+
Zur Bürger-Info hatte die CSU ins Pfarrheim eingeladen.

Waakirchner Bürgerbewegung bei CSU-Veranstaltung

Gretchenfrage zum Tunnel bleibt unbeantwortet

  • schließen

Plakate, Anzeigen: Um Politikern ein Wahlversprechen pro Tunnel zu entlocken, gibt die Bürgerbewegung Waakirchen Gas. Kurz vor einer CSU-Veranstaltung startete die Gruppe eine Kampagne.

WaakirchenEin Wahlzettel in Schwarz-Rot-Gold. Das Kreuzchen für: den Tunnel. So sieht das Plakat zur Kampagne der Bürgerbewegung Waakirchen aus. Die Gruppierung hat es in örtlichen Läden aufgehängt und als Anzeige auch in unserer Zeitung veröffentlicht. Das soll nur der Anfang der Kampagne „Unsere Wahl – ein Tunnel in Waakirchen und für die Region“ sein. „Die Sommerferien sind vorbei, jetzt kommt der heiße Herbst“, macht Lars Hülsmann als Sprecher der Bürgerbewegung klar. Kurz vor der Wahl will Hülsmann Politikern Versprechen abringen, an die man sie später erinnern kann.

Dass der CSU-Bundestagsabgeordnete Alexander Radwan bei seiner Wahlkampftour auch in Waakirchen Station macht, kommt Hülsmann gelegen. Radwan kneift nicht, sondern stellt seinen Auftritt im Waakirchner Pfarrheim tapfer unter das Thema „Mobilität im Oberland“. Mit Staatssekretär Gerhard Eck, im Innenministerium zuständig für Bau und Verkehr, hat er den passenden Ansprechpartner an der Seite.

Auf dessen Aussagen ist nicht nur die Bürgerbewegung gespannt. Das Thema Verkehr erhitzt die Waakirchner, aber nicht alle sehen die Dinge so wie Hülsmann. Bürgermeister Sepp Hartl (FWG) und der Gemeinderat wünschen sich eine Verbesserung der Verkehrssituation von Waakirchen. Durch einen Tunnel oder auch eine Umgehungslösung, wenn sie gut ist. Was sie nicht wollen, ist eine billige Trasse, die nur Verkehr verlagert. Ihre größte Angst ist, dass der Bund gegen den Wille

n der Gemeinde einfach die günstigste Variante in die Landschaft setzt. Die Planungsbehörde ist das Staatliche Bauamt Rosenheim. Bei der Kommunikation mit dessen Vertretern hakte es zuletzt, was die Sorgen am Ratstisch erhöht hat.

Um zu hören, was Eck und Radwan zur Waakirchner Verkehrsplanung zu sagen haben, verlegte Bürgermeister Hartl die bereits anberaumte Gemeinderatssitzung um eine Woche. Eine Sitzung im Rathaus gab’s vor Beginn der CSU-Veranstaltung im Pfarrheim trotzdem. Hinter verschlossenen Türen redeten Eck und Radwan mit Hartl und Vertretern aller Gemeinderats-Fraktionen über die Planung für Umgehung oder Tunnel. Klare Botschaft dort: Es wird kein Projekt umgesetzt, das der Gemeinde nicht gefällt. Die Fraktionsvertreter verlassen den Raum mit zufriedenen Mienen. Die meisten sind kurz darauf auch bei der CSU-Veranstaltung im Pfarrheim dabei.

