Lkw an Lkw schiebt sich durch Waakirchen.
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Lkw an Lkw schiebt sich durch Waakirchen. Der Bundesverkehrswegeplan sieht eine einfache Umfahrung aus.

Bürgermeister Norbert Kerkel arbeitet an Begründung für teure Lösung

Verkehrsentlastung für Waakirchen: Ringen um Umgehung ist Chefsache

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
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Die einfache Ortsumfahrung, die der Bund im Verkehrswegeplan vorsieht, will Waakirchen nicht haben. Die Gemeinde will die teure Lösung durchsetzen. Das wird nicht einfach.

Waakirchen – 7,67 Millionen Euro stehen im Bundesverkehrswegeplan (BVWP) 2030 für die Lösung des Waakirchner Verkehrsproblems bereit. 83,5 Millionen Euro will die Gemeinde haben. Denn so viel kostet es, die Südumgehung des Ortes, wie von Experte Helmuth Ammerl vorgeschlagen, im Boden zu versenken. Der BVWP hingegen sieht lediglich eine einfache Umfahrung im Süden ohne weitere Finessen vor. Jetzt gilt es, das Bundesverkehrsministerium vom Sinn der Mehrausgabe zu überzeugen.

Dies soll mit einer Stellungnahme der Gemeinde gelingen. Sie zu formulieren, ist für Bürgermeister Norbert Kerkel (FWG) Chefsache. Und keine einfache Aufgabe. „Da muss man mit viel Fingerspitzengefühl vorgehen“, weiß Kerkel. Bis Januar soll die Stellungnahme vorliegen. Sie dient dem Staatlichen Bauamt als Grundlage, um mit dem Bund über die Finanzierung zu verhandeln.

Gemeinderat hat einfache Südumfahrung abgelehnt

Den Bau der im BVWP vorgesehenen Variante hatte noch der vorherige Gemeinderat im Dezember 2019 abgelehnt. Den Vorzug gab das Gremium mit Bürgermeister Sepp Hartl (FWG) an der Spitze dem Vorschlag Ammerls, die Trasse zu großen Teilen im Erdreich verschwinden zu lassen. Noch nicht vom Tisch ist auch der mindestens 120 Millionen Euro teure Ortstunnel. 2017 hatten 3500 Bürger diese Variante mit ihrer Unterschrift gefordert. Am Kurs seiner Vorgänger rüttelt der neu gewählte Gemeinderat nicht. Kurz nach der Kommunalwahl erörterte Kerkel als neuer Rathauschef die Situation mit den Verantwortlichen im Staatlichen Bauamt Rosenheim. Dort gab man ihm zu verstehen, dass es schon eine sehr gute Begründung brauchen werde, um die teure Lösung durchzusetzen. „Und es wird auch nicht sehr schnell gehen“, weiß Kerkel. Zumal die Gemeinde nicht nur eine gut abgeschirmte Umfahrung von Waakirchen will, sondern gleichzeitig auch eine Entlastung für den Ort Hauserdörfl. „Da leben sehr viele Menschen, die sonst noch mehr belastet würden.“

Auch Entlastung für Hauserdörfl gefordert

Verhandlungen in dieser Sache sind aber nicht mit dem Bund, sondern mit dem Freistaat zu führen. Denn in Hauserdörfl geht es nicht um eine Bundes-, sondern um eine Kreisstraße. Verantwortlich für die Planung ist in beiden Fällen zunächst das Staatliche Bauamt Rosenheim. „Aber das Geld kommt aus verschiedenen Töpfen“, erläutert Kerkel. Wie eine Entlastung für Hauserdörfl aussehen könnte, hat Experte Ammerl im Auftrag der Gemeinde grob skizziert. Die Kosten hierfür sind Kerkel zufolge noch nicht kalkuliert.

Aktuell arbeitet die Gemeindeverwaltung an der Stellungnahme, mit der Waakirchen seine Wünsche für die Umfahrung formuliert. Mit dieser wird sich dann der Mobilitätsausschuss befassen. Der wurde nach der Kommunalwahl neu gegründet und hat bisher noch nicht getagt. Gemeinsam wolle man die Sachlage „auf den Punkt bringen“, meint Kerkel. Persönlich wäre er dem Bau eines Tunnels sehr zugeneigt. Doch angesichts der Kosten sei die Realisierung unwahrscheinlich. Und auch bei der Planung der jetzt auf 83,5 Millionen taxierten Südumgehung werde man wohl über die Details reden müssen: „Da wird es um Kompromisse gehen.“

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