+
Was plant der Klebemittelhersteller Biolink? Nach dem Willen der Gemeinde soll sich das Unternehmen bis 18. Juni zu seiner Zukunft äußern. Das Unternehmen selbst hat keinen Zeitdruck. Zuletzt wurde der Pachtvertrag um zwei Jahre verlängert – mit Option für weitere Jahre. 

Hin und Her um Gewerbeansiedlung

Bürgermeister setzt Biolink Frist

  • schließen

Das Zittern in Sachen Biolink ist noch nicht vorbei. Waakirchens Bürgermeister Sepp Hartl hat eine Frist gesetzt: Bis Mitte Juni will er eine Entscheidung, ob das Unternehmen im neuen Gewerbegebiet am Brunnenweg baut. Davon hängt viel ab.

Waakirchen – Um den Klebemittelhersteller Biolink in Waakirchen zu halten, hatte Bürgermeister Sepp Hartl (FWG) die Erweiterung des Gewerbegebiets am Brunnenweg 2015 im Kreistag durchgeboxt. Es war eine Enttäuschung, als das Unternehmen wenig später mitteilte, es wolle in Bad Tölz neu bauen und verlasse Waakirchen. Aber nicht das Ende der Überraschungen: Nach der Übernahme von Biolink durch den französischen Konzern Saint Gobain im Juli 2017 ließ das Unternehmen die Baupläne in Bad Tölz wieder fallen. Sie waren auf 120 Mitarbeiter ausgelegt, in Waakirchen sind rund 65 beschäftigt.

Kurz darauf meldete Biolink wieder Interesse an einem Baugrundstück in Waakirchen an. Auf eine Entscheidung wartet die Gemeinde noch immer. Jetzt hat Hartl eine Frist gesetzt: „Bis zur Gemeinderatssitzung am 18. Juni will ich Bescheid wissen.“

Das Unternehmen selbst hält sich bedeckt. Nach dem Hin und Her ist die Kommunikation mit der Gemeinde holprig. „Es ist schon ein Vertrauensverlust da“, gesteht Hartl offen ein. Die aktuelle Planung des Gewerbegebiets gibt Biolink aber noch Raum für einen Neubau. Er würde die Mitte der geplanten Industrieansiedlung einnehmen und wäre von kleineren Betrieben umgeben. Entscheidet sich Biolink gegen eine Erweiterung am Standort Waakirchen, muss die Gemeinde ihre Planung ändern. „Dann füllen wir mit kleineren Betrieben auf“, sagt Hartl. An Interessenten mangele es nicht. Eben deshalb wolle man jetzt Gewissheit haben.

Der Ausbau des Brunnenwegs soll schon bald beginnen. Die schmale Straße ist marode und soll auch einen Gehweg bekommen. Zudem sind verkehrsberuhigende Maßnahmen geplant. Welche genau, das wird Thema eines Runden Tischs mit den Anwohnern sein, der in den nächsten Wochen stattfindet. „Das haben wir ja versprochen“, meint Hartl.

Mit dem Runden Tisch zur Gestaltung des Brunnenwegs versucht die Gemeinde, Wogen zu glätten. Wie berichtet, hatte eine Anwohnerinitiative ein Bürgerbegehren eingereicht, das eine komplette Neuplanung des Gewerbegebiets fordert. Das Begehren wurde jedoch für unzulässig erklärt, weshalb es keinen Bürgerentscheid gibt. (mehr dazu lesen Sie hier: Bürgerbegehren zum Gewerbegebiet für unzulässig erklärt)

Das neue Gewerbegebiet umfasst eine Fläche von 50 000 Quadratmetern. Die Gemeinde hat sich das Areal vertraglich als Eigentum gesichert. Bezahlen muss sie erst bei Weiterverkauf. Bislang hat sie lediglich eine kleine Fläche erworben. Demnächst dürfte der erste Grundstücksverkauf an einen Betrieb über die Bühne gehen, ein entsprechender Vertrag wird Hartl zufolge gerade geprüft.

Es handelt sich um ein Grundstück, das Biolink keinesfalls benötigt. Wie viele und welche Betriebe ansonsten zum Zug kommen, hängt davon ab, ob sich Biolink zum Kauf des anvisierten Grundstücks entschließt.

Ein Thema dürfte dabei die Kaufsumme sein. Zu Beginn der Erweiterungspläne stellte die Gemeinde Biolink noch einen Sonderpreis von 150 Euro pro Quadratmeter in Aussicht. Auf den Rückzug der Firma folgten eine öffentliche Ausschreibung und eine Festlegung der Preise. Demnach kostet ein Quadratmeter Grund im Gewerbegebiet zwischen 250 und 380 Euro.

Lesen Sie auch: Standortfrage ist weiter offen Am Brunnenweg: Ein Behelfsdomizil für Biolink

An einen schnellen Abschied von Waakirchen denkt Biolink offenkundig nicht. Der Pachtvertrag für das Rixner-Gebäude, in dem das Unternehmen sitzt, wurde um zwei Jahre verlängert, weiß Hartl. Es gebe auch eine Option für weitere Jahre. Der ursprüngliche Vertrag lief nur bis August 2020.

Um der Raumnot zu begegnen, hatte sich Biolink Ende 2018 ein Behelfsdomizil am derzeitigen Standort bewilligen lassen. Es besteht aus einer Leichtbauhalle und Büro-Containern. Im Bauausschuss war man sich damals einig: Das darf nur eine Übergangslösung sein.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Mehrere Einbrüche im Tegernseer Tal: Angeklagten drohen Haftstrafen
Sie sollen gleich mehrere Einbrüche in Läden und Firmen im Tegernseer Tal begangen haben. Jetzt standen die beiden Männer vor Gericht. Es drohen ihnen lange Haftstrafen.
Mehrere Einbrüche im Tegernseer Tal: Angeklagten drohen Haftstrafen
Zweite Heimat Bad Wiessee: Treuer Urlauber liebt die Aussicht
Bereits zum 50. Mal macht Manfred Blecher heuer in Bad Wiessee Urlaub. An seiner zweiten Heimat liebt er besonders den Ausblick. Sein erster Besuch ist 63 Jahre her.
Zweite Heimat Bad Wiessee: Treuer Urlauber liebt die Aussicht
Gemeinde Rottach-Egern erbt Haus und Grundstück: Verkauf startet bei 1,5 Millionen
Ein Traum: Die Gemeinde Rottach-Egern hat ein 2000 Quadratmeter großes Grundstück geerbt. Doch statt Bauland für Einheimische zu schaffen, verkauft sie meistbietend. …
Gemeinde Rottach-Egern erbt Haus und Grundstück: Verkauf startet bei 1,5 Millionen
Naturkäserei Tegernseer Land setzt aufs Bio-Siegel: Milch jetzt in Glasflasche 
Schluss mit Plastik: Die Milch der Naturkäserei kommt künftig in die Mehrweg-Glasflasche. Und sie trägt das Bio-Siegel. Das schlägt sich in barer Münze nieder – und ist …
Naturkäserei Tegernseer Land setzt aufs Bio-Siegel: Milch jetzt in Glasflasche 

Kommentare