Mit viel Engagement arbeitet die junge Initiative „Wos Guads vor Ort“ seit einem Jahr an Konzepten zur Förderung regionaler Erzeuger. Wegen Corona trifft man sich – wie hier – zur Zoomkonferenz, um die Projekte zu besprechen.
+
Bei der Initiative „Wos Guads vor Ort“ ist Carsten Brockmann dabei. Aus seiner Gemeinderatsfraktion hat er sich hingegen verabschiedet.

Austritt erklärt

Persönliche Differenzen: Carsten Brockmann verlässt Waakirchner Grünen-Fraktion

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
    schließen

Als starkes Trio sind die Grünen im Mai 2020 erstmals in den Waakirchner Gemeinderat eingezogen. Aber das Zusammenspiel zu dritt funktioniert nicht.

Waakirchen - Wegen persönlicher Differenzen hat sich Carsten Brockmann jetzt entschlossen, die Fraktion zu verlassen. Zurück bleiben Cornelia Riepe und Evi Obermüller, die den Austritt Brockmanns bedauern. „Wir wollten diesen Schritt nicht“, sagt Riepe. Aus ihrer Sicht besteht dafür auch kein Anlass: „Diskussionen, auch kritische, gibt’s doch in jeder Fraktion.“ Hinsichtlich politischer Inhalte seien keine gravierenden Differenzen vorhanden.

Brockmann ist es hingegen wichtig, eine klare Linie zu ziehen, wenn’s beim Miteinander hakt. Auf die Gründe geht er nicht weiter ein: „In einer Gruppe menschelt’s halt.“ Er verlasse die Fraktion in aller Freundschaft und wolle keinen Zwist.

Brockmann behält Gemeinderatsmandat

Aber: An seiner Partei und seinem Mandat hält Brockmann entschieden fest. Er will dem Gemeinderat künftig als fraktionsloses Mitglied angehören und „voller Begeisterung“ grüne Inhalte vertreten, macht er deutlich.

Das allerdings begeistert seine bisherigen Mitstreiterinnen ganz und gar nicht. „Wir wollen weiterhin zu dritt arbeiten“, erklärt Riepe. Denn das ist die Mindestgröße, um im Waakirchner Gemeinderat eine Fraktion bilden zu können und Sitze in Ausschüssen zu erhalten.

Ringen um den Fraktionsstatus

Für die beiden Frauen gibt es deshalb nur einen Weg: Sie haben Brockmann aufgefordert sein Mandat zurückzugeben. Damit wäre der Weg frei für einen Nachrücker, der den Platz Brockmanns in der Grünen-Fraktion einnimmt. „Dann könnten wir weiterhin in gemeinsamer Fraktionsarbeit unseren Auftrag der Wählerinnen und Wähler umsetzen“, macht Riepe deutlich.

Dagegen erachtet Brockmann den Fraktionsstatus angesichts der Arbeitsweise des Waakirchner Gemeinderats als wenig bedeutsam. Bürgermeister Norbert Kerkel (FWG) lege viel Wert darauf, wichtige Themen im gesamten Gemeinderat zu erörtern. Dort wolle er „weiterhin all meine Kräfte in die Beratungen und Abstimmungen für grüne Kommunalthemen einsetzen“, versichert der Gemeinderat.

Änderung der Geschäftsordnung beantragt

Nachdem klar ist, dass Brockmann nicht daran denkt, sein Mandat niederzulegen, versuchen Riepe und Obermüller, als Duo Fraktion bleiben zu können. Sie haben eine Änderung der Geschäftsordnung beantragt, mit der sich der Gemeinderat bei seiner Sitzung am Dienstag, 13. April, befasst. Die öffentliche Beratung beginnt um 19 Uhr in der Turnhalle.

Wer bekommt die Ausschusssitze?

Im Antrag der Gemeinderätinnen geht es zum einen um die Frage, ob eine Fraktionsbildung zu zweit möglich ist. Zum anderen ist zu klären, ob Riepe und Obermüller die Ausschusssitze Brockmanns übernehmen können. Dass er keinen Anspruch auf diese Sitze erheben wird, macht Brockmann selbst in einer Stellungnahme klar. „Mit dem Fraktionsaustritt werde ich meine mir lieb gewonnenen Ausschusssitze im Gemeinderat – Finanzen, Mobilität, Ortsplanung, Umwelt, Energie, Rechnungsprüfung – abgeben“, kündigt Brockmann schriftlich an. Mit viel Elan wolle er sich aber weiter für seine Kernthemen stark machen. Dazu gehörten der Erhalt der dörflichen Identität ebenso wie die Digitalisierung und die innovative Wohnraumsausweitung.

Brockmanns Abkehr von der Fraktion beschäftigt auch den grünen Kreisvorstand, wie Riepe mitteilt. Einen eigenen Ortsverband hat Waakirchen noch nicht. Der Kreisverband bedauere den Austritt und sehe ihn im Hinblick auf die Folgen kritisch, erklärt Riepe. Aber man respektiere die Entscheidung und unterstütze deren transparente Umsetzung.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare