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Barbara Wimmer in ihrer Nähstube

Wie Barbara Wimmer mit einer Idee Karriere machte

So kommt das Mieder in die Tasche

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Eigentlich suchte Barbara Wimmer (59) nur nach dem perfekten Geschenk für ihre Schwester. Und hatte eine zündende Idee: Eine Handtasche mit Miedermotiv, das wär’s doch. Inzwischen ist die Waakirchnerin für ihre Miedertaschen bekannt.

Waakirchen – „Jetzt bin ich da, wo ich immer hinwollte“, sagt Barbara Wimmer und strahlt. Eigentlich wäre sie gern Schneiderin geworden, am liebsten Gewandmacherin beim Theater. Gelernt hat sie dann Industriekauffrau, weil das vernünftiger schien. „Das war ja so in den 70er-Jahre, da war die Schneiderei am Boden“, sagt Wimmer. Also entschied sie sich fürs Büro, obwohl sie schon als kleines Mädchen leidenschaftlich gern mit Nadel und Faden Schönes schuf. „Ich habe mit vier Jahren schon Puppenkleider genäht“, erzählt Wimmer. Als sie sechs war, schenkten die Eltern ihr die erste Kindernähmaschine. „Schon mit Batterie, da war ich sehr stolz.“

Heute ist die Näherei zu einem kleinen Betrieb geworden. Im Nebenerwerb – Wimmer arbeitet seit 36 Jahren im Sekretariat der Grundschule Reichersbeuern, und auch das mit Freude. Daheim setzt sie sich dann noch zwei, drei Stunden lang in ihre kleine Nähstube und fertigt ihre Miedertaschen. Der Betrieb ist noch recht jung. „Es ist jetzt das sechste Jahr“, berichtet die Waakirchnerin.

Begonnen hat alles mit der Tasche für die Schwester. „Zum 50. Geburtstag sollte es etwas Besonderes sein“, erinnert sich Wimmer. Mieder konnte sie damals schon meisterlich nähen. Für beide Töchter hatte sie die seit deren Kindheit gemacht. Und auch auf einer Handtasche müsste das feine Miedermuster gut aussehen, überlegte Wimmer. Sie fertigte eine solche Tasche für ihre Schwester, damals noch ganz in Textil. Das Präsent kam so gut an, dass auch andere eine solche Tasche haben wollten. Doch so ganz zufrieden war Wimmer mit ihrer ersten Kreation nicht. Um die Tasche robuster zu machen, solle sie aus Leder sein. Die Waakirchnerin suchte nach einem Feintäschner, der ihre Miederarbeiten in Leder fasst. Nach einigem Suchen fand sie sogar zwei Betriebe, die ganz nach ihren Vorstellungen per Hand die kunstvollen Näharbeiten in feines Leder einpassen. Inzwischen bietet Wimmer auch mit ihren Motiven geschmückte Gürtel und Hosenträger an.

Mit ihren Produkten ist die Waakirchnerin auf Handwerker-Märkten in der ganzen Umgebung unterwegs. „Das macht mir sehr viel Spaß“ sagt sie. Ihre Befürchtung, dass sie als Konkurrentin gesehen und gemieden werde, sei ganz und gar nicht eingetroffen. „Das ist eine richtige Markt-Familie, da wurde ich sehr nett aufgenommen.“ Und sie habe viele tolle Handwerker kennengelernt.

Wimmers Unikate finden so viele Liebhaber, dass sie längst nicht alle Markt-Einladungen annimmt. „Das Ganze soll ja nicht explodieren“, meint Wimmer. Etwa zehn Märkte im Jahr, dann ist Schluss. Dazu kommen die Taschen, die sie auf Bestellung fertigt. Etwa ein Vierteljahr dauert es, bis das gewünschte Stück fertig ist. Steigern lässt sich die Produktion nicht. „Nach zwei, drei Stunden geht’s einfach nicht mehr“, berichtet Wimmer. Weil die Muster so fein und exakt sind. Und so schwer herzustellen. Für die typischen Wölbungen werden Peddigrohr und Reiskörner in den schweren Stoff geschoben. „Das geht auf die Fingerspitzen“, sagt Wimmer.

Ihre Freude am Taschenmachen ist ungebrochen. Meist gönnen sich ihre Kundinnen ein solches Stück zu einem runden Geburtstag. Um die 1200 Euro kosten die meisten ihrer Kreationen, wobei die Preisspanne groß ist. „Das ist wie beim Auto: Es kommt auf die Ausstattung an“, meint Wimmer. Dass aus ihrer Idee vor sechs Jahren ein richtiges kleines Geschäft geworden ist, macht sie froh. Ihrem Job in der Schule wird sie trotzdem treu bleiben: „So wie es ist, ist es gut.“

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