Bauarbeiten am Bahnhof Schaftlach.
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Bauarbeiten am Bahnhof Schaftlach.

Anwohner kämpft weiter gegen Lärmbelästigung

Hilferuf an die Gemeinden

  • Gerti Reichl
    VonGerti Reichl
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Der Schaftlacher Karl Nickisch kämpft unermüdlich für eine Verbesserung der Lärmsituation am Bahnhof Schaftlach. Jetzt hat er beschlossen, seine Heimatgemeinde Waakirchen sowie Gmund und Tegernsee als Miteigentümerinnen der Tegernsee-Bahn um Hilfe zu bitten.

Schaftlach – Vor und hinter dem Haus von Karl Nickisch, das sich Luftlinie 150 Meter von den Gleisen entfernt befindet, ist dieser Tage noch mehr los als sonst: Vom Ortsende in Richtung Piesenkam wird in der Straße eine neue Wasserleitung verlegt, verbunden mit Baulärm und Verkehr, der sich an der Bauampel staut. Am Bahnhof ist die Verlegung der Glasfaserkabel mit dazugehörigem Bau der Schächte in vollem Gange. Dazu kamen jüngst Gleisbauarbeiten auf dem Strang Richtung Tegernsee. Diese allerdings bescherten den Anwohnern zumindest nachts ungewohnte Ruhe: Wegen der Bauarbeiten wurden die Lint-Züge der Bayerischen Regiobahn (BRB) durch Busse ersetzt. „Hunderte von Anwohnern können ausreichend gut schlafen, weil eine Handvoll Fahrgäste in dieser Zeit mit dem Schienenersatzverkehr von Schaftlach nach Gmund und Tegernsee transportiert worden ist“, berichtet Karl Nickisch und stellt fest: „Die Busse waren in hervorragendem Zustand und unglaublich leise.“

An diesem Punkt setzt Nickisch in einem Schreiben an, das er an den Gmunder Bürgermeister Alfons Besel und die Gemeinderäte gerichtet hat. Darin schildert er, warum es den Anwohnern des kleinen Bahnhofs Schaftlach gar nicht gut gehe. „Seit zehn Monaten fahren die neuen, minderwertigen und mängelbehafteten Züge der BRB durch unser ansonsten so wunderschönes Oberland“, schreibt Nickisch. Diese Züge seien jedoch unglaublich laut und würden auch ansonsten in vielerlei Hinsicht Probleme machen. Probleme, auf die Nickisch immer wieder aufmerksam macht. Er schreibt nicht nur an die BRB, sondern auch an CSU-Stimmkreisabgeordnete Ilse Aigner, das Bayerische Umweltministerium und auch an die DB Netz AG als Betreiberin der Gleise (wir berichteten).

Kampf gegen Lärm: Nächtliche Ersatz-Busse sollten zur Dauerlösung werden

In dem Schreiben an Besel macht er nun folgenden Vorschlag: Besagte Ersatz-Busse, „die den neuesten Normen entsprechen und weder quietschende Bremsen, noch Türwarnsummer haben und auch keine kurvenquietschenden Geräusche oder gar lästiges Hupen an Bahnübergangen verursachen“, sollten die Zukunft sein, um zwischen 22 Uhr und 6 Uhr die Bahnhöfe miteinander zu verbinden. „Mindestens so lange, bis die Züge lärmarm fahren können.“

Alfons Besel hat bereits reagiert auf den Hilferuf, macht aber wenig Hoffnung: Die Gemeinde Gmund habe keinen Einfluss auf den Bahnbetrieb, so Besel. Der Schienenpersonennahverkehr werde im Auftrag des Freistaats Bayern von der Bayerischen Eisenbahngesellschaft mit Sitz in München geplant, finanziert und kontrolliert. „Auch hatte die Gemeinde auf die Bestellung der Lint-Züge keinen Einfluss.“ Er bitte um Verständnis, so Besel, aber Nickisch müsse sich an die BRB mit Sitz in Holzkirchen wenden.

Hilferuf an die Gemeinden: Waakirchens Bürgermeister signalisiert Unterstützung

Einen Hilferuf hat Nickisch auch an Bürgermeister Norbert Kerkel und die Waakirchner Gemeinderäte geschickt. Darin bedauert er, dass die BRB bisher „kein wirkliches Interesse“ gezeigt habe, um die Gesamtsituation zu verbessern und die Lärmbelästigung zu reduzieren. Nickisch führt in dem Schreiben alle wesentlichen Punkte auf – den Lärm durch Motoren, Druckluft, Türen, Gleisschäden, Weichen, Beschleunigungen, Kurvenquietschen und Hupen an unbeschrankten Bahnübergängen. Auch zu „Geisterzügen“ nach 23 Uhr und weiteren Mängeln im Bereich der Barrierefreiheit bezieht Nickisch Stellung und bittet: Die Gemeinde möge sich der Angelegenheit annehmen, „damit sich die schlechte Situation wieder normalisiert und wir Anwohner wieder ruhig schlafen können.“

Rathauschef Norbert Kerkel signalisiert in einer ersten Reaktion Unterstützung: Er werde mit den zuständigen Stellen einen Termin vereinbaren und auch zu seinen Amtskollegen in Gmund und Tegernsee Kontakt aufnehmen, sagt Kerkel auf Nachfrage, „dann schauen wir mal, was wir tun können und was vielleicht schon in Arbeit ist.“ Wenn er erste Ergebnisse habe, dann werde er dies mit dem Gemeinderat besprechen. „Vorher“, so der Bürgermeister, „macht das wenig Sinn.“

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