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Rotmilan nach Bruchlandung im Krottenthaler Weiher gerettet

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Von: Alexandra Korimorth

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Tierschützer wildern in Krottenthal einen Rotmilan wieder aus
Den aufgepäppelten Rotmilan setzten (v.l.) Hans Weindl, Reinhold Busse und Natalie Simmeth in Krottenthal wieder aus. © Alexandra Korimorth

Ein missglückter Jagdflug mit Bruchlandung im Krottenthaler Weiher (Gemeinde Waakirchen) nahm für einen Rotmilan ein glückliches Ende. In einer Gemeinschaftsaktion wurde der prachtvolle Vogel gerettet.

Krottenthal – Es war Zufall, dass der Krottenthaler Bio-Landwirt Hans Weindl am vergangenen Sonntag (26. Juni) den Jagdflug eines Milans beobachtete. Der stürzte sich auf einen Frosch im Dorfweiher, der allerdings durch die Hitze nur noch wenig Wasser führte. Der Rotmilan verfehlte sein Ziel und landete geräuschvoll im Schlamm – und blieb stecken. Mit jedem flügelschlagenden Versuch, sich zu befreien, verschlammte der große Vogel noch mehr sein Gefieder. „In kürzester Zeit war er völlig entkräftet“, berichtet Weindl, der gleich zu Hilfe eilte.

Verschlammten Vogel mit Hilfe von Gießkannen gewaschen

Der Versuch, mit Gummistiefeln zum Vogel zu gelangen, schlug fehl. Weindl holte sich Bretter und eine Stange, krabbelte in Richtung Schlick und konnte den Milan herausziehen. „Gewehrt und gehackt hat er nicht. Irgendwie hat er wohl gespürt, dass ich ihm helfen will.“ Bevor Weindl ihn auf der Ladefläche seines Arbeitsfahrzeugs in Richtung Hof transportierte, rief er den befreundeten Schaftlacher Falkner Reinhold Busse an. Der war in wenigen Minuten vor Ort, und gemeinsam nahmen sie die erste Waschung des Tieres mit Gießkannen vor.

Ein völlig verschlammter Rotmilan wurde aus dem Krottenthaler Weiher gerettet
Mit verschlammtem Gefieder wurde der Rotmilan in die Auffangstation nach Otterfing gebracht. © Privat

Vogelmutter musste so schnell wie möglich zurück zu ihrer Brut

„Dabei entdeckten wir, dass der Rotmilan einen Brutfleck hat, folglich also weiblich ist und vermutlich auf Futtersuche für die Jungen war“, erklärt Busse. Früher waren die Zugvögel, die zur Familie der Habichte gehören, elegante Flieger sind und vom Boden aus an ihrem gegabelten Schwanz sowie den markanten weißen Flügelfeldern vor den tief gefingerten schwarzen Handschwingen zu erkennen sind, selten. Mittlerweile gibt es sie im Oberland häufiger. Aber dieses Jahr, da es so wenig Mäuse und damit Nahrung für alle Greifvögel gibt, sieht es mit dem Nachwuchs der Greifer generell nicht so gut aus. Falkner Busse wusste also, dass die Vogelmutter möglichst schnell wieder zurück musste zu ihrer Brut, weil der Vater mit der Versorgung allein dastand.

In einer Auffangstation wurde der Vogel wieder aufgepäppelt

Um abzuklären, ob sich die Milanin bei der Bruchlandung oder der Befreiungsaktion eventuell verletzt haben und damit flugunfähig sein könnte, schaffte Busse sie umgehend in die Auffangstation für Eulen und Greifvögel von Alfred Aigner nach Otterfing. Dort übernahm Natalie Simmeth den beinahe regungslosen Vogel. Sie weiß: „Rotmilane stellen sich aus Angst gerne tot. Die wenigsten sind aggressiv.“ Simmeth reinigte das Tier mit geeigneten Mitteln und viel warmem Wasser in der Badewanne, untersuchte und beringte es. Danach päppelte sie den Rotmilan zwei Tage mit Küken und Mäusen aus dem Fachhandel auf.

Vogel mit einem „Mach‘s gut“ in die Lüfte verabschiedet

Am frühen Donnerstagmorgen brachte die Vogelfreundin die wiederhergestellte Patientin in einer Schachtel zurück nach Krottenthal, wo die Retter Weindl und Busse schon warteten. Gemeinsam erklommen sie einen Hügel direkt gegenüber dem Wald, wo Weindl einen weiteren Rotmilan – höchstwahrscheinlich das männliche Tier der Vogelfamilie – beobachtet hatte. Mit Schwung warf Busse den rund 1,4 Kilogramm schweren Vogel in die Luft. Simmeth rief noch ein „Mach’s gut“ hinterher, und die Vogelmama schwang sich elegant in die Höhe und steuerte direkt eine hohe Tanne an, wo sich offensichtlich ihr Horst mit dem Nachwuchs befindet. Das glückliche Ende einer umfassenden Rettungsaktion.

ak

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