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Der mobile Mast steht neben einem Wohnhaus, aber dennoch im Außenbereich .

Mobile Anlage hält Grenzwerte ein 

Mobilfunkmast in Berg weiter im Visier: Gemeinde Waakirchen will weitere Messungen 

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Ein mobiler Sendemast von Vodafone  löst in der Gemeinde Waakirchen Ängste aus. Dem will der Gemeinderat Rechnung tragen. Eine rechtliche Handhabe hat die Kommune nicht. 

Waakirchen – Das Ergebnis der Messungen könnte beruhigen: Die Abstrahlung des mobilen Sendemasten neben dem Haus von Irene Hornsteiner im Waakirchner Ortsteil Berg hält die in Deutschland gültigen Grenzwerte ein. Und sogar mehr als das: Die Werte liegen weit unterhalb der Grenze. Der Waakirchner Gemeinderat wollte das Thema dennoch nicht abhaken. Einmütig beschloss das Gremium, noch einmal messen zu lassen, wenn die stationäre Anlage in Betrieb geht.

Wie berichtet, hat Vodafone den mobilen Mast im Mai an den Gartenzaun des denkmalgeschützten Hauses von Hornsteiner und ihrer Tochter Agnes Mania gesetzt. Er dient als Behelfslösung, bis die schon seit vielen Jahren bestehende stationäre Anlage auf dem Dach des Nachbarhauses aufgerüstet ist. Hornsteiner fürchtet um ihre Gesundheit und steht damit nicht allein. 618 Unterschriften unterstützen ihre Forderung, die Gemeinde Waakirchen möge dafür sorgen, dass Masten einen Kilometer Abstand zu Wohngebieten halten müssen. Eine rechtliche Handhabe hat die Kommune nicht, trotzdem beschloss der Gemeinderat im August, ein Mobilfunkgutachten ins Auge fassen. Erster Schritt war die Messung der Strahlenbelastung in Berg.

Mobilfunk: „Der Gemeinde sind die Hände gebunden“

Fazit von Geschäftsleiter Markus Liebl: „Der Gemeinde sind in diesem Bereich die Hände gebunden.“ Liebl hatte bei einem Mobilfunkexperten und auch bei einem Fachanwalt nachgehakt. Ergebnis: Eine Klage gegen den Masten in Berg hat keine Aussicht auf Erfolg. Die Anlage habe eine Bestandsgarantie und befinde sich nicht im Wohngebiet, sondern im Außenbereich.

Die nun beschlossene Nachmessung bei Inbetriebnahme der aufgerüsteten Anlage ist der Strohhalm, nach dem der Gemeinderat greift. Die Grenzwerte sieht man dort skeptisch. „Man muss nur die Grenzwerte hoch genug setzen, dann überschreiten wir die nie“, machte Balthasar Brandhofer (ABV) klar. Er sei als Gemeinderat „ein bisschen verzweifelt“, dass er über keine rechtliche Handhabe gegen die Masten verfüge. Dennoch wolle er sie nicht einfach hinnehmen: „Ob wir das jetzt aufhalten können oder nicht.“

Waakirchner Gemeinderäte trauen den Studien und Grenzwerten nicht 

Auch Rudi Reber (ABV) traut den teils widersprüchlichen Studien nicht, die es zu den Auswirkungen der Strahlung auf die Gesundheit von Menschen gibt. Aus einer – „bitte nicht ernst nehmen!“ – könne man herauslesen, dass Frauen, die viel telefonieren, länger leben. „Es ist richtig, das Thema nicht runterzuspielen“, meinte Reber. Bei der Aufrüstung der Technik für die fünfte Generation (5G) gehe es ums autonome Fahren. „Das ist der Industrie wichtig, und die wird das auch durchboxen“, so Reber. Die Grenzwerte seien europaweit sehr unterschiedlich. Als Kommunalpolitiker darüber zu urteilen, sei unmöglich. „Wir sind alle keine Physiker. Damit sind wir überfordert.“

Was die Gemeinde in diesem Bereich tun könne, habe sie auch getan und keine Ausgabe gescheut, erinnerte Andreas Hagleitner (FWG). Es sei auch gelungen, Mobilfunkanbieter zu verpflichten, einen gemeinsamen Masten zu nutzen. Wie sich der Mobilfunk auf die Menschen auswirke, müsse sich noch zeigen. Dem pflichtete Monika Marstaller (FWG) bei. Manche Menschen reagierten sensibel auf die Strahlung, anderen mache sie nichts aus. Sie selbst sehe die Entwicklung kritisch. Ihre Überzeugung: „Der Industrie ist das wurscht, ob Leute krank werden.“

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