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Ein Pfarrer und seine Kirche: Ende Juli wird Karl Hofherr den Pfarrverband Waakirchen-Schaftlach verlassen. Er wird in Kürze 75.

Nach fünf Jahren in Waakirchen-Schaftlach

Pfarrer Hofherr geht in Ruhestand - Nachfolge geregelt?

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Waakirchen - Nach knapp fünf Jahren müssen die Waakirchner und Schaftlacher Abschied nehmen von ihrem Pfarrer Karl Hofherr (74). Er geht in den Ruhestand. Die Nachfolge ist offenbar schon geregelt.

Die Freude in Waakirchen und Schaftlach war groß, als vor fünf Jahren bekannt wurde, dass der Pfarrverband wieder einen eigenen Seelsorger bekommen würde. Und auch für den Pfarrer erfüllte sich mit der neuen Aufgabe ein Wunsch: Nach fast 19 Jahren als Seelsorger in Partenkirchen, wo Hofherr rund 12.000 Katholiken zu betreuen hatte, freute er sich auf die vergleichsweise kleine Pfarrei. „Vom Großbauern zum Kleinbauern“, so hat es der gebürtige Königsdorfer damals in einem Interview mit der Tegernseer Zeitung genannt. Seine Erwartungen wurden nicht enttäuscht.

Hier, in Waakirchen und Schaftlach, sei ihm Zeit geblieben, um sich regelmäßig auch um die Jüngsten zu kümmern. „Ich war noch nie so viel in Kindergärten wie hier“, erzählt Hofherr, der am 16. Juli seinen 75. Geburtstag feiert. Mit den Kindern habe er biblische Geschichten gelesen und gespielt – das sei ihm stets eine große Freude gewesen. Ebenso wie die vielen Taufen und Hochzeiten, die Hofherr in den zurückliegenden fünf Jahren begleitet hat.

Mit dabei war er freilich auch bei der 1000-Jahr-Feier in Schaftlach („das war schon ein Höhepunkt“). Dennoch ist es vor allem die tägliche Arbeit eines Seelsorgers, die Hofherr in guter und bleibender Erinnerung behalten wird. Die Predigten an Sonn- und Feiertagen etwa oder wenn er Trost spenden konnte bei Beerdigungen.

Die Freude an seinem Beruf ist bei Hofherr deutlich spürbar – bei seinem Amtsantritt in Waakirchen so sehr wie heute. Doch wenn der Geistliche demnächst 75 Jahre alt wird, hat er die Alters-Obergrenze für einen Pfarrer erreicht und muss sich in den Ruhestand zurückziehen. Ein Schritt, der mit Wehmut verbunden ist. „Gerade bin ich mit den Schaftlachern und Waakirchnern vertraut geworden“, sagt Hofherr. Da müsse er schon wieder Adieu sagen.

Allerdings führt in dieser Abschied nicht allzu weit weg. Hofherr wird nach seinem Ausscheiden als Waakirchner Pfarrer eine private Wohnung in Finsterwald beziehen und will hier – im Pfarrverband Gmund-Bad Wiessee – als Ruhestandspfarrer weiterhin seelsorgerisch tätig sein. „Darauf freue ich mich schon“, sagt Hofherr. Zugleich betont er aber, dass er künftig „kein richtiger Pfarrer“ mehr sei, sondern in seinem neuen Wirkungsfeld lediglich den hier zuständigen Seelsorger Wieland Steinmetz unterstützen werde. „Ich rücke ins zweite Glied zurück“, meint der bald 75-Jährige schmunzelnd.

Dass er sein Pfarrer-Dasein komplett an den Nagel hängt und zu seiner Familie nach Königsdorf zurückkehrt, kam für Hofherr nicht in Frage. „Ich bin gesundheitlich noch gut beisammen und voller Freude und Zuversicht, auch wenn sich die Kirche in einem riesigen Umbruch befindet“, meint der Geistliche. Seine Überzeugungen – „wir sollten die Menschen gern haben, auch wenn sie nicht in die Kirche gehen“ – will Hofherr auch seinem Nachfolger in Waakirchen-Schaftlach mit auf den Weg geben.

Denn wie es aussieht, wird der Pfarrverband nach dem Ausscheiden Hofherrs Ende Juli wieder einen eigenen Pfarrer bekommen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird dieser Mitte September sein Amt antreten. Es handelt sich laut Hofherr um einen noch recht jungen Pfarrer, der aber – genau wie er – das Traditionelle und Bodenständige zu schätzen wisse.

 „Man darf den Kontakt zu den Vereinen nicht abreißen lassen. Sie sind so wichtig für die Dorfgemeinschaft“, rät Karl Hofherr, der selbst auch gerne mal zu einer Schafkopf-Runde hinzustieß, die sich im örtlichen Trachtenheim versammelt hatte.

Abschiedsgottesdienst und Stehempfang

Am Sonntag, 24. Juli, werden sich die Gläubigen des Pfarrverbands Waakirchen-Schaftlach mit einem Festgottesdienst von ihrem Pfarrer Karl Hofherr verabschieden. Die Aufstellung zum Kirchenzug erfolgt um 9 Uhr, die Messe beginnt um 9.30 Uhr. Im Anschluss ist ein Stehempfang im Schaftlacher Feuerwehrhaus geplant.

gab

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