Dort macht Eck im halbwegs gefüllten Saal seinen Zuhörern klar: Noch sind keine Entscheidungen zur Waakirchner Verkehrsplanung gefallen. Als Alternative zur Umgehung werde ein Tunnel geprüft. Und zwar ordentlich, „nicht nur so larifari“. Schließlich müsse die Planung vor Gericht standhalten: „Es gibt eigentlich kein Projekt, das nicht beklagt wird.“ Schon deshalb sei es schlicht nicht möglich, dass ein Beamter eine Sache – wie die Forderung nach einem Tunnel – einfach liegen lasse: „So geht es in einem Rechtsstaat nicht zu.“

In der anschließenden Diskussion stellt Hülsmann die Gretchenfrage trotzdem. Ob Eck den Bau eines Tunnels unterstützen werde, wenn das Kosten-Nutzen-Verhältnis größer als eins sei, will Hülsmann wissen. Eck lässt ihn abblitzen. „Diese Antwort bekommen Sie von mir heute nicht“, macht er klar. Noch kenne er die Details nicht. Erst nach der intensiven Prüfung aller Möglichkeiten könne die Entscheidung fallen – im Dialog mit der Gemeinde. Alexander Radwan sieht das nicht anders. Seine Aussage: „Wenn es eine realistische Möglichkeit gibt, den Tunnel zu realisieren, werde ich dafür kämpfen.“

So heiß das Thema ist: Eine emotionale Debatte um den Tunnel entbrennt nicht, trotz der Kampagne der Bürgerbewegung. Eck bietet Hülsmann einen Gesprächstermin an, was diesem vorerst genügt. Gerhard Voit, Vertreter der Bürgerinitiative Verkehr, beobachtet es zufrieden. Die Initiative ist der – viel ältere – Gegenpol zur Bürgerbewegung. Über Jahre hinweg hat sie dafür gekämpft, dass der Bau einer Waakirchner Umgehung im BVWP als vordringlich eingestuft wird. Dass der Staatssekretär sich in Sachen Tunnel nicht hat festnageln lassen, gefällt Voit. Die größte Sorge der Initiative ist, dass am Ende nichts passiert – weil ein Tunnel zu teuer kommt und andere Möglichkeiten nicht mehr erörtert werden.

In der Debatte hat sich die Initiative nicht zu Wort gemeldet, im Stillen ist sie fleißig. Demnächst wird sie beim Staatlichen Bauamt mehrere Vorschläge für eine Umgehungsstraße einreichen, lässt Voit durchblicken: „Und zwar gut ausgearbeitete.“

Bis Ende Oktober ist das noch möglich. Bislang liegen dem Staatlichen Bauamt bereits sechs Vorschläge vor, wie Bereichsleiter Christian Rehm auf Nachfrage mitteilt. Das Ergebnis all der Überprüfung fließt in eine Machbarkeitsstudie. Das Amt wolle sie möglichst noch in diesem Jahr vorstellen, erklärt Rehm. Ob das zu schaffen sei, hänge vom Aufwand der Prüfung ab. Und der könne „je nach Linienführung der Variante“ stark variieren.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Problem-Biber erreicht jetzt auch Rottach - und wird heftig diskutiert
Die Biberfamilie an der Weißach steht unter Beobachtung. Ob das ausreicht, wurde im Rottacher Gemeinderat heftig bezweifelt. Mancher fürchtet, dass die Population aus …
Problem-Biber erreicht jetzt auch Rottach - und wird heftig diskutiert
Wasserschutzzone: Kreisausschuss darf doch mitreden
Die emotionalen Entgleisungen wiederholten sich nicht: Einstimmig haben die Kreisräte beschlossen, dass der Kreisausschuss nun im Verfahren um die Wasserschutzzone …
Wasserschutzzone: Kreisausschuss darf doch mitreden
Urteil zur Zweitwohnungssteuer: So reagieren die Gemeinden
Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat ein Machtwort gesprochen: Die bayerische Mustersatzung zur Zweitwohnungssteuer ist rechtswidrig. Die betroffenen Gemeinden …
Urteil zur Zweitwohnungssteuer: So reagieren die Gemeinden
Landkreis steckt 32,1 Millionen ins Krankenhaus Agatharied
Es ist eines der Megaprojekte der kommenden Jahre: 32,1 Millionen Euro wird der Landkreis ins Krankenhaus Agatharied investieren. Das haben die Beratungen zum …
Landkreis steckt 32,1 Millionen ins Krankenhaus Agatharied

Kommentare