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Ihre Wiesen liegen gleich neben der Kreuzstraße. Die Landwirte Andreas Haltmair und Anna Hort müssen vor jeder Mahd Müll aus dem Grün sammeln.

Bauer an der Kreuzstrasse klagt an

Müll aus dem Autofenster: Riesenproblem für Landwirte

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Autofahrer werfen ihren Müll einfach aus dem Fenster, Landwirte müssen ihn von ihren Futterwiesen klauben. Das ist mehr als nur ein Ärgernis: viel Arbeit für Bauern und eine Gefahr fürs Vieh.

Kreuzstraße Fünfmal im Jahr mäht Bauer Andreas Haltmair (39) seine Wiesen. Sein Pech: Sie liegen direkt an der Kreuzstraße. Dort, wo der Verkehr tost. Mancher fährt nicht einfach nur vorbei, sondern wirft seinen Müll aus dem Fenster. Und Haltmair muss ihn aufsammeln, weil der Abfall sonst das Heu verdirbt. Immer wieder, vor jedem Mähen. „Ein Saustall ist das“, sagt der Bauer. Und viel Arbeit. Zentimeter um Zentimeter sucht der Bauer die Wiese entlang der Straße ab. Er findet viele leere Fast-Food-Verpackungen, Schokoladenpapier, aber auch Glasflaschen.

„Wenn Scherben ins Futter kommen, ist das besonders schlimm“, sagt der Vollerwerbs-Landwirt. Innerlich verbluten könne die Kuh, wenn sie das fresse. „Alle reden immer vom Tierwohl, und dann wirft man seinen Müll aus dem Fenster“, meint Haltmair. Im vergangenen Jahr hat er eine Sahne-Sprühflasche übersehen. Beim Mähen gab’s einen großen Knall, Sahne überall. Frisch wären die weißen Tupfen vielleicht nicht das große Problem. „Aber das schimmelt“, berichtet Haltmair. Dann modert das Heu, wird ungenießbar. Also muss Haltmair mit seinem Mähwerk zurück zum Hof, saubermachen.

Ärger und Arbeit, die weh tun. Das Problem sei in den vergangenen Jahren größer geworden, meint Haltmair. Für ihn ist das ein klares Signal: Die Landwirtschaft werde nicht geschätzt. „Alle wollen immer nur in den Urlaub fahren“, sagt er bitter. Woher Lebensmittel kommen und wie viel Sorgfalt und Mühe notwendig sind, um sie zu erzeugen, interessiere nicht wirklich. „Da fehlt es am Grundlegenden.“

Mit dem Problem steht Haltmair nicht allein. „Das ist ja bei allen Bauern so, die Wiesen an einer solchen Straßen haben“, meint er. So wie die Familie von Anna Hort (20) aus Waakirchen, die ebenfalls Wiesen neben der Bundesstraße hat. „Im Frühjahr ist es immer besonders schlimm“, meint sie. Nach dem Winter, wenn der Schnee sich verzieht, bleibt der Müll von Monaten liegen. „Und wir klauben dann alles zsamm.“ Einen kleinen Teil der Ausbeute hat sie diesmal fotografiert. Um zu zeigen, was man Landwirten und ihren Tieren antut, wenn man Müll aus dem Autofenster entsorgt, statt ihn mit nach Hause zu nehmen: „Das ist brutal schlimm.“

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