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Erzieherinnenmangel: Krippen-Notstand und keine Lösung in Sicht

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Von: Christina Jachert-Maier

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Krippenplätze sind begehrt. In Schaftlach ist genug Raum vorhanden, aber es fehlen pädagogische Fachkräfte für die Betreuung.
Krippenplätze sind begehrt. In Schaftlach ist genug Raum vorhanden, aber es fehlen pädagogische Fachkräfte für die Betreuung. © Archiv tp

Wegen Personalmangels gilt in der Schaftlacher Kita ein Aufnahmestopp. Die Gemeinde Waakirchen sucht nach Lösungen, um die Eltern zu unterstützen. Bisher vergeblich.

Waakirchen - Die Schaftlacher Kita, vor Kurzem erst erweitert, liegt nicht weit vom Zuhause der Familie Klabun entfernt. Im Frühjahr hatte das Ehepaar die kleine Tochter, 21 Monate alt, in der Krippe angemeldet. Start der Eingewöhnung sollte im Oktober sein, für den 14. September war ein Schnuppertag vereinbart. Doch an diesem Tag klingelte um 7. 45 Uhr das Telefon. „Es erfolgte sehr kühl, ohne jegliche Perspektive, Entschuldigung oder Mitgefühl die Mitteilung, unser Platz wäre frist-und ersatzlos zwei Wochen vor Start gestrichen“, berichtet Sandra Klabun (37). „Ich war wirklich perplex.“

Bürgermeister Kerkel bedauert Aufnahmestopp

Das Ehepaar Klabun, beide berufstätig, hatte sich auf die zugesagte Betreuung seiner Tochter verlassen. Schließlich war ein Vertrag unterschrieben. Doch der wurde von der Gemeinde Waakirchen kurzfristig gekündigt, so wie neun weitere Betreuungsverträge. Bürgermeister Norbert Kerkel (FWG) hatte dies in der Gemeinderatssitzung am 20. September öffentlich gemacht und sein Bedauern ausgesprochen. Leider sei es trotz aller Bemühungen nicht gelungen, eine vakante Erzieherinnen-Stelle wieder zu besetzen, legte der Bürgermeister dar.

Erfolglose Suche nach Alternativen

Damit blieben dem Kindergarten und der Gemeinde als Trägerin nur der sofortige Aufnahmestopp. Betroffen sind zehn Krippenkinder, die ab 1 .Oktober neu in die Kita kommen sollten. Kerkel und Geschäftsleiter Markus Liebl versicherten, die Gemeinde setze alle Hebel in Bewegung, um auf die Schnelle eine Behelfslösung für die Kinder und damit für die Eltern zu zimmern. Gelungen ist dies bis jetzt nicht. „Leider gibt’s noch keine Erfolgsmeldung“, meinte Kerkel. Einige Eltern seien bemüht, selbst eine Lösung auf die Beine zu stellen. Die Gemeinde würde dazu auch einen Raum zur Verfügung stellen. „Aber immer, wenn man das genauer beleuchtet, hakt’s wieder“, berichtet der Bürgermeister. Und immer an dem entscheidenden Punkt: Für die Betreuung braucht’s Fachkräfte. Im Moment denke man daran, Mütter in Kursen zu schulen, berichtet Kerkel. „Aber das dauert auch mindestens drei Monate.“

Pädagogische Fachkräfte zu schlecht bezahlt

Der Vorschlag, sich doch mit anderen Eltern zusammenzuschließen, kam für Sandra Klabun ohnehin nicht in Frage. Sie wolle ihr Kind nicht Unbekannten ohne pädagogische Ausbildung anvertrauen. „Ich würde es mir auch selbst nicht zutrauen, drei oder vier Wickelkinder zu betreuen“, meint die Steuerexpertin. Dabei wolle sie nicht der Kita Schaftlach die Schuld an der deutschlandweit dramatischen Betreuungssituation geben. Der Beruf der Erzieherin sei zu schlecht bezahlt: „Ein hartes Pflaster für wenig Geld.“ Dabei vertraue man diesem Berufsstand unendlich kostbare Güter an: die Kinder.

Die Familie hatte Glück und ergatterte einen Krippenplatz in Bad Tölz, wo die Schaftlacherin arbeitet. Ihr Arbeitgeber hatte die Dringlichkeit bescheinigt. Den anderen betroffenen Eltern wolle sie ihr tiefes Mitgefühl aussprechen, sagt Klabun: „Viel Glück für Euch!“

Familien brauchen Einkommen - und Unternehmen Arbeitskräfte

Kerkel weiß: Etliche der anderen betroffenen Eltern hatten bisher kein Glück. Sie fragen immer wieder im Rathaus nach, suchen nach Lösungen. Ihm sei bewusst, dass es nicht nur darum gehe, dass Kinder die Krippe besuchen könnten, sondern dass Eltern Arbeitsverträge zu erfüllen hätten, erklärt Kerkel: „Das Ganze zieht ja einen ganzen Rattenschwanz nach sich.“ Familien bräuchten das Einkommen – und Unternehmen Arbeitskräfte. „Der Fachkräftemangel schlägt ja auf allen Ebenen durch“, meint er. Die Gemeinde suche weiter nach Erzieherinnen. Bislang habe sich keine Bewerberin gemeldet.

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