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Begeistert vom Energiekonzept des Hauses von Sebastian Wetter (2.v.r.) zeigten sich (v.l.) Matthias Willinger, Andreas Scharli und Veronika Halmbacher.

Ökostrom - ein Lebensgefühl

Schaftlacher macht‘s vor: So geht Energie sparen 2017

Der Landkreis will bis 2035 kein Gas und Öl mehr brauchen. Wie das geht, macht jetzt schon ein Schaftlacher vor, und verrät, ob es sich lohnt. Ein Besuch in seinem Spar-Holzhaus.

Schaftlach Sebastian Wetter lupft einen unscheinbaren Betondeckel. Unter dem Rasen in seinem Garten tut sich eine Zisterne auf. Im Wasser schlängeln sich kupferfarbene Leitungen. 16 Kubikmeter umfasst die Zisterne. Sie ist Energiequelle für die Wärmepumpe im Keller. Bereitwillig hat der Schaftlacher die Türen zu seinem Massivholzhaus mit den blauen Fenstern geöffnet. Das Ziel: Auf das Potenzial erneuerbarer Energien aufmerksam machen.

Bis 2035 wollen sich der Landkreis Miesbach und die Nachbarlandkreise mit regional erzeugter Energie selbst versorgen. Wetter trägt dazu bei. Zu 70 Prozent autark von der Energiebranche: Für ihn ist das bereits Realität. Das Energiekonzept seines Hauses plante und verwirklichte er zu großen Teilen in Eigenregie. Schließlich ist Wetter vom Fach. Als Ingenieur beschäftigt er sich mit Energietechnologie.

„Ich glaub’, da lohnt sich ein Blick in den Keller“, sagt Andreas Scharli von der Energiewende Oberland. Unten angekommen, blickt er sich um und sagt: „Relativ unspektakulär.“ Wobei, all die Elektrokabel. Und das Display. Aus dem Netz kann er auf sein System zugreifen, schildert Wetter. Wie viel Strom haben wir eingespeist? Wie viel verbraucht? „Das gefällt mir extrem gut.“

Modern ist neue Energie allemal. Sauber. Leise. Solaranlage, wasserführender Kachelofen, Fußbodenheizung, Wärmepumpe, Pufferspeicher, Zisterne – all das kostete „ein Heidengeld“. Ohne Eigenleistung hätte er für all das 50.000 Euro hingeblättert, schätzt Wetter. Wann sich die Investitionen amortisieren, sei schwer zu berechnen, weil von vielen Variablen abhängig. Die Photovoltaikanlange sei ein Nullsummenspiel. Überhaupt, Öl sei derzeit eben „brutal billig“, sagt Scharli. Die politischen Rahmenbedingungen seien „nicht so ideal“ für erneuerbare Energien, bedauert Matthias Willinger vom Vorstand der Energiegenossenschaft Waakirchen-Schaftlach.

Wie werden sich die Energiekosten entwickeln? Wetter zuckt mit den Schultern. Er kann der Zukunft gelassen entgegensehen. „Gut das Doppelte wie Otto Normalverbraucher“ habe er ausgegeben. Aber: „Das Gefühl ist einfach gut.“ Wenn ihn jemand nach der Rentabilität fragt, kontert er: „Was ist die Rentabilität deines letzten Amerika-Urlaubes?“ Wobei hohe Investitionskosten letztlich durch niedrige Betriebskosten ausgeglichen werden.

Sein Schwiegervater sei anfangs skeptisch gewesen, erzählt Wetter. Ganz ohne Erdöl und Gas auskommen? Das sei vielen noch suspekt, weiß Veronika Halmbacher, Klimaschutzmanagerin des Landkreises. Im Gemeindegebiet Waakirchen werden 18 Prozent des Stroms aus Solarenergie gewonnen. Solarthermie erzeugt in der Gemeinde so viel Wärme, dass damit 100.000 Liter Heizöl pro Jahr ersetzt werden.

Auch Wetters Schwiegervater ist mittlerweile Feuer und Flamme. Das Lebensgefühl sei mit Geld nicht aufzuwiegen. E-Mobilität komme ihm dagegen noch zu teuer, gibt Wetter zu. „Selber Strom machen. Damit heizen. Und damit rumfahren“: Das ist Scharlis Vision der Zukunft. 

Johanna Wieshammer

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