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Alle Register der Erzählkunst zog Katharina Ritter auf der Waakirchner Kleinkunstbühne. Sie überzeugte mit Sprache, Gestik und Mimik. Ebenso begeisternd war der Auftritt der Musiker von Whiskey’n’Gin.

Handgemachte Musik und hohe Erzählkunst

So rockig war die Rauhnacht auf der Kleinkunstbühne

Waakirchen - Was für eine gelungene und spannende Mischung! Geschichtenerzählerin Katharina Ritter und die Band Whiskey‘n‘Gin haben bei der Waakirchner Kleinkunstbühne die Rauhnacht gerockt. 

Was hat Geschichtenerzählen mit Rock und Blues zu tun? Eigentlich nichts. Es sei denn, beides wird in hoher Qualität dargeboten. Dann geht das Ganze wunderbar zusammen. So geschehen bei der Waakirchner Kleinkunstbühne, als die Geschichtenerzählerin Katharina Ritter und die Band Whiskey’n’Gin vor vollen Rängen das neue Jahr mit einer kurzweiligen Kombiveranstaltung unter dem Motto „Rock die Rauhnacht“ einläuteten.

Mit der ruhigen Ballade „I see fire“ führte das Quartett mit Sebastian Schwarzenberger (Gitarre), Anton Simon (Kontrabass), Sepp Müller (Schlagzeug) und Sängerin Nicole Müller-Pürzer in den Abend hinein und legte den musikalischen Teppich aus für Katharina Ritters erste Geschichte. Sie handelte von der sagenhaften Welt der Rauhnächte im Allgemeinen und dem „Alräunchen“ im Besonderen.

Das Publikum erfuhr, dass das seit der Antike als Heil- und Ritualpflanze geltende Gewächs dort auf einem Galgenbuckel wächst, wo ein Unschuldiger hängt und seine Körpersäfte auf den Boden tropfen – und dies alles noch in einer mondlosen Nacht. Der Besitzer einer solchen Zauberpflanze werde vor Gericht immer Recht bekommen und beim anderen Geschlecht stets erfolgreich sein.

So manche gruselige und bizarre Begebenheit sorgte für sichtbares Erstaunen bei den Zuhörern. Aber es war nicht der bloße Inhalt des Erzählten, der das Publikum in seinen Bann zog, sondern mindestens genauso stark die Art und Weise, wie Katharina Ritter frei und mit spielerischer Leichtigkeit die Zuhörer an ihren Lippen hängen ließ: Sie zog alle Register der gehobenen Erzählkunst, indem sie – teilweise in alemannischer Mundart, wie sie etwa im Bregenzer Wald gesprochen wird – in Lautstärke und Sprechtempo, zwischen kurzen und langen Sätzen virtuos variierte, ihre Mimik voll einsetzte, Umweltgeräusche wie Wind, Kälte oder das Knarren einer Tür täuschend echt imitierte oder mit lebhaften körperlichen Gesten das Gesagte noch einmal deutlich unterstrich. Schnell wurde klar: Hier handelt es sich um eine Meisterin ihres Fachs. Ritter zuzuhören bereitete großes Vergnügen.

Whiskey’n’Gin sorgten für das musikalische Pendant zum gesprochenen Wort und boten ehrlichen, handgemachten akustischen Rock, Pop und Blues. Sie spielten zwischen den Erzählungen bekannte Songs nicht nur einfach nach, sondern drückten ihnen ihren eigenen Stempel auf, etwa dem Sting-Klassiker „Fields of Gold“, dem sie mit einem etwas anderen rhythmischen Gewand zu neuem Glanz verhalfen. Instrumentales wechselte sich ab mit gefühlvollen und schwungvollen Liedern wie „A Night Like This“ und ergaben zusammen eine gelungene Mischung.

Gitarrist Schwarzenberger steuerte lässig den passenden Groove bei und glänzte mit virtuosen Intros und Solos. Die charismatische Sängerin Müller-Pürzer gewann das Publikum mit ihrer Präsenz, ihrer samtigen Stimme und ihrem natürlichen Charme im Handumdrehen für sich. Alle vier zusammen präsentierten sich als homogene musikalische Einheit, die sich auch individuell frei entfalten konnte. Die Zugabe „Herrgott, schau obe auf mi“, ein modernes österreichisches Kirchenlied, schloss den Kreis wieder hin zum Spirituellen und bildete so den perfekten Abschluss einer spannenden Veranstaltung.

Reinhold Schmid

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