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Der neue Kindergarten in Schaftlach befindet sich derzeit im Bau.

Große Investitionen im Jahr 2019 

Haushalt Waakirchen: Beherzter Griff in die Rücklagen

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Der Bau des Kindergartens läuft, ein neues Feuerwehrhaus soll folgen: Die Gemeinde Waakirchen hat 2019 finanziell viel zu schultern. Sie muss kräftig in die Rücklagen greifen.

Waakirchen – „Wir plündern unsere Konten aber sauber“, merkte Wolfgang Nagler (FWG) an, der dem örtlichen Rechnungsprüfungsausschuss vorsitzt. 2,25 Millionen Euro holt sich die Gemeinde 2019 aus der Rücklage, um die geplanten Investitionen stemmen zu können.

Einkalkuliert hat Kämmerer Anton Demmelmeier auch eine Kreditaufnahme in Höhe von 800.000 Euro. Ob die Gemeinde den Kredit am Ende wirklich brauchen wird, ist offen. Demmelmeier empfahl jedoch, die Zustimmung der Rechtsaufsicht für diesen Fall einzuholen – vorsorglich.

Dabei scheint das größte Vorhaben der Gemeinde, das Wohnprojekt in der Dorfmitte, nur am Rande im Hauhalt auf. Wie berichtet, ist das Projekt auf 14 Millionen Euro kalkuliert. Zehn Millionen Euro müsste die Gemeinde finanzieren, knapp vier Millionen Euro schießt der Freistaat zu. Aktuell steht die Planung des Komplexes mit 29 Wohnungen, einigen Läden, Tiefgarage und Dorfplatz allerdings im Feuer. Voraussichtlich wird es zum Bürgerentscheid kommen. Offen ist auch noch, ob das Wohnbauprojekt – sollte es dafür grünes Licht geben – vom Kommunalunternehmen realisiert wird.

Insgesamt hat der Haushalt 2019 ein Volumen von 18,28 Millionen Euro, das ist im Vergleich zu 2018 ein Zuwachs von 10,3 Prozent. Der Verwaltungshaushalt beläuft sich auf 12,01 Millionen Euro, der Vermögenshaushalt auf 6,25 Millionen.

Einen Rekordwert verzeichnet Demmelmeier beim Anteil an der Einkommenssteuer, den die Gemeinde 2019 voraussichtlich einstreichen wird: vier Millionen Euro. „Vor zehn Jahren hätten wir von solchen Dimensionen noch nicht einmal träumen können“, erklärte der Kämmerer. Auch die Gewerbesteuer bringt viel Geld ein: drei Millionen Euro.

Allerdings muss Waakirchen auch ein großes Stück vom Kuchen an den Landkreis abgeben. Die Kreisumlage beträgt 3,48 Millionen Euro. Die Zuführung vom Verwaltungs- in den Vermögenshaushalt beläuft sich auf 1,46 Millionen Euro. Damit können laufende Kredite ohne Probleme bestritten werden, heißt es im Bericht zum Haushalt.

Der Schuldenstand wird sich bis Ende 2019 auf 4,33 Millionen Euro belaufen, was einer Pro-Kopf-Verschuldung von 749 Euro pro Einwohner entspricht. 2018 lag sie noch bei 645 Euro. Waakirchen liegt aber immer noch unter dem Landesschnitt von 766 Euro pro Einwohner. Die Rücklagen werden Ende 2019 etwa 1,14 Millionen Euro betragen.

Bürgermeister Sepp Hartl (FWG) stöhnte über den „Riesenbatzen“, den der Landkreis seiner Gemeinde über die Kreisumlage abverlangt. FWG-Fraktionssprecher Norbert Kerkel, der dem Kreistag angehört, widersprach nicht. Der Landkreis habe das Geld aber nicht verprasst, sondern zum Beispiel Schulen gebaut. Ziel sei jedoch, die Kreisumlage von derzeit 53 Punkten weiter zu senken. Der Waakirchner Haushalt, so Kerkel, sei „solide aufgestellt“.

Balthasar Brandhofer (ABV) verwies darauf, dass die Kreisumlage in etwa so viel koste, wie die Gewerbesteuer einbringe. Die Gemeinde müsse sich überlegen, ob es überhaupt lohne, weitere Gewerbegebiete auszuweisen. „Von dem Geld bleibt uns wenig.“ Hartl widersprach. Die Gemeinde profitiere auch über die Einkommenssteuer.

Martin Weingärtner (ABV) hakte bei den Kosten für den Katastrophenschutz nach. Satte 150.000 Euro stehen als Ausgabe im Haushalt. „Das war die Schneekatastrophe“, erklärte Demmelmeier. Alle Kosten, von der Abfuhr des Schnees bis hin zur Lohnerstattung, seien in dieser Haushaltsstelle erfasst. Die kalkulierte Summe von 150.000 Euro sei sogar etwas überschritten worden. Auf dem Betrag bleibe die Gemeinde aber nicht sitzen: „Da bekommen wir 80 Prozent Zuschuss.“

Die wichtigsten Investitionen: 
Die Kindergarten-Erweiterung in Schaftlach ist 2019 mit 1,8 Millionen Euro der größte Posten. 2020 werden dafür noch 110.000 Euro fällig. Fürs neue Feuerwehrhaus Waakirchen sind 2019 1,84 Millionen Euro veranschlagt. 2020 sind noch 400.000 Euro eingeplant. Für Feuerwehr-Gerätschaften stehen 130.000 Euro bereit. Die Wasserversorgung schlägt 2019 mit 631.000 Euro zu Buche, in den drei Folgejahren werden jeweils 331.000 Euro investiert. Für die Aussegnungshalle und das Gerätehaus am Schaftlacher Friedhof investiert die Gemeinde 2019 130.000 Euro. Der Bau der Splitthalle verschlingt heuer 366.000 Euro, in den drei Folgejahren sind je 10.000 Euro eingeplant. Für den Bauhof sind 20.000 Euro eingestellt, die Turn- und Mehrzweckhalle bis 2022 60.000 Euro. Für den Ausbau des Breitbandnetzes kalkuliert die Gemeinde 2019 mit 130.000 Euro. Von 2020 bis 22 fließen weitere 290.000 Euro. Für Straßenbau sind bis 2022 730.000 Euro vorgesehen. Für die Erschließung des neuen Gewerbegebiets am Brunnenweg rechnet die Gemeinde 2019 mit 170.000 Euro. Bis 2022 kommen 640.000 Euro hinzu.

jm

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