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Prozessauftakt Düsseldorf
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Symbolbild

Junge Frau musste sich wegen Körperverletzung verantworten

Nach vier Verhandlungstagen: Freispruch für 18-Jährige aus Waakirchen

Wegen gefährlicher Körperverletzung stand eine 18-Jährige aus Waakirchen vor Gericht. Eine überraschende Zeugenaussage brachte nun die Wende in dem Fall: Die Angeklagte kann aufatmen. 

Waakirchen/Miesbach – Dass sich eine Verhandlung am Amtsgericht Miesbach mal über zwei Prozesstage erstreckt, ist normal, drei sind eher selten. Vier Prozesstage aber sind in der Kreisstadt eine Ausnahme. Genau so lange dauerte nun die Odyssee für eine 18-Jährige aus Waakirchen. Die junge Frau musste sich wegen vorsätzlicher Körperverletzung in Tatmehrheit mit gefährlicher Körperverletzung verantworten. Nun kann sie aufatmen. Das Urteil: Freispruch.

Opfer aus Bad Tölz erlitt nach Tritten mehrere Platzwunden

Die 18-Jährige soll im November 2019 vor einem Tölzer Nachtclub in einen Streit mit einer 17-Jährigen aus Bad Tölz geraten sein. Die Waakirchnerin soll ihrer Kontrahentin dabei laut Anklage Haarbüschel ausgerissen, sie zu Boden geschubst und ihr mit dem Fuß mehrfach auf den Kopf getreten sein. Die Folgen für die Tölzerin: Mehrere Platzwunden und Hautabschürfungen. Schon bei der ersten Verhandlung Anfang Juni erklärte die Angeklagte, „dass ich ihr einen Drink drüberschütten wollte und wir uns gegenseitig an den Haaren gezogen haben – auf ihren Kopf eingetreten habe ich aber nicht“.

An Prozesstag zwei warteten alle auf die zur Aufklärung des Falls wohl mitentscheidende Aussage eines Zeugen. Vergeblich – der 20-jährige Tölzer blieb der Verhandlung unentschuldigt fern. Beim dritten Versuch war eine weitere Zeugin aus Tölz (22) ebenfalls geladen, doch beide Zeugen kamen nicht. Amtsgerichtsdirektor Klaus-Jürgen Schmid reichte es dann. Er verdonnerte den 20-Jährigen zu einem Ordnungsgeld von 100 Euro und ordnete an, den Tölzer am vierten Prozesstag vorführen zu lassen.

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Zum Sachverhalt konnte der Mann beisteuern, „dass ich gesehen habe, dass drei Mädchen auf das Opfer und ihre Freundin losgegangen sind“. Bei einem der Mädchen soll es sich um die 18-Jährige aus Waakirchen gehandelt haben. Dass sie zugetreten hat oder ihre Kontrahentin an den Haaren zog, konnte der Tölzer aber nicht bestätigen. „Ich war an dem Abend gut betrunken und bin erst dazugestoßen, als sich die Sache schon weitestgehend aufgelöst hat.“ Die Verletzungen des 17-jährigen Opfers hingegen habe er gesehen: „Sie blutete am Kopf.“

Zeugin räumt Attacken vor Tölzer Nachtclub ein

Dann brachte der Zeuge frischen Wind in die Verhandlung: „Die haben sich wegen eines Typen gestritten.“ Bei Letzterem soll es sich um den Freund der 17-Jährigen gehandelt haben, der einst auch mit der 22-jährigen Zeugin zusammen war. Die war beim Vorfall mit von der Partie – und alles andere als unbeteiligt. Gegen sie liegt aufgrund dieses Abends vor dem Tölzer Nachtclub ein Strafbefehl vor. Die 22-Jährige soll der 17-Jährigen einen wuchtigen Faustschlag ins Gesicht verpasst haben. Ohne Umschweife gab die Tölzerin dies zu und gestand noch mehr: „Ich habe sie auch an den Haaren gezogen und auf den Boden geschubst.“

Die Tat der 22-Jährigen war also baugleich mit der Anklage gegen die Waakirchnerin. Immer wieder sei sie von der 17-Jährigen provoziert worden, „auch vor dem Vorfall schon – über soziale Medien“. Die angeklagte 18-Jährige hingegen sei bei der Auseinandersetzung zwischen ihr und der 17-Jährigen „nicht dabei gewesen“, wie die Tölzerin bestätigte.

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Aufgrund der weiteren Zeugenaussagen vom ersten Prozesstag war die Staatsanwältin dennoch davon überzeugt, dass die Beschuldigte etwas mit dem Vorfall zu tun hatte. „Aus meiner Sicht hat sich der Sachverhalt im Groben bestätigt“, sagte sie. Sie meinte, dass es an diesem Abend zu zwei Auseinandersetzungen gekommen sein muss – eine hatte das Opfer mit der Tölzerin, eine mit der Waakirchnerin. Das Plädoyer der Staatsanwaltschaft: zwei Wochen Dauerarrest für die Angeklagte.

Richter: Freispruch wegen fehlender Beweise

Verteidiger Ernst Lutz sah die Sache aber ganz anders. „Was draußen vor der Diskothek wirklich passierte, kann niemand bestätigen“, fasste der Rechtsanwalt zusammen. Seiner Mandantin könne ergo keine einzige Tat nachgewiesen werden. Lutz forderte Freispruch. So entschied auch der Richter. „Für eine Verurteilung fehlen letztlich die Beweise“, resümierte er. „Für das Gericht gibt es Zweifel, dass die Angeklagte eine vorsätzliche Körperverletzung begangen hat, die nicht aus einer Notwehrsituation heraus entstanden ist.“

Philip Hamm

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