. Nicht die Grundbesitzer entscheiden dann, was wann wie bebaut wird, sondern allein die Gemeinde. „Das muss nicht sofort passieren, sondern kann fünf oder zehn Jahre dauern“, erklärt Hartl. 

Je nachdem, ob Biolink trotz Umzugsbeteuerungen wider Erwarten doch bleibt und wann andere Interessenten auftauchen. Die Besitzer können also nur abwarten. „Erst wenn der Grund bebaut wird, fließt auch Geld.“ Inzwischen ist das Land am Brunnenweg kein Schutzgebiet mehr (wir berichteten). Und das neue Gewerbegebiet nimmt Formen an. Auch wenn Biolink gehe, sei das trotzdem eine super Entwicklungsmöglichkeit für Waakirchen. „Ein weiteres Gewerbegebiet werden wir nicht bekommen“, sagt Hartl. „Das war unsere letzte Chance.“ 

Gleichzeitig brodelt es in der Waakirchner Gerüchteküche. Gemauschel, vermuten einige. Unsere Zeitung erreichte ein anonymer Brief, in dem die Verquickung angeprangert wird. „Ich habe befürchtet, dass das von einigen in ein schlechtes Licht gerückt wird“, sagt Hagleitner. Dass Hagleitners Bruder, Architekt Hans Hagleitner, die Planung des Gewerbegebiets übernimmt, macht es nicht besser. „Hans Hagleitner war schon für die früheren Planungen verantwortlich und kennt das Gelände“, erklärt Hartl. Ein anderer Architekt hätte sich völlig neu einarbeiten müssen. Und das wäre teuer geworden. 

Wilfried Schober, Rechtsexperte des Gemeindetags, gibt den beiden grundsätzlich recht: „So viele Zufälle sehen schon komisch aus.“ Aber solange sich Hagleitner bei den Abstimmungen über das Gewerbegebiet im Gemeinderat enthalte – und das hat er bisher –, sei ihm rechtlich nichts vorzuwerfen. Und: „Gemeinderäte sind oft Landwirte, und den Landwirten gehört der Grund.“ Manchmal sei das eben nicht zu vermeiden. 

In seiner jüngsten Sitzung stieg der Gemeinderat in die Detailplanung ein. Im Süden kommen mal große Fertigungshallen hin, ähnlich dem Biolink-Gebäude. Ein Hag umrundet das Gebiet, im Norden soll ein Bahnhaltepunkt entstehen und Platz für kleinere Gewerbebauten sein. Bürgermeister Hartl bedankte sich nochmals bei seinen Stellvertretern Erwin Welzmiller (CSU) und Rudi Reber (ABV) sowie bei Andreas Hagleitner. Für ihre Hilfe beim Voranbringen des Gewerbegebiets bekommt jeder von ihnen einen kleinen Adventskalender.

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