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Schaftlach: Brandbrief aus dem Kindergarten - Leiterin will mehr Personal

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Von: Christina Jachert-Maier

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Die Kita Schaftlach sucht dringend Erzieherinnen. Zur Entlastung des pädagogischen Teams wird jetzt eine Verwaltungsfachkraft eingestellt.
Die Kita Schaftlach sucht dringend Erzieherinnen. Zur Entlastung des pädagogischen Teams wird jetzt eine Verwaltungsfachkraft eingestellt. © THOMAS PLETTENBERG

Kindergarten, Krippe, Hort, 211 Plätze und 35 Mitarbeiter: Die Kita Schaftlach bietet, was Familien brauchen. Derzeit mangelt es ihr aber an Personal.

Schaftlach – Wie schwierig die Lage ist, macht Kita-Leiterin Magdalena Köstler Köstler in einem Brief an den Gemeinderat deutlich. Er sollte ihre Bitte untermauern, eine Kraft zu engagieren, die sich um Verwaltungsangelegenheiten kümmert, mindestens zehn Stunden die Woche. Als Entlastung, damit Köstler den Rücken frei hat für das, was ihr wirklich am Herzen liegt: die qualitätsvolle Arbeit mit den Kindern. Derzeit, schreibt Köstler, brauche sie 90 Prozent ihrer Arbeitszeit, um all die Verwaltungsdinge zu erledigen. Für die pädagogische Leitung blieben gerade einmal zehn Prozent: „Es sollte andersrum sein.“

Schaftlach: Brandbrief aus dem Kindergarten - Leiterin will mehr Personal

Der Waakirchner Gemeinderat stimmte bei seiner Sitzung dem Antrag, eine Verwaltungskraft zu engagieren, einmütig zu. Bei der Finanzierung kann die Gemeinde sogar auf staatliche Fördermittel von bis zu 50 000 Euro pro Jahr zählen.

Doch der Inhalt des Briefs, den Bauamtsleiter Christoph Marcher in der Sitzung verlas, machte das Gremium betroffen. Er spiegelt den Druck wider, unter dem Köstler und ihr Team stehen. Zwei Kolleginnen haben sich in die Elternzeit verabschiedet, zwei weitere orientieren sich beruflich neu. Seit Juni sind die Stellen ausgeschrieben, ohne die erhoffte Resonanz. Eine Bewerberin würde sofort anfangen, wenn sie nur eine Wohnung in der Umgebung bekäme, schreibt Köstler. Sie hoffe sehr, dass sich im August noch jemand melde. „Aber wir müssen uns eingestehen, dass der Fachkräftemangel auch in Schaftlach angekommen ist.“

Um der Kinder, der Eltern und der Mitarbeiterinnen willen plant Köstler, selbst wieder mehr in die Gruppen zu gehen. Dennoch könne es sein, dass den Kindern Stunden gekürzt werden oder sogar Verträge gekündigt werden müssten, macht Köstler klar: „Wir müssen schauen, dass aus einem normalen Arbeitspensum keine Überlastung der Mitarbeiter wird und das Kindeswohl Priorität hat.“ Der Zwiespalt, den Kindern gerecht zu werden und dabei auch die Verwaltungsarbeit zu leisten, belaste sie und ihr Team sehr.

Dass Fachkräfte in diesem Bereich kaum zu bekommen sind, sei „kein Inselphänomen“, sondern allgegenwärtig, meinte Bürgermeister Norbert Kerkel (FWG). Aber er halte es für sehr wichtig, der Kindergartenleiterin Luft für ihre Arbeit zu verschaffen: „Wir haben mit der Magdalena eine unheimlich gute Leitung. Die dürfen wir nicht verheizen.“

Evi Obermüller (Grüne), Mutter und Lehrerin, unterstützte die Forderung nach einer Verwaltungsfachkraft mit Nachdruck. Die Argumentation Köstlers sei absolut nachvollziehbar: „Es ist viel wichtiger, dass Lena wieder ihre pädagogischen Aufgaben machen kann, darin ist sie wahnsinnig gut.“ Leider nehme die pädagogische Arbeit gegenüber den Verwaltungsgeschichten einen immer geringeren Stellenwert ein, was sehr schade sei. Die Gemeinde müsse aufpassen, ihre Kindergartenleiterin nicht zu vergraulen. Pädagogische Fachkräfte, so Obermüller, könnten sich ihre Stellen inzwischen aussuchen.

Einhaken wolle sie bei dem Punkt, dass eine Erzieherin käme, wenn eine passende Wohnung zu finden wäre. Die Gemeinde plane gerade einige Wohnprojekte, erinnerte Obermüller. „Wir müssen im Hinterkopf behalten, dass wir Wohnraum für unsere Erzieherinnen schaffen.“ Deren Verdienst sei ja leider nicht üppig.

Kerkel nickte dazu. Die Gemeinde sei gerade dabei, nach Lösungen für das Wohnraumproblem in diesem Bereich zu suchen. Finde sich keine, so Kerkel, könnte dies im Fall des Schaftlacher Kindergartens bedeuten, dass die Gemeinde eine Gruppe schließen müsse: „Das wäre der schlimmste Fall.“

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