Harter Winter: Zirkus William bleibt vorläufig in Waakirchen
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Der harte Winter macht Marion William-Köllner und ihrer Familie schwer zu schaffen. Noch für mehrere Wochen werden die Schausteller auf dem Grundstück beim Bräumannhof in Waakirchen bleiben.
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Zirkus im Winter, Eindrücke.
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Wir haben mal vorbeigeschaut: Klaus-Maria Mehr und Gabi Werner von der Tegernseer Zeitung im Trailer.

Familie William harrt am Bräumannhof aus

Wie der Wanderzirkus mit dem Winter klarkommt - ein Besuch

Waakirchen - Eiseskälte, Schneefall und zuletzt Orkanböen: Das Wetter setzt dem Zirkus William auf seinem Standplatz beim Bräumannhof in Waakirchen arg zu – und es macht einen Ortswechsel unmöglich.

Der kleine Gasofen im „Wohnzimmer“ der Familie William läuft seit Tagen auf Hochtouren. Er bringt den Sattelauflieger, der zur Heimstatt umfunktioniert wurde und direkt neben dem denkmalgeschützten Bräumannhof in Waakirchen steht, auf angenehme 20 Grad. Doch das frisst in diesen Tagen Unmengen an Energie: „Zuletzt hat die Gasflasche nur noch einen Tag gehalten“, sagt Marion William-Köllner (48) und stöhnt: „Ich hoffe immer, dass das Gas nicht ausgerechnet in der Nacht ausgeht.“ Der Winter – er sei für eine Zirkusfamilie eben hartes Brot.

Dabei ist das Gelände am Bräumannhof für den kleinen Zirkus mit seinen 16 Leuten (alles Familienmitglieder) eigentlich ein Glücksfall. Bereitwillig stellte Eigentümerin Hannelore Rehme, früher eine am Tegernsee sehr aktive Mäzenin, ihren Grund und Boden zur Verfügung. Sogar einen Waschraum in dem Hof dürfen die Williams mitbenutzen. Das ist mehr Komfort, als die Familie ansonsten gewohnt ist. Und dennoch: Mit dieser Kälte und dem vielen Schnee hatten die Schausteller nicht gerechnet. „Die letzten Winter waren ja immer so mild“, meint die Chefin.

Video: Zirkusleben im tiefsten Winter

Nicht so heuer: Schon mehrfach mussten die männlichen Familienmitglieder aufs Dach des Tierzeltes steigen, um Schneemassen herunter zu schaufeln. „Die Zelte sind unsere Existenz“, erklärt William-Köllner. Nicht auszudenken, wenn sie unter der Last zusammenbrechen würden. Das große Zirkuszelt hat die Familie gleich nach der letzten Weihnachtsvorstellung am 8. Januar abgebaut, doch die Behausung der Pferde und Ponys blieb stehen. Als am Freitag Orkan-Tief Egon über Bayern hinweg fegte, mussten die Zirkus-Männer seit den frühen Morgenstunden die Spanngurte festzurren und die Eisenpflöcke sichern, mit denen das Zelt im feuchten Boden verankert ist.

Weitaus weniger hektisch ging es unterdessen im Wohn-Anhänger der Williams zu: Der jüngste Spross von Marion und ihrem Mann Alfons William-Köllner – der fünfjährige Jessi – hat es sich am Morgen auf dem Sofa bequem gemacht und schaut fern. Die Kindersendung flimmert über einen Flachbildschirm, ansonsten macht die Ausstattung des Anhängers einen eher kargen Eindruck: ein wackliger Tisch, zwei Bänke, orangefarbene Vorhänge an den Fenstern, verblichene Familienfotos an der Wand, eine kleine Küche. „Wir müssen aufpassen, dass uns das Wasser nicht einfriert“, sagt die Zirkus-Chefin beim Blick aufs Waschbecken.

Weniger Probleme mit der Kälte scheinen die Tiere der Zirkus-Familie zu haben. Die Lamas und Ziegen können sich in einen kleinen Anbau des Bräumannhofs zurückziehen, ein Teil hat sich trotz des eisigen Windes nach draußen auf die eingezäunte Wiese gewagt. Dromedar Mockel und Kamel Sarabu recken ihre Köpfe aus einem Anhänger, und im Tierzelt laben sich in den Boxen Pferde, Ponys und Esel am Heu. „Die haben ein dickes Winterfell, denen macht das Wetter nichts aus“, versichert William-Köllner.

Das Futter für die Tiere kaufen die Zirkusleute meist bei einheimischen Bauern. „Manchmal bekommen wir auch einen Ballen Heu geschenkt“, erzählt die 48-Jährige. Das tut gut in diesem harten Winter. Vorstellungen gibt es derzeit nämlich keine, die Williams versuchen, sich mit Schulzirkus über die kalte Jahreszeit zu retten. Das heißt: Sie bieten Schulen und Kindergärten der Umgebung an, mit den Artisten in die jeweilige Einrichtung zu kommen und die Kinder zu unterrichten. Bislang wartet die Familie aber noch auf den ersten Auftrag.

Weil das Wetter ein Weiterziehen derzeit unmöglich macht, wird der Zirkus wohl noch mehrere Wochen in Waakirchen bleiben. Wohin es danach geht, weiß die Chefin noch nicht. „Wir folgen da unserem Bauchgefühl.“

gab

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