Karl Nickisch am Bahnhof in Schaftlach.
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Auch Karl Nickisch ist genervt. Er hat die Schäden an Gleis 1 inspiziert, wo seit Längerem Ersatzgleisstücke liegen.

Anwohner am Bahnhof Schaftlach genervt

Nächster Ärger: Laute Schläge

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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Als ob Quietschen und Hupen nicht schon genug wären: Am Bahnhof Schaftlach kosten auch laute Schläge den Anwohnern den letzten Nerv. Der Grund sind beschädigte Gleise. Erst 2022 soll es Abhilfe geben.

  • Anwohner am Bahnhof Schaftlach sind genervt wegen lauter Schlaggeräusche, verursacht durch beschädigte Gleise.
  • Bayerische Regiobahn (BRB) kündigt Sanierung für 2022 an.
  • Karl Nickisch macht seinem Unmut regelmäßig Luft und schreibt an verschiedene Stellen.

Schaftlach – Karl Nickisch (55) lebt schon immer in Schaftlach. Er ist mit dem Bahnhof und dem Zugverkehr aufgewachsen, sein Onkel war Lokführer. 1995 hat er sich den Traum vom Eigenheim verwirklicht, sein Garten befindet sich Luftlinie 150 Meter von den Gleisen entfernt. Als Anwohner habe er sich immer mit dem Betrieb rund um den Bahnhof arrangiert, sagt er – seit Inbetriebnahme der Lint-Züge im Juli 2020 tut er das nicht mehr. „Die Leute sind angefressen“, sagt Nickisch, der seinen Unmut nicht herunterschluckt, sondern regelmäßig kundtut.

Beschädigte Gleise in Schaftlach: Anwohner beschwert sich an vielen Stellen

Seit fünf Monaten schreibt er immer wieder nicht nur an die Bayerische Regiobahn (BRB), die für die Züge zuständig ist, sondern auch an das Bayerische Umweltministerium und an CSU-Stimmkreisabgeordnete Ilse Aigner. Auch an die Bundesbahn, genauer gesagt die DB Netz AG als Betreiberin der Gleise, hat er sich jetzt gewandt, denn neue Wut kocht in Schaftlach: wegen Schlaggeräuschen, verursacht durch Schäden auf den Gleisen.

Beschädigtes Gleis in Schaftlach.

„Wir haben die Schläge schon vor Einführung der Lint-Züge gehört“, sagt Nickisch, „aber die vorigen Züge waren schwerer und die Geleise waren noch nicht so ausgefahren.“ Zum einen, sagt er, hätten sich die Schäden an den Gleisen „ausgewachsen“, zum anderen seien die Lint-Züge offenbar leichter geworden, so dass die Schlaggeräusche nun lauter zu hören seien.

Bei 40 hab‘ ich aufgehört zu zählen.

Karl Nickisch zu den Beschädigungen auf den Gleisen.

Weil seit geraumer Zeit ein paar Ersatzschienen am Gleis 1 in der Nähe vom Bahnübergang Schaftlach liegen, schaute Nickisch dieser Tage mal genauer hin und stellte fest: „Es sind nicht nur wenige Meter von Gleis 1 beschädigt, sondern auf Gleis 1 und 2 sind Beschädigungen über mehrere hundert Meter erkennbar.“ Unzählige größere und kleinere Löcher habe er deutlich gesehen, „bei über 40 hab’ ich aufgehört zu zählen.“ Nickisch rechnet: Da jeder Zug mehrere Radreifen hat, sind das bei jeder Einfahrt oder Ausfahrt eines Zuges zwölf bis 16 Schläge pro Radreifen und Beschädigung. „Bei 18 Beschädigungen, die allein vom Bahnsteig aus auf Gleis 1 zu sehen sind, macht das 288 Schläge pro Zug. Jede Stunde, teilweise halbstündig, bis weit nach Mitternacht. 5000 vollkommen überflüssige Schläge nur auf Gleis 1.“ Verstärkt werde das Geräusch durch die ungedämpften Betonschwellen, auf denen die Gleise ruhen. „Die früheren Holzschwellen“, hat er festgestellt, „haben die Schläge besser geschluckt.“

Beschädigte Gleise am Bahnhof Schaftlach: Vor-Ort-Gespräch mit BRB-Geschäftsführer

Die BRB weiß von der Lärm-Problematik, nicht nur, weil Nickisch vor wenigen Wochen mit dem Technischen Geschäftsführer Arnulf Schuchmann ein Gespräch vor Ort in Schaftlach führen durfte. „Er hat sich alle meine Fragen angehört und viele davon beantwortet, bei manchen auf EU-Richtlinien verwiesen. Aber er reagierte freundlich und korrekt“, sagt Nickisch im Nachhinein. Dass er dabei die „Mängelliste“ ausführlich anbrachte, die von Hupen, über Bremsquietschen, Kreischen in den Kurvenbögen, Motorenbrummen und Abgaslärm reicht, versteht sich von selbst.

Schlaggeräusche am Bahnhof Schaftlach: 2022 soll saniert werden

Einige Antworten auf seine Mails stünden noch aus, sagt Nickisch. Zumindest BRB-Sprecherin Annette Luckner reagierte gestern auf Nachfrage unserer Zeitung. „Wir haben die Problematik der beschädigten Gleise an die DB-Netz weitergegeben“, so die Sprecherin. Sie stellt fest, dass vereinzelt Schäden am Gleis 2 schon im vergangenen Jahr ausgebessert worden seien. Soviel könne sie ankündigen: 2022 solle die Gleisanlage in Schaftlach komplett saniert werden. Details sind nicht bekannt. Die DB-Netz-Pressestelle konnte sich bis gestern Abend nicht zu einer Anfrage unserer Zeitung äußern.

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gr

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