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Ein Wortakrobat wie eh und je: Sigi Zimmerschied zeigt ein seinem neuen Programm gewohnte Qualitäten – schon früh nach der Premiere auch in Waakirchen.

Kabarettist präsentiert taufrisches Programm

So war der Auftritt Zimmerschieds in Waakirchen

Es war keine leichte Kost, die Sigi Zimmerschied da auf der Kleinkunstbühne in Waakirchen servierte. Vor voll besetzten Reihen präsentierte der Kabarettist und Wortakrobat sein nagelneues Programm. 

Waakirchen – Nein, der Herrgott ist nicht zufrieden mit seinem Werk. „Fressen, Saufen, Vögeln, Sterben – des ist doch koa Schöpfung“, zürnt er. Sagt’s und ist drauf und dran, den „Scheißdreck“ kurz und klein zu schlagen. Einzig Engelbert „Berti“ Erz hält den zwidernen und zynischen Gott davon ab, seine Schöpfung zu zerstören. Dies auf Kosten des Versprechens, ihn wenigstens einmal pro Jahr zum Lachen zu bringen, was gar nicht so einfach ist.

Es ist wahrlich nicht das erste Mal, dass sich der Kabarettist Sigi Zimmerschied mit Gott auseinandersetzt. Die „Himmelskonferenz“ in den 70er-Jahren brachte ihm ein Ermittlungsverfahren wegen Blasphemie ein, und bei „Ihobs“ Ende der 90er haderte der Passauer einen ganzen Abend lang mit „dem da oben“. In seinem taufrischen Programm „Der siebte Tag“, das Zimmerschied nun bei der Kleinkunstbühne in Waakirchen vorstellte, folgt der nächste Teil der Auseinandersetzung. Anders als bei „Ihobs“ spielt Zimmerschied auf der Bühne nicht Zimmerschied, sondern schlüpft in die Rolle des Berti, der „kosmische Arsch vom Dienst“, der Hiwi der Schöpfung, dem die Menschheit ihr fragiles Dasein verdankt. Die Figur liefert dem Publikum einen „Erschöpfungsbericht“, so der Untertitel des Programms, ab.

Wie bei allen Programmen von Zimmerschied erlebt der Zuschauer auch bei „Der siebte Tag“ ein Ein-Mann-Theater, ein Kammerspiel. Abermals arbeitet sich der Passauer in atemberaubendem Tempo und der ihm typischen Wortakrobatik durch den Abend. Der ist so dicht gepackt, dass die 95 Minuten (inklusive Pause) völlig ausreichen. Zimmerschied demontiert, demaskiert und desillusioniert.

Der Mensch: aus Schöpfersicht ein „aufgestylter Trockennasen-Aff’“ aus der Kiste für Ausschussware. „Intergalaktisch gseng geltet’s Ihr als Ungeziefer“, sagt Engelbert Erz dem Publikum. Aber zur Belustigung der Göttlichkeit taugt der Parasit manchmal: „Hunger für den Weltfrieden? Da lacht er a ganze Woch‘.“ Und wenn es nicht einmal zum Mensch langt, „na halt a Würdenträger“.

Zimmerschied hat einen Rahmen gewählt, der ihm Raum lässt für seine berüchtigten Rundumschläge, seine Phantastereien, Pöbeleien und für ihn typische Sätze wie diesen: „Des ist oft bei Minimalisten so: dass des Wenige ned des Ergebnis von a bewussten Reduktion ist, sondern die Summe von stilisiertem Unvermögen.“ In seinem neuen Programm leuchtet Zimmerschied wieder Ecken aus, in die mancher gar nicht reinschauen will. „Feldpost und Instagram: Des is substanziell koa Unterschied. Dummheit marschiert halt nimmer, sondern fliegt.“

Kleinkunstbühnen-Chef Hugo Eder sprach in seiner Begrüßung davon, dass Zimmerschied „den ganzen Körper einsetzt, um seine Botschaft rüberzubringen“. Welche Botschaft das ist, kann jeder im Nachgang für sich selbst und auch völlig unterschiedlich beantworten. Denn auch das tut Zimmerschied mit seinem neuen Programm wieder: Er fordert Auseinandersetzung heraus (bis 25. März in München).

Daniel Krehl

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