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Elisabeth Hort muss ihre Hühner bespaßen, sonst lassen sie Federn. 

Ein Besuch im Hühnerstall in Waakirchen

Wegen Stallpflicht: Hennen rupfen sich die Federn aus

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Waakirchen - Die Hennen der Familie Hort in Waakirchen leiden sehr unter der Stallpflicht. Fliegende Federn und schmutzige Eier sind die Folge. Lange kann das nicht mehr gut gehen. Ein Besuch.

Lautes Gackern hinter der Holztür. Als Elisabeth Hort (54) den Hühnerstall auf ihrem Hof in Waakirchen öffnet, will sich ein freches Huhn an ihr vorbei ins Freie drängen. Nichts da, die Henne muss drin bleiben. Die Stallpflicht, die seit 18. November aufgrund der Vogelgrippe in ganz Bayern angeordnet ist, macht den Hennen ganz schön zu schaffen.

Chaos im Hühnerstall: „Die sind brutal anspruchsvoll“

Hühner brauchen immer was zu tun. „Die sind brutal anspruchsvoll“, sagt Hort. Jetzt, wo ihre rund 700 Hennen nicht raus dürfen, muss sie sich was anderes überlegen. „Das ist zur Zeit die reinste Bespaßung.“ Statt nur morgens und abends nach dem Rechten zu sehen, muss sie jetzt mehrmals am Tag in den Stall und für neue Beschäftigung sorgen: Körner, Picksteine, Sandbad, Daxen. Den Hennen wird es sonst langweilig. Und was dann passiert, zeigt sich bereits.

Selbst die Gockel bringen keine Ruhe rein

In den beiden mobilen Ställen, die sich nach Bedarf verschieben lassen, sitzen die Hühner auf der Stange. Da kann man deutlich sehen, dass die Zeit im Stall nicht spurlos an ihnen vorüber geht. Einigen Hennen fehlen am Hintern die Federn, vor allem den weißen. „Die sind von Haus aus aufgeregter und picken sich gegenseitig noch mehr“, sagt Hort. Wenn mal nicht genug Ablenkung im Stall ist, lenken sich die Hennen selbst ab - und rupfen sich die Federn aus. Auch die Gockel bleiben davon nicht verschont, obwohl sie sonst immer gut auf ihre Frauen aufpassen. „Die sind richtige Gentleman“, sagt Hort und lacht. Die Hennen danken es ihnen nicht. Ebenfalls einigermaßen zerrupft sitzen die sonst so stolzen Hähne im Stall und schauen etwas beschämt drein.

Beim Eierlegen wird‘s schmutzig...

Bis auf die Sache mit den Federn fehlt der Schar aber nichts. Alle sind gesund. Und auch beim Eierlegen haben sie noch nicht nachgelassen. Rund 600 Eier holt Hort jeden Tag aus dem Stall. Nur: Sie sind viel dreckiger als sonst, einige sind voll mit Hühnerkacke. „Das kommt, weil alle gleichzeitig zum Eierlegen gehen“, erklärt Hort und schüttelt den Kopf. Fängt eine Henne an, machen alle anderen mit. Da wird der Platz im Stall zu eng und die Eier landen schon mal neben dem Nest. Im Dreck.

Klar, die Landwirtin könnte die Eier einfach abwaschen. Dann wären sie aber nicht lange haltbar. Legt eine Henne nämlich ein Ei, ist es von einer Feuchtigkeit überzogen, die in die Schale einzieht. Das ist eine Schutzschicht und macht das Ei haltbar, locker drei Monate, wie Hort sagt. „Wenn man sie abwäscht, geht der Schutz verloren.“ Die ganz dreckigen Eier nimmt sie für den Eigengebrauch oder gibt sie Bekannten, die die Eier erst dann waschen, wenn sie sie essen. Im Verkaufsraum des Hofes, in dem sich die Kunden selbst bedienen können, würde sich ein Ei mit Hühnerkacke nicht gut machen.

Immerhin: Keine neuen Fälle im Landkreis

Wie lange es noch mit der Stallpflicht weitergeht, kann Hort nicht sagen. Und auch sonst keiner. Gerhard Brandl, Pressesprecher am Landratsamt, sagt: „Ein Ende ist nicht absehbar, wir warten auf eine Mitteilung der Regierung von Oberbayern.“ Zwar habe es laut Brandl keine neuen Fälle im Landkreis gegeben, aber aufgehoben wird die Regelung deshalb nicht gleich. Hort hat mal was von Stallpflicht bis 20. Mai gehört, das wären noch über vier Monate. „Wenn es an Ostern noch immer eine Stallpflicht gibt, sehe ich ein Problem“, sagt sie. Damit spricht sie auf die Haltbarkeit der Eier an.

Und wenn man die Hühner trotzdem laufen lässt? Dann gibt‘s Strafen

Auch im Winter dürften die Hennen im Normalfall ein paar Stunden raus. Gerade die älteren sind es gewohnt, frei laufen zu dürfen. Obwohl sie das nicht tun, darf Hort ihre Eier als Freilandeier verkaufen. Das ist in Bayern derzeit so erlaubt. Hort zuckt die Schultern. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als die Regelung zu akzeptieren. „Es gibt Verwarnungen und Strafen, wenn man es nicht tut.“ Die Hennen bleiben also im Stall, hoffen auf Bespaßung und sitzen ansonsten etwas zerrupft auf der Stange.

nip

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