Verkehr Ortsumfahrung Waakirchen
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Bis zu 75 Dezibel laut sind die Autos, die jeden Tag durch Waakirchen rauschen. Eine Bürgerinitiative setzt sich deshalb füp eine Ortsumfahrung ein. 

75 Dezibel an der Bundesstraße

Kampf um Umfahrung für Waakirchen hat begonnen

  • Klaus-Maria Mehr
    vonKlaus-Maria Mehr
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Waakirchen - Sie kämpfen für eine Ortsumfahrung für Waakirchen. Sachlich, geduldig, beharrlich. Am Dienstag diskutierte die Bürgerinitiative Verkehr drei Stunden ihren Angriffsplan.

Das ist schon ein seltener Fall. Eine Bürgerinitiative, die für etwas kämpft, anstatt gegen etwas: Vielleicht ist auch deshalb der Gastraum voll besetzt an diesem Dienstagabend. Gut 40 Leute sind da, weitere strömen herein. Der Nebenraum in der Schaftlacher Wirtschaft Kramerberg muss geöffnet werden.

Die Bürgerinitiative Verkehr lädt zum zweiten Mal ein. Beim ersten Treffen im Mai kamen noch mehr, gut 200. Jetzt ist es der „harte Kern“, sagt Rainer Küppers, einer der Initiatoren. Die Resonanz sei dafür immer stärker geworden. Regelmäßig bekomme er Mails und Anrufe. „Die Leute wollen wissen, wie es weitergeht“, sagt Küppers. Deshalb das erneute Treffen, um ein Stück weiter zu kommen, hin zu ihrem großen Ziel: Die B 472 soll nicht mehr mitten durch Waakirchen verlaufen, der Ort eine Umfahrung bekommen.

Die gekommen sind, sind motiviert, aufgeladen. Drei Stunden diskutieren sie an diesem Abend. Die Initiative hat nicht nur Forderungen mitgebracht. Auf ihr Betreiben hat das Landratsamt den Verkehr am westlichen Ortsausgang gemessen. Ergebnis: gut 145.000 Autos in zehn Tagen, davon 8500 Lkw. Die vielen Autos machen Lärm, auch dafür hat die Initiative jetzt eine Zahl: Rund 75 Dezibel an der Tölzer Straße. Das entspricht dem Immissionsgrenzwert eines reinen Industriegebietes. „Das alles müssen wir an Lärm und Dreck schlucken“, schimpft Küppers. Dazu komme die hohe Unfallgefahr. Alte Menschen und Frauen mit Kinderwagen trauten sich kaum mehr über die Straße. „Es muss wohl erst etwas passieren, bevor die Gemeinde handelt“, sagt Küppers. Und sein Mitstreiter, der pensionierte Polizist Gerhard Voit, frotzelt: „Es gibt niemanden in der Gemeinde, der sagt: Jetzt packen wir’s an. Daran scheitert es.“

Bürgermeister Sepp Hartl (FWG) kann dazu nicht Stellung nehmen. Er ist im Urlaub. Sein Stellvertreter Erwin Welzmiller (CSU) ist da. Die Gemeinde unterstütze die Initiative, wo sie könne, versichert er. Wo es in ihrer Macht stehe, tue die Gemeinde auch etwas. Zum Beispiel im Ortsplanungsausschuss. Der tagt allerdings nur im Verborgenen. Gemeinderatsneuling und Dritter Bürgermeister Rudi Reber (ABV) verspricht: „Ich werde im Ausschuss anregen, zukünftig öffentlich zu tagen.“ Und er rät der Initiative: „Ihr müsst aufstehen, euch auf die Straße stellen, in einer Kundgebung informieren.“ Denn sobald es seitens des Straßenbauamts Rosenheim einen Trassenvorschlag gebe, werde die Initiative viele gegen sich haben. Das weiß auch Voit: „Dann beginnt der Kampf.“ Ein Zuhörer raunt: „Mord und Totschlag.“

Solange sollte man gar nicht warten, fordert der Waakirchner Baltasar Brandhofer. „Wir müssen jetzt über eine Trasse nachdenken.“ Vor diesen Karren will sich die Bürgerinitiative aber unter keinen Umständen spannen lassen. „Das ist Sache des Gemeinderates und des Bürgermeisters“, sagen Voit und Küppers. Und planen könne sowieso nur das Staatliche Bauamt Rosenheim, sagt Alexandra Güller. Die Rechtsanwältin verfolgt die Fortschritte beim Verkehrswegeplan in Berlin. In etwa neun Monaten werde man wissen, ob Waakirchen dort prominent platziert ist. Voit: Bis dahin werde man „den Gemeinderäten auf den Geist gehen.“ Eine Kampfansage.

Mitstreiter gesucht: Die Bürgerinitiative Verkehr will auf sich aufmerksam machen. Mit Plakaten, einer Internetseite und ernsthaften Aktionen. Dafür suchen sie Mitstreiter, die sich unter info@nwgw.org melden können.

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