Neue Wirkungsstätte: Pfarrer Stephan Fischbacher wird künftig auch in der Gmunder Kirche Gottesdienste halten. Mit dem 1. September übernahm er zusätzlich die Leitung des Pfarrverbands Gmund-Bad Wiessee.
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Neue Wirkungsstätte: Pfarrer Stephan Fischbacher wird künftig auch in der Gmunder Kirche Gottesdienste halten. Mit dem 1. September übernahm er zusätzlich die Leitung des Pfarrverbands Gmund-Bad Wiessee.

Interview mit Pfarrer Stephan Fischbacher zur Übernahme des Pfarrverbands Wiessee-Gmund

Doppelaufgabe für Pfarrer Stephan Fischbacher: „Müssen halt jetzt alle zamhelfen“

  • Gabi Werner
    VonGabi Werner
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Vor ziemlich genau fünf Jahren hat Stephan Fischbacher seine Stelle als Waakirchner Pfarrer angetreten. Nun kommt auf den 39-Jährigen eine neue Herausforderung zu: Mit Anfang September hat er nach dem Abschied von Pfarrer Wieland Steinmetz zusätzlich den Pfarrverband Gmund-Bad Wiessee übernommen. Damit ist Fischbacher künftig zuständig für die Betreuung von 8700 Katholiken.

Waakirchen - Im Interview spricht der neue Seelsorger über die neue Situation als Leiter zweier Pfarrverbände, über die Organisation und seine Gefühlslage.

Herr Fischbacher, Sie sind ab sofort auch verantwortlich für den großen Pfarrverband Gmund-Bad Wiessee. Von welchen Gefühlen war ihr dortiger „Einstand“ begleitet?

An erster Stelle war es Neugierde. Ich bin einfach gespannt, was auf mich zukommt.

Mit Sicherheit eine große Herausforderung. Immerhin betreuen Sie künftig 8700 statt 3200 Gläubige.

Ich stelle mir das Ganze vor, als würde ich auf einen riesigen Berg gehen wollen. Im Laufe des Tages habe ich gemerkt, dass es eine ganz schön große Entfernung ist bis zum Gipfel. Aber ich werde einfach einen Schritt nach dem anderen tun.

Hatten Sie denn Zeit, sich auf die neue Aufgabe vorzubereiten?

Die Vorbereitungszeit war sehr kurz. Die Personalie wurde ja erst Mitte Juli beschlossen – ich habe sie dann sofort innerhalb der Pfarrverbände bekannt gegeben. Mir war wichtig, dass es die ehrenamtlichen Gremien schnellstmöglich wissen. Grundsätzlich habe ich versucht, mich so gut wie möglich vorzubereiten und mir den wichtigsten Überblick zu verschaffen.

Also ein Sprung ins kalte Wasser?

Gesprungen bin ich schon, jetzt geht es ans Schwimmen. Es ist ja so, dass man in unserem Beruf immer zunächst ins Schwimmen gerät – es ist kein Job mit klaren Vorgaben und Anweisungen. Man muss Mensch sein, alles kennen lernen und sich vernetzen – das geht nicht von heute auf morgen.

Wie sind Ihnen die Menschen in Ihrem neuen Pfarrverband bislang begegnet?

Noch habe ich ja nicht so viele getroffen – lediglich einige Mitarbeiter. Ich habe aber das Gefühl gehabt, dass sich alle recht freuen und mir viel Wohlwollen entgegenschlägt.

Haben die Gläubigen nicht Angst, dass sie jetzt – da es nur noch einen Leiter für zwei Pfarrverbände gibt – zu kurz kommen?

Bis jetzt wurde mir das nicht vermittelt. Ich habe aber tatsächlich die Sorge, dass so ein Gefühl aufkommen könnte. Ich sehe mich daher in der Verantwortung zu schauen, dass wir unsere Aufgaben künftig gleichmäßig erfüllen.

Wie kann das im Alltag funktionieren?

