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Interview: Baudirektor Stefan Leitner über die Zukunft der Waakirchner Umgehungsstraße

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Von: Christina Jachert-Maier

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Die Belastung der Waakirchner Ortsmitte durch den Verkehr ist groß.
Die Belastung der Waakirchner Ortsmitte durch den Verkehr ist groß. © Archiv Thomas Plettenberg

Wie geht es weiter mit den Plänen für eine Waakirchner Umgehungsstraße? Baudirektor Stefan Leitner hat dazu im Interview mit der Tegernseer Zeitung Stellung bezogen.

WaakirchenEine Südumfahrung Waakirchens, wie seit dem Jahr 2017 im Bundesverkehrswegeplan 2030 (BVWP) vorgesehen, lehnt der Gemeinderat ab. Nach dem im Februar gefassten Beschluss sind auch alle bisher von der Gemeinde angedachten Alternativen vom Tisch. Ist eine Umgehung von Waakirchen also kein Thema mehr? Wir haben bei Baudirektor Stefan Leitner, Leiter des Fachbereichs Straßenbau des Staatlichen Bauamtes Rosenheim, nachgefragt.

Herr Leitner, der Gemeinderat sollte sich für eine Planungsvariante entscheiden, hat es aber bei der Ablehnung der Südumfahrung belassen. War das für Sie eine Überraschung?

Stefan Leitner: Wir haben die Machbarkeitsstudie für mögliche Trassen schon 2018 vorgestellt und die Gemeinde damals gebeten, eine Stellungnahme zur bevorzugten Variante abzugeben. Im Dezember 2019 gab’s dann eine Entscheidung, dass der Gemeinderat gegen die ebenerdige Umfahrung ist. Dass es nicht nur Befürworter einer Umgehung gibt, war auch bekannt. Darum ist der jetzt gefasste Beschluss nicht die allergrößte Überraschung.

Wie wichtig wäre nach Einschätzung des Staatlichen Bauamts eine Umfahrung von Waakirchen?

Stefan Leitner: Es handelt sich um eine Ortsdurchfahrt mit 15.000 Fahrzeugen pro Tag. Diese Zahl liegt deutlich über dem Durchschnitt der Bundesstraßen. Dabei haben wir dort auch noch enge, unübersichtliche Kurven mit vielen Einmündungen, Erschließungen und starken Steigungen von bis zu acht Prozent. Die Einmündung der Staatsstraße war in der Vergangenheit auch ein Unfallhäufungspunkt. Eine Ortsumfahrung würde die Immissionsbelastung für die Anwohner und die Situation für die schwächeren Verkehrsteilnehmer verbessern sowie die Trennwirkung der Ortsdurchfahrt mildern.

Baudirektor Stefan Leitner
Baudirektor Stefan Leitner © Privat

Trifft die im Gemeinderat geäußerte Einschätzung zu, dass es dem Bund nur darum geht, den Verkehr auf der B472 schneller zu machen, nicht um eine Entlastung für den Ort?

Stefan Leitner: Es trifft nicht zu, dass es das einzige Ziel ist. Richtig ist, dass sich mit der im BVWP vorgesehenen Maßnahme für die Verkehrsteilnehmer auf der Bundesstraße Reiseerleichterungen und Zeitersparnisse ergeben würden. Das zu erreichen, ist auch ein Ziel, aber nicht das Hauptziel.

Es sind schon einige Verfahrensschritte zur Umfahrungsplanung getätigt worden. Sind sie mit dem Beschluss des Gemeinderats obsolet oder wird weiter geplant?

Stefan Leitner: Nach der Vorstellung der Machbarkeitsstudie haben wir keine weiteren Schritte mehr unternommen. Aktuell gibt es also keine weiterführenden Planungen zur Ortsumfahrung. Derzeit liegt uns auch noch kein Beschluss des Waakirchner Gemeinderats vor. Wir werden ihn aber sicher bald bekommen, dann beraten wir uns mit dem Bundesministerium für Digitales und Verkehr über das weitere Vorgehen.

Der BVWP ist Gesetz. Könnte eine Umfahrung auch gegen den Willen der Gemeinde gebaut werden?

Stefan Leitner: Grundsätzlich wäre das möglich. Aber nach meiner persönlichen Meinung wird der Bund kein Geld in die Hand nehmen für eine Ortsumfahrung, die eine Gemeinde nicht will. Aber das ist wirklich nur meine persönliche Meinung. Entscheiden können wir als Staatliches Bauamt das nicht, wir sind nur Auftragsverwalter des Bundes. Wenn uns der Beschluss des Gemeinderats vorliegt, werden wir das Gespräch mit dem Ministerium suchen und das weitere Vorgehen abstimmen. Jetzt schon mehr zu sagen, wäre reine Spekulation. Der Bund hat das letzte Wort.

jm

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