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Die verschiedenen Trassenvarianten beleuchtete in seinem Vortrag Lars Hülsmann (r. stehend), Vorsitzend er der Bürgerbewegung.

Ortsumfahrung Waakirchen  

Bürgerbewegung schlägt Kurztunnel als dritte Variante vor

„Der Ortstunnel ist die einzig wahre Lösung für Waakirchen.“ Davon ist die Bürgerbewegung zur Entlastung der B472 überzeugt. Jetzt brachte sie eine weitere Variante ins Spiel.

Waakirchen Auf der Agenda bei einem Informations- und Diskussionsabend der Bürgerbewegung zur Entlastung der B 472 im Waakirchner Pfarrheim standen die möglichen Trassenführungen einer Ortsumgehung sowie die Tunnellösungen, die von Vertretern des Staatlichen Bauamts Rosenheim Anfang Juli als Ergebnis einer Machbarkeitsstudie präsentiert worden waren. „Wir hatten zwar damals um eine Stellungnahme für eine bevorzugte Lösung gebeten, das Straßenbauamt kam dieser Bitte aber leider nicht nach“, sagte Vorsitzender Hülsmann. Daher habe man die Veranstaltung initiiert, um eine Erläuterung, Abwägung und Bewertung der Vorschläge vorzunehmen. Nach der Begrüßung durch den Zweiten Vereinsvorsitzenden Xaver März folgte ein von Hülsmann gehaltener Vortrag, der sich ausführlich den Vor- und Nachteilen der einzelnen Entwürfe widmete.

Die sieben oberirdischen Trassenführungen stünden alle im Einklang mit dem Bundesverkehrswegeplan (BVWP), erläuterte er. „Der Vorzug dieser Varianten liegt in den vergleichsweise moderaten Baukosten, der Verkehrsentlastung und der Verringerung der Immissionen im Ortskern.“ Es sei bei allen oberirdischen Lösungen eine Erhöhung der Verkehrssicherheit zu erwarten.

Andererseits hätten die einzelnen Möglichkeiten auch Nachteile. „Die im BVWP vorgesehene ortsnahe Südumfahrung bringt signifikante Eingriffe in die Natur mit sich, eine Zerstörung von Hagen, Biotopen und einem Naherholungsgebiet“, warnte Hülsmann. Eine weitere Konsequenz sei die zusätzliche Zerschneidung des Dorfes und auch landwirtschaftlicher Nutzflächen. „Hier kann sich auch eine Beeinträchtigung der Wirtschaftlichkeit ergeben“, gab er zu bedenken. An beiden langen Umgehungsstraßen monierte er den überdurchschnittlichen Flächenverbrauch.

Bei den ortsnahen Nordtrassen kam zusätzlich der Faktor „Enteignung von Grundbesitz“ mit aufs Tapet. „Mehr als 93 Prozent der Eigentümer wollen aber nicht verkaufen“, sagte der Vorsitzende.

Dem stellte er die nach Auffassung des Vereins erheblichen Vorzüge der Tunnelvarianten, besonders des favorisierten Ortstunnels, gegenüber. „Die Verkehrswirksamkeit ist hier höher als bei den Umgehungen“, sagte Hülsmann. Grund sei das höhere Tempolimit in Tunnels und die kürzere Streckenführung. Die Immissionen würden nicht nur verlagert, sondern durch Filteranlagen ganz vermieden. Auch die ungleich geringeren Eingriffe in die Natur und das Landschaftsschutzgebiet führte er an: „Diese sind in der Kosten-Nutzen-Rechnung nicht einkalkuliert. Wir wollen aber diese Landschaft auch für künftige Generationen erhalten.“ Zudem präsentierte Hülsmann eine dritte Variante: einen Kurztunnel, der in der Machbarkeitsstudie nicht berücksichtigt worden war und der als „Plan B“ vorgesehen sei, wenn die beiden anderen Lösungen keine Zustimmung fänden.

In der anschließenden Diskussion zeigte sich Gerhard Voit, Mitinitiator der Bürgerinitiative Verkehr, als vehementer Gegner der Untertunnelung. „Die Südumfahrung wäre eine Traumsituation für Waakirchen“ sagte er – und zeigte sich überzeugt: „Der Tunnel kommt niemals, das ist eine Illusion, einfach hanebüchen.“ Man solle die Chance nutzen, die sich mit der Umgehungsstraße biete, bevor sie vorüber sei und nicht mehr käme. Gleichwohl machte Hülsmann klar: „Wir glauben an den Tunnel als die wahrscheinlichere Möglichkeit. Darum stehen wir heute hier.“

Stefan Gernböck

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