Hanfpflanze im Beet der Bundesgartenausstellung in Erfurt entdeckt (Symbolfoto).
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Aus den kultivierten Setzlingen gewannen Kunden des Waakirchner Angeklagten Marihuana (Symbolfoto).

Schöffengericht

Hanfsetzlinge geschmuggelt: Polizei schnappt Waakirchner in der Schweiz - Bewährungsstrafe verhängt

Alles hatte legal begonnen, doch dann lockte der schnöde Mammon auf illegales Terrain. Ein Waakirchner musste sich nun vor dem Schöffengericht verantworten.

Waakirchen – „Ich könnte mich immer noch ohrfeigen“, erklärte ein 48-jähriger Waakirchner in Rückschau auf seine „lukrative Geschäftsidee“. Laut Anklage soll der Waakirchner ab November 2017 in fünf Fällen Hanfsetzlinge aus Österreich über die Schweizer Grenze geschmuggelt haben, um sie dort an verschiedene Kunden zu verkaufen.

Diese kultivierten die Pflanzen weiter, um Marihuana zu gewinnen. Mal waren es 50 Setzlinge, die 50 Gramm Rauschgift erbrachten, in vier Fällen 2018 zwischen 1000 und 3000 Pflänzchen verschiedener Hanfsorten, aus denen die Abnehmer je bis zu 3,7 Kilogramm Marihuana hergestellt haben sollen. Im April 2018 wurde der 48-Jährige in Rheineck bei einer „Lieferung“ von der Polizei geschnappt – mit 1200 Setzlingen und 2750 Euro Bargeld, das angeblich aus den früheren illegalen Lieferungen stammte.

Vermarktung von Setzlingen in Österreich laut Angeklagtem legal - Besitz in der Schweiz indes strafbar

Bei drei Befragungen in der Schweiz im Zuge der Ermittlungen habe der Angeklagte bereits umfassend gestanden, sagte Richter Walter Leitner. Sein Mandant sei bereit, alle Fragen zu beantworten, erklärte Verteidiger Christian Beil. 2016 habe er in Österreich einen Zwei-Mann-Betrieb zur Vermarktung von Hanfsetzlingen gegründet, erklärte der Angeklagte. Nach österreichischem Recht sei das legal. Beworben habe man die Ware über Internet und soziale Medien. Irgendwann hätten sich dann auch Interessenten aus der Schweiz gemeldet und „die eine und andere Pflanze mit rüber genommen“ – obwohl der Besitz dort strafbar ist, worauf er die Kunden stets hingewiesen habe.

Irgendwann sei er dann auf den Gedanken gekommen, die Setzlinge selbst in die Schweiz auszuliefern, um zusätzliche Einnahmen zu erzielen. „Mir kamen da wohl die Dollarzeichen in die Augen“, gestand der Angeklagte. Die Übergabe sei an neutralen Orten wie Raststätten oder Tiefgaragen erfolgt. Den „Obolus“ habe er nicht eingesteckt, sondern ins Geschäftskapital eingebracht, um das Unternehmen aus den anfänglich roten Zahlen herauszuholen. Die bei seiner Verhaftung gefundene Summe Bargeld stamme aber aus legalen Geschäften. Seine Kunden hätten meist Decknamen verwendet, erklärte der Angeklagte. Ein Abnehmer habe allerdings seinen richtigen Namen genannt. Der bereits polizeibekannte Mann konnte anhand eines Fotos identifiziert werden.

Schöffengericht: „Massiven Schlussstrich unter die kriminelle Geschichte“ gezogen - Bewährungsstrafe verhängt

Das Schöffengericht verhängte eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten und ordnete die Einziehung von 7750 Euro illegaler Einkünfte an. Die Aufklärungshilfe durch ein „weit überschießendes“ Geständnis wirke sich strafmildernd aus, hieß es zur Urteilsbegründung, zumal der Angeklagte nicht nur die Tat eingeräumt hatte, bei der die Polizei ihn ertappte, sondern auch weitere Geschäfte. Zudem habe er durch seine Aussage die Ladung der Schweizer Ermittler als Zeugen erspart. Zu seinen Gunsten wertete das Gericht auch, dass er selbst nie Drogen konsumiert und 2018 einen „massiven Schlussstrich unter die kriminelle Geschichte“ gezogen habe. Dennoch habe es sich um ein illegales Geschäft großen Stils gehandelt.

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