Optimistisch blickt Brauer Markus Hoppe in die Zukunft. Damit es im Sommer zu keinem Engpass mehr kommt, hat er die eigentlich erst in zwei Jahren geplante Erweiterung der Lagerkapazität vorgezogen.
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Optimistisch blickt Brauer Markus Hoppe in die Zukunft. Damit es im Sommer zu keinem Engpass mehr kommt, hat er die eigentlich erst in zwei Jahren geplante Erweiterung der Lagerkapazität vorgezogen.

Investition vorgezogen

Hoppebräu schenkt kräftig nach: Brauerei erweitert Kapazität

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
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Im Lockdown legt Brauer Markus Hoppe (31) noch zu. Drei gewaltige Lagertanks wurden am Mittwoch geliefert, jeder mit einem Fassungsvermögen von 80 Hektolitern.

Waakirchen - Die sechs Meter hohen Metallzylinder in die Hoppebräu-Halle einzupassen, war Millimeterarbeit. „Das ist immer total aufregend“, sagt Hoppe. Doch die Mannschaft ist geübt. Am frühen Morgen rollten die Tanks auf Schwertransportern an, um die Mittagszeit standen sie an Ort und Stelle.Somit stehen jetzt zwölf Lagertanks in Hoppes Halle am Waakirchner Ortseingang. „Es geht viel schneller voran als wir dachten“, stellt der Brauer fest. Eigentlich war die jetzt erfolgte Erweiterung erst in zwei Jahren geplant. Rund 120 000 Euro hat Hoppe in die Tanks investiert.

Brauerei seit 2018 in Betrieb

2018 hatte der junge Brauer mit den großen Plänen das erste Bier in seiner Heimat Waakirchen gebraut. Als kreativer Kopf hatte er sich da schon einen Namen gemacht. Sein Hoppebräu stand für Spezialbiere wie die Wuide Hehna. Später kam das Helle dazu, das heute 75 Prozent des Umsatzes ausmacht. Im April 2019 wurde der Brauereigasthof mit Biergarten neben der Halle eröffnet. Alles war gerade in Schwung, als die Pandemie kam. Unterkriegen lässt sich Hoppe von der Krise nicht. „Wenn man ein bisschen umdenkt, kann sie durchaus eine Chance sein“, findet er. „Es kommt darauf an, wie man sich positioniert.“

Online-Shop aufpoliert

Hoppe hat vor allem seinen Online-Shop aufpoliert. Inzwischen beliefert er die Kundschaft europaweit. Der Umsatz stieg um 25 Prozent. Aber nicht nur deshalb war 2020 ein erfolgreiches Jahr. Die guten Umsätze sind in erster Linie dem Durst der Kundschaft zu verdanken, die gerne zuhause eine Flasche Bier aufmacht, wenn die Lokale zu sind. Erwartet hatte der Brauer das beim ersten Lockdown im März 2020 in diesem Umfang nicht. „Wir haben damals hin und her überlegt“, erinnert sich Hoppe. Lohnt sich die Produktion oder muss man am Ende Bier wegschütten? Das Team entschied sich für einen Kompromiss. Die Brauer produzierten weiter, aber nicht in vollem Umfang. Ein Fehler, wie Hoppe heute weiß. „Wir hätten unbedingt voll produzieren müssen.“ Im Sommer ging Hoppebräu das Bier aus. Als erstes wurde der Export gestoppt, trotzdem konnten die Getränkemärkte nicht im gewünschten Umfang beliefert werden. „Das hat uns weh getan“, sagt Hoppe.

Wiederholen soll sich die Ebbe nicht. „Wir rüsten uns“, erklärt Hoppe. Darum die drei neuen Tanks. Damit im Sommer 2021 das Bier nicht ausgeht, wird jetzt mit Volldampf gebraut. In Flaschen füllen lässt Hoppe das Bier weiterhin in Grafing.

Kapazität soll sich weiter erhöhen

Seine Halle ist inzwischen fast voll. Drei weitere Tanks haben noch Platz, voraussichtlich in zwei Jahren wird Hoppe sie zu den anderen stellen. Ziel seines Zehn-Jahres-Plans ist ein Ausstoß von 15 000 Hektolitern pro Jahr. Nach nun drei Jahren hat er mehr als die Hälfte der angestrebten Endkapazität erreicht. Wegen dieses Tempos wird Hoppe oft gefragt, ob er weitere Neubauten plant. Doch dem ist nicht so. „Ich habe für mich persönlich im vergangenen Jahr gelernt: Das Ganze macht Spaß, ist aber auch ein Kraftakt“, sagt Hoppe. Er freue sich darauf, nach dem Endausbau das Geschaffene zu genießen und damit zu arbeiten. Denn bei aller Freude am Erfolg: „Es war ein brutales Jahr.“

Neben der Brauerei ist auch die Familie gewachsen: Emil (4) hat im Juli 2020 einen Bruder bekommen, Louis. Hoppes Mutter Susi stemmt – außerhalb des Lockdowns – den Pub, wofür der Sohn „unendlich dankbar“ ist. Er habe erkennen müssen, dass er die Gastronomie schwer unterschätzt habe: „Das ist das härteste Pflaster, das man sich vorstellen kann.“

Krise zur Weiterentwicklung genutzt

Für seine Brauerei diene der Pub allerdings nur als Marketing. „Wenn wir am Ende Null haben, ist es gut.“ Aktuell macht der Gastronomie-Bereich wegen des Lockdowns Verluste, die durch ein Mitnahme-Angebot gemildert werden. So musste Hoppe nur wenige der insgesamt 23 Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken. In der Brauerei ist die ganze Mannschaft an Bord. In der Krise habe man viel Energie und Geld in die Weiterentwicklung gesteckt, erklärt Hoppe: „Wir wollen nicht nur die nette kleine Familienbrauerei sein, sondern auch bei Analytik und Qualität den Großen in nichts nachstehen.“

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