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Der Betrieb im Lanserhof auf dem Steinberg läuft weiter.

Warum auf dem Steinberg der Betrieb trotz Corona weiterläuft

Lanserhof-Chef: „Wir leisten gerade jetzt einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit“

  • Gerti Reichl
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Der Betrieb im Lanserhof auf dem Steinberg läuft trotz Corona-Krise weiter: Chef Christian Harisch erklärt, warum dies gerade jetzt wichtig sei. Andere wundern sich darüber. 

Marienstein– Kein Haarschnitt, keine Massage, keine Kosmetikbehandlung. Seit drei Wochen gelten auch beim Thema Gesundheit und Wohlbefinden strenge Regeln. Unter den Einschränkungen leiden auch die entsprechenden Betriebe am Tegernsee, von denen es nicht wenige gibt.

Umso mehr wundert sich eine Betroffene und seit vielen Jahren selbstständige Kosmetikerin aus Bad Wiessee, dass eben doch Behandlungen möglich sind. „Der Lanserhof Tegernsee hat geöffnet und bietet seinen Gästen unter anderem kosmetische Behandlungen, Hand- und Fußpflegen, Massagen und Gruppentherapien an. Auch Schwimmbad, Saunen und Dampfbäder sind dort geöffnet“, berichtet die Wiesseerin, die gerne anonym bleiben möchte. „Alles natürlich auf Nachfrage mit Handschuhen und Mundschutz. So hygienisch arbeiten wir Kosmetikerinnen in unseren Praxen schon lange.“ Sie wundert sich: „Warum darf der Lanserhof das und wir nicht? Wo ist da die Gerechtigkeit?“

Betrieb im Lanserhof: Was das Landratsamt sagt

Das Landratsamt Miesbach liefert eine eindeutige Antwort: Die Allgemeinverfügung umfasse Betriebe mit privaten touristischen Zwecken, so Sprecherin Sophie Stadler. „Beim Lanserhof ist der Zweck auch ein medizinischer, da der Aufenthalt im Hotel zwingend an einen medizinischen Behandlungsvertrag in deren Privatklinik gebunden ist.“ Die Kreisbehörde habe die Bestimmungen bereits polizeilich kontrollieren lassen, mit dem Ergebnis: „Es ist keine Beanstandung auf Basis der Allgemeinverfügung möglich.“

Lanserhof-Chef Christian Harisch wird deutlicher: „Wir haben keine Gäste ohne medizinische Leistung.“ Es könne kein Gast kommen, nur, weil er eine Kosmetikbehandlung möchte, so Harisch zur aktuellen Frage. Sei jedoch im Zuge des Aufenthalts eine dermatologische Untersuchung, eine Haut-Analyse oder Behandlung nötig, dann könne die eben durchgeführt werden. Nur knapp 30 Gäste habe der Lanserhof aktuell, berichtet Harisch. Die Mannschaft der rund 300 Mitarbeiter auf dem Steinberg sei auf ein Drittel heruntergefahren. „Auch wir haben Kurzarbeit“, so der Lanserhof-Chef.

„Die Krise trifft auch uns schwer, und wir verlieren täglich viel Geld“, so Harisch. „Es wäre leichter gewesen, zuzusperren, aber wir sind überzeugt, dass wir gerade jetzt einen Auftrag haben.“ Für Harisch gebe es nämlich keine bessere und wichtigere Zeit als jetzt, um für seinen Körper etwas zu tun, das Immunsystem zu stärken und sich gegen das Virus zu wappnen. Etwa mit den Leber- und Darmreinigungen, wie sie im Lanserhof angewandt werden, sei dies möglich.

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Die Gäste müssten sich allerdings strengen Vorsichtsmaßnahmen unterziehen. „Ohne Attest, dass sie gesund sind, geht nichts“, so Harisch. Größtmögliche Sicherheit gelte auch für die Mitarbeiter. Derzeit würden bei allen Mitarbeitern Antikörper-Tests durchgeführt, „auf unsere Kosten“, so der der Lanserhof-Chef.

Die Bewältigung der Corona-Krise stehe für Harisch derzeit an erster Stelle. So könnten im Bedarfsfall auch Betten im Haus für Patienten zur Verfügung gestellt werden. Das Haus in Tirol habe man etwa auch deshalb für den Normalbetrieb geschlossen, doch glücklicherweise habe sich die Situation in Tirol abgeschwächt, „nur 15 Prozent der Intensivbetten sind derzeit ausgelastet“, so Harisch.

Und dann ist da noch der Yoga-Pavillon. Der thront bereits neben dem Haupthaus auf dem Steinberg, allerdings im Rohbau, und soll weiterentwickelt werden. Wie berichtet, hatte Harisch in der Gemeinde Waakirchen einen Antrag auf Nutzungsänderung gestellt, weil er aus dem ursprünglich als Yoga-Pavillon geplanten Glasbau im Nachhinein Suiten für exklusive Gäste machen will. Im Bauausschuss war er zunächst damit gescheitert, man kam aber überein, zunächst einen Ortstermin zu vereinbaren. Dieser Ortstermin, so Harisch, habe aber noch nicht stattgefunden. „Das Thema Pavillon ist derzeit nachrangig“, so Harisch. Dass der Betrieb auf dem Steinberg weiterläuft, sei richtig: „Wir sehen uns in der Verpflichtung und wollen einen kleinen Beitrag zur Gesundheit in der Krise leisten.“

Die Kosmetikerinnen unten am See müssen sich derweil weiter gedulden, bis sie ihren Beitrag zum Wohlbefinden der Kunden wieder leisten können. „Freilich ist nicht jede Allgemeinverfügung sinnvoll, und beinhalte auch Ungereimtheiten“, glaubt Sophie Stadler und nennt etwa die Blumenläden als Beispiel, die nicht öffnen dürfen, während Supermärkte Blumen verkaufen.

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gr

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