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Die Aussage eines ehemaligen Kollegen konnte die Sparkassen-Mitarbeiterin nicht erklären.

Sie konnte es nicht erklären

Prozess gegen Ex-Bankangestellte: Zeuge belastet Angeklagte schwer

Im Untreue-Prozess gegen eine ehemalige Kreissparkassen-Angestellte trat jetzt ein früherer Arbeitskollege in den Zeugenstand. Der berichtete Verdächtiges.

Miesbach/Waakirchen – Über 130 000 Euro soll eine Angestellte der Waakirchner Kreissparkassen-Filiale in den Jahren 2013 bis 2016 von Kundenkonten veruntreut haben (wir berichteten). Am jüngsten Verhandlungstag sagte ein ehemaliger Arbeitskollege vor dem Amtsgericht Miesbach über den fraglichen Zeitraum aus. Gegen Ende seiner Ausbildungszeit sei er in die Waakirchner Filiale versetzt worden und habe dort seine Lehre abgeschlossen. Dann war er dort am Schalter tätig. Die Zusammenarbeit mit der Beschuldigten beschrieb der 33-jährige als „nettes, kollegiales Verhältnis“. Ärger habe es nur selten gegeben.

Prozess gegen Ex-Bankangestellte: Zeuge belastet Angeklagte schwer

Wie das Verhältnis seiner Kollegin zu den vier geschädigten Kunden gewesen sei, wollte Richter Walter Leitner von dem Zeugen wissen. „Es war ein sehr vertrauter Umgang, weil sie die Leute so lange kannte“, erklärte der Waakirchner. Gemeinsam scheine allen Geschädigten gewesen zu sein, dass sie „über ihre Finanzen keinen Überblick hatten.“ Ausführlich wurde vor Gericht vor allem auf die altersbedingte Unbeholfenheit von drei Opfern eingegangen. Besonders drastisch schien dies im Fall einer alten Dame gewesen zu sein, die in unmittelbarer Nähe zur Bank wohnte und unter Altersdemenz litt. „Obwohl sie gegenüber der Bank wohnte, wusste sie am Schalter oft nicht mehr, weshalb sie überhaupt gekommen war.“ Oft sei sie mehrmals täglich gekommen, um Geld abzuheben, durchaus auch mal beträchtliche Summen. „Dann haben wir mit ihr gesprochen, statt 1000 doch nur 100 Euro abzuheben.“ Intern habe man diskutiert, ob die Frau noch voll geschäftsfähig sei – und auch in Erwägung gezogen, die Sache ihrer Betreuerin gegenüber zur Sprache zu bringen. Dies sei aber letztlich nicht geschehen.

Lesen Sie auch: Sparkassen-Mitarbeiterin soll Kunden 130.000 Euro abgebucht haben - Ihr Anwalt zweifelt Zeugen an

Auch auf die Sichtung der Überwachungskamera-Aufnahmen kam Richter Leitner zurück. Nachdem die Unregelmäßigkeiten ans Licht gekommen waren, habe der Geschäftsleiter ihn beauftragt, relevanten Zeiträume zu sichten, berichtete der Zeuge. Auf einem der Filme sei zu sehen, wie die Angeklagte am Terminal ohne Anwesenheit eines Kunden eine Buchung vornimmt, daraufhin am Geldautomaten Geld abhebt, den Kontoauszug ausdruckt und schließlich alles in eine schwarze Tasche steckt. Die Gmunderin hatte hierfür eine Rechtfertigung. „Manchmal haben Kunden bei größeren Beträgen tags zuvor angerufen und gebeten, die Auszahlung vorzubereiten.“ Auch der dementen alten Dame habe sie größere Summen persönlich gebracht, um zu vermeiden, dass diese mit den gewünschten Summen in die Öffentlichkeit gehe. Sie selbst ist – nicht zuletzt durch eine im Rahmen der Vorwürfe durchgeführte Hausdurchsuchung – gesundheitlich schwer angegriffen.

Dem Antrag ihrer Verteidiger, einen Gutachter wegen Befangenheit abzulehnen, gab das Gericht nicht statt. Als nächstes stehen in dem Prozess Plädoyers und das Urteil an.

von Stefan Gernböck

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