Ich bin ja als Pfarrer nicht alleine. Wir sind in den beiden Pfarrverbänden insgesamt drei Priester und drei Diakone – und die sind alle sehr fleißig. Dazu kommen zwei Gemeindereferentinnen in Teilzeit, ein Pastoralreferent und eine neue Gemeindeassistentin. Das bedeutet: Wir haben sehr viele Leute, die auf die Menschen zugehen können. Gleichzeitig bedeutet es aber auch, dass wir die Erwartungen von denjenigen, die bisher gewohnt waren, dass überall der Pfarrer kommt, nicht immer erfüllen können. Bisher mussten die Menschen in Waakirchen immer mit mir rechnen – ob es ihnen gefallen hat oder nicht (lacht). Künftig dürfen sie sich über mehr Abwechslung freuen. Ich werde aber darauf achten, dass ich in allen Pfarrkirchen immer wieder selbst präsent bin.

Keiner muss sich also um die regelmäßigen Sonntags-Gottesdienste sorgen?

Nein, es ist nicht geplant, weniger Gottesdienste zu machen. Dafür sind wir genügend Leute. Ich sehe eher eine Herausforderung darin, dass wir für jeden, der eine Begleitung sucht, jederzeit erreichbar sind. Das ist aber eine Organisationssache.

Wurde denn das Personal nicht aufgestockt?

Im Frühsommer ist unser Pfarrvikar gekommen, in Kürze fängt eine neue Gemeindeassistentin an. Dass dies zeitlich mit der Übernahme des zusätzlichen Pfarrverbands zusammentrifft, ist aber eher Zufall. Ab 1. Februar ist angekündigt, dass noch ein Priester in Vollzeit bei uns anfängt.

Waakirchen und das Tegernseer Tal sind zwei Paar Stiefel. Wie vertraut sind Sie schon mit Ihrem neuen Zuständigkeitsbereich am Tegernsee?

Ich kenne Gmund und Bad Wiessee bisher vor allem aus der Perspektive eines Spaziergängers und Läufers. Insofern kenne ich bereits mehr Ecken, als so mancher meint. Bisher haben mir die Orte immer ein paar Stunden Urlaubsfreuden ermöglicht – das ist jetzt natürlich vorbei.

Die neue Herausforderung kommt noch während der schwierigen Corona-Zeit. Wie geht die Kirche eigentlich derzeit mit den Regeln um?

Wir haben nach wie vor ein stark reduziertes Platzangebot. Schwierig ist das vor allem bei großen Festen wie Firmung oder Erstkommunion. Bisher ist nicht bekannt, ob wir mit Inkrafttreten der neuen Regeln alles wie bisher handhaben oder die 3G-Regel anwenden. Wenn wir da als Pfarrei einen Spielraum haben, werde ich das mit den Pfarrgemeinderäten besprechen. Ich persönlich wäre offen für die Anwendung von 3G. Schließlich müssen wir auch mit der bisherigen Vorschrift Leute an der Kirche abweisen – dieser Zustand ist auch nicht gut.

Frage zum Abschluss: Im September 2016 haben Sie die Stelle als Waakirchner Seelsorger angetreten. Hätten Sie damals gedacht, dass eine derart große Aufgabe auf Sie zukommt?

Ich habe es zum damaligen Zeitpunkt nicht konkret gesehen. Allerdings habe ich gewusst, wie alt die Kollegen in der Umgebung sind und dass nicht alle Stellen neu besetzt werden können. Das sieht man ja überall. Eine ganz konkrete Andeutung, dass sich etwas ändern wird, war der langfristige Personalplan: Daraus ging ganz klar hervor, dass der Pfarrer hier auch einmal andere Aufgaben haben wird. Um die Situation zu stemmen, müssen wir jetzt halt alle zamhelfen. Ich glaube, wenn das möglichst viele Leute beherzigen, wird alles gut – auch in Gmund und Bad Wiessee.

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