Waakirchner Umgehung: Jetzt stehen drei Korridore fest
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Ein Umgehungsstraßen-Korridor nördlich von Waakirchen, zwei südlich (blaue Linien im Bild), das wäre laut Raumwiderstandsanalyse grundsätzlich möglich.

Staatliches Bauamt stellt erste Analyse vor

Waakirchner Umgehung: Jetzt stehen drei Korridore fest

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Die Verkehrsentlastung von Waakirchen macht einen Schritt nach dem anderen. Jetzt sollen sich die Bürger einbringen und gedanklich mit der Frage befassen: Was, wenn der Tunnel nicht kommt?

Waakirchen – 30 Minuten lang führten Christian Reichl vom Staatlichen Bauamt Rosenheim und Ingenieur Gerd-Michael Krüger vom Echinger Ingenieurbüro Dr. Blasy/Dr. Overland in das Thema Raumwiderstandsanalyse ein, dann wurde es im voll besetzten Pfarrheim allmählich konkret: Die Zuhörer bekamen eine Karte präsentiert, auf der drei schraffierte Korridore zu sehen waren. Eingezeichnet auf gelbem und weißen Hintergrund – Gebiete mit mittlerer umweltbezogener Bedeutung, wie der Ingenieur erklärte. Auch viele rote Zonen waren in dem insgesamt 833 Hektar großen Untersuchungsgebiet zu sehen, vor allem ganz im Süden. Flächen der „Raumwiderstandsklasse I“, in der eine Umfahrung praktisch unmöglich wäre. 

Bei der Versammlung im Waakirchner Pfarrheim gab‘s eine erste Analyse.

Auch wenn die Karte noch keine Festlegung auf eine bestimmte Variante bedeutet: Drei Korridore sind möglich: nördlich und südlich von Waakirchen sowie zwischen Waakirchen und Hauserdörfl. Dass in jedem Fall „neue Belastungen für die Menschen auftreten, wo früher keine waren“ und „eine erhebliche Versiegelung mit Auswirkung auf die Landschaft“ vorgenommen werden würde, räumte der beim Bauamt für die Planung zuständige Ingenieur Christian Reichl ein. „Wir werden jetzt alle halbwegs vernünftigen Varianten untersuchen“, kündigte Reichl an und stellte den weiteren Zeitplan vor: Bis Ende Oktober solle die Machbarkeitsstudie vorliegen, Ende des Jahres wolle man sich auf die weiter zu verfolgende Variante festlegen. Daher seien jetzt die Bürger gefragt: Sie sollen ihre Vorschläge einreichen. Diese Bürgerbeteiligung in einer frühen Phase sei ein Angebot des Staatlichen Bauamts, die eine hohe Relevanz habe und für eine große Akzeptanz sorge.

Dabei haben sich viele Waakirchner schon festgelegt: Sie wollen einen Tunnel. 3500 Unterschriften haben sie schon an Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt überreicht. Der hatte sogar geantwortet. Dass eine Trasse in der Raumwiderstandskarte aber nicht eingezeichnet ist, irritierte Gemeinderat Rudolf Reber (ABV). Die Warnung von Bernhard Bauer, Leiter der Projektgruppe Straßenplanung am Staatlichen Bauamt, hörten die Anwesenden, von denen die meisten wohl Tunnelbefürworter waren, dann nicht gerne: „3000 Unterschriften sind schön und gut“, sagte Bauer. „Aber was ist, wenn er nicht kommt?“ Waakirchen sollte sich vorsorglich mit Alternativen auseinandersetzen, so Bauer.

Für Lars Hülsmann, Sprecher der Bürgerbewegung „Entlastung der B 472“, undenkbar. Für ihn ist nur ein Tunnel die Lösung für Waakirchens Verkehrsproblem, nichts anderes. Er sprach rechtliche Bedenken gegen eine Umgehungsstraße durch das Landschaftsschutzgebiet Egartenlandschaft an. Diese Umfahrung wäre nicht in Einklang mit der Alpenkonvention zu bringen, so Hülsmann, der inzwischen sogar Unterstützung von der CIPRA Deutschland, dem Dachverband vieler Umweltschutzorganisationen, bekommt.

Viele Fragen brannten den Anwesenden auf den Nägeln, wobei die meisten in Richtung Tunnel zielten: Wo kann man solche Tunnels besichtigen? Machen Bauämter gar Unterschiede bei der Genehmigung? Warum ist die neue Straße ins Gewerbegebiet nicht in die Überlegung einbezogen? Was ist, wenn am Ende ein Ergebnis herauskommt, das die Mehrheit der Waakirchner gar nicht will? Bis wann kann die Gemeinde, die laut Bürgermeister Sepp Hartl (FWG) zwar „grundsätzlich offen“ sei, aber einen Tunnel befürworte, die Planung stoppen? Die Vertreter des Bauamts malten ein düsteres Bild: Der Bund als Bauherr könne eine Variante „durchpressen“, dann bleibe der Gemeinde im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens nur der Klageweg.

Nach der über zweistündigen Veranstaltung war deutlich die Auffassung der Bürger zu spüren: Mit einer ortsnahen Umgehungsstraße wurde Waakirchen „vom Regen in die Traufe kommen“, sie würde nur eine weitere Ortsstraße darstellen und den Ort an anderer Stelle durchschneiden. „Wir müssen das Pferd neu aufsatteln“, fand ein Bürger. Das Staatliche Bauamt jedenfalls wartet jetzt auf Vorschläge.

Das schreibt die CIPRA an Landrat Wolfgang Rzehak:

Unterstützung für ihre Auffassung, wonach eine Ortsumfahrung durch das Landschaftsschutzgebiet Egartenlandschaft nicht im Einklang mit der Alpenkonvention stehen würde, bekommt die Bürgerbewegung von der CIPRA Deutschland, dem Dachverband vieler Umweltschutzorganisationen. In einem Brief an Landrat Wolfgang Rzehak schreibt CIPRA-Präsident Erwin Rothgang, dass im Geltungsbereich der Alpenkonvention Störungen und materielle Beeinträchtigungen der Schutzgebiete grundsätzlich verboten seien und der Schutzzweck gewahrt bleiben müsse. Rothgang fordert vom Landrat ein „koordinierendes Gesamtkonzept“ des Landkreises, in das auch die Verkehrsplanung einzubinden sei, „da die geplante Ortsumgehung nicht die einzige Planungsüberlegung ist, die das Schutzgebiet tangiere.

gr

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