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Drei Krüge Bier schnappt sich Jeannine Mohrenweiser, genannt Schanni, an der Theke. Auch mit 79 Jahren ist sie mit Freune Bräustüberl-Bedienung: Sie mag die Geselligkeit.

Dienstälteste Bedienung 

Schanni, die Unermüdliche: Seit 54 Jahren im Bräustüberl

Waakirchen - Die Wirte wechselten, Jeannine Mohrenweiser blieb. „Schanni“ ist die dienstälteste Bedienung im Tegernseer Bräustüberl – sie ist zu einer echten Institution geworden. 

Vor Kurzem feierte Jeannine Mohrenweiser ihren 79. Geburtstag. Seit 54 Jahren geht die „Schanni“, wie sie von allen genannt wird, mit Bierkrügen von Tisch zu Tisch – sie ist die dienstälteste Bedienung im Tegernseer Bräustüberl. Seit ihrem ersten Arbeitstag im Mai 1962 hat sie viel erlebt. Unter anderem eine Filmrolle und vier verschiedene Wirte. 

„Ich mag mit den Leuten beinand sein. Ich brauche das“

Dass die Schanni trotz ihres Alters nach wie vor im Bräustüberl bedient, hat keineswegs einen finanziellen Hintergrund. „Wegen dem Geld mach’ ich das nicht“, sagt die Waakirchnerin. Vielmehr gehe es ihr um die soziale Komponente. „Ich mag mit den Leuten beinand sein. Ich brauche das.“ So könne sie dem Alltagstrott daheim entfliehen, zumindest für einen Tag. Inzwischen arbeitet die Schanni nämlich nur noch einmal in der Woche, am Dienstag. Nach der Geburt ihres Sohnes 1974 hatte sie ihr Engagement auf drei Tage pro Woche reduziert, 2003 dann auf einen. „Mehr würde ich nicht mehr schaffen“, sagt das Bräustüberl-Urgestein. 

Schanni ist Österreicherin, wurde aber im französischen Nantes geboren

Schließlich ist der Job alles andere als ein Zuckerschlecken. „Das ist schon eine schwere Arbeit“, weiß Schanni. „Man muss es können und mögen.“ Wie es sie damals im Mai 1962 ins Bräustüberl verschlug, kann die Österreicherin nicht genau sagen. Das Licht der Welt erblickte sie übrigens im französischen Nantes. Nach Kriegsende lebte Schanni in Achenkirch, der Heimat ihrer Mutter, wo sie genötigt wurde, eine Ausbildung zur Schneiderin zu absolvieren. „Das habe ich nicht gern gemacht“, sagt sie. Zwar sei sie in der Berufsschule so gut gewesen, dass sie zur Belohnung eine Österreich-Rundfahrt gewonnen habe, doch habe sie sich im Anschluss dafür entschieden, das Servieren zu lernen. Über den Gasthof Adler in Achenkirch und den Feichtner Hof in Gmund sei sie letztendlich im Bräustüberl gelandet. 

Schanni hat als Komparsin in der Verfilmung von Ludwig Thomas Lausbubengeschichten mitgespielt

Dort hat sie in ihrer mehr als 50-jährigen Schaffenszeit einiges erlebt. So durfte Schanni beispielsweise 1964 in der Verfilmung von Ludwig Thomas Lausbubengeschichten, die unter anderem im Bräustüberl gedreht wurden, als Komparsin mitwirken. „Für 40 Mark am Tag“, erinnert sich Schanni. „Das war damals viel Geld.“ Sie sei extrem kurzsichtig, habe aber ihre Brille während der Dreharbeiten nicht tragen dürfen. „Ich bin dann die ganze Zeit rumgesessen und habe nichts gesehen.“ Noch heute sehe sie sich die Lausbubengeschichten mit ihrem Mann gerne im Fernsehen an. 

"Ich arbeite solange es mir gut geht. Und solange der Chef mich behält"

Auch Arbeiten geht sie immer noch gerne. „Die Kolleginnen sind sehr nett und hilfsbereit“, sagt die 79-Jährige. Ebenso wie Bräustüberl-Wirt Peter Hubert. „Er ist als Chef und auch menschlich sehr in Ordnung“, findet Schanni. Zuvor hatte sie bereits unter Sofie Thurn, Josefa und Josef Mang sowie Monika und Reiner Prechtl gearbeitet. „Frau Thurn war eine Eiserne, eine vom alten Schlag“, erinnert sich Schanni. Am angenehmsten habe sie die Arbeit unter den Mangs empfunden. Und unter Hubert. An den Ruhestand denkt sie noch immer nicht. Sie will Bräustüberl-Bedienung bleiben. „So lange es mir gut geht“, sagt Schanni. „Und solange mich der Chef behält."

Bastian Huber

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