Mit viel Engagement arbeitet die junge Initiative „Wos Guads vor Ort“ seit einem Jahr an Konzepten zur Förderung regionaler Erzeuger. Wegen Corona trifft man sich – wie hier – zur Zoomkonferenz, um die Projekte zu besprechen.
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Mit viel Engagement arbeitet die junge Initiative „Wos Guads vor Ort“ seit einem Jahr an Konzepten zur Förderung regionaler Erzeuger. Wegen Corona trifft man sich – wie hier – zur Zoomkonferenz, um die Projekte zu besprechen.

Gemeinderat Waakirchen gewährt Unterstützung

„Wos Guads vor Ort“: Starthilfe für regionalen Marktplatz

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
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Es geht um die Wertschätzung der örtlichen Bauern und den Zusammenhalt im Dorf. Unter dem Titel „Wos Guads vor Ort“ hat sich in Waakirchen eine Initiative gegründet.

Waakirchen – Um die Initiative zu unterstützen, trat Bürgermeister Norbert Kerkel (FWG) schon im Sommer vor die Kamera. „Schauspielerisch ist da noch Luft nach oben“, scherzte Kerkel, nachdem der Videoclip gelaufen war. Gemeinsam mit Ehefrau Simone gibt Waakirchens Bürgermeister den Werbebotschafter für die Initiative „Wos Guads vor Ort“ und deren „Gastro-Challenge“. Gezeigt wurde der Kurzfilm, in dem Kerkel durch bäuerliches Idyll streift und Körbe voller frischer Lebensmittel aus seiner Heimatgemeinde zeigt, bei der Gemeinderatssitzung in der Turnhalle.

Dort präsentierte sich die seit über einem Jahr aktive Initiative. Nicht einfach so, sondern mit der Bitte um eine Anschubfinanzierung für die ersten Projekte. Geplant sind ein Markt-Flyer, auf dem sich regionale Erzeuger vorstellen, dazu eine Homepage als interaktiver Marktplatz und Drehscheibe für alle Projekte. Über allem steht das Ziel, die Lebensmittelproduzenten am Ort, die Landwirte, zu unterstützen und den Verbrauchern zu zeigen, welche Köstlichkeiten sie ab Hof kaufen können. „Es geht um Wertevermittlung und Zusammenhalt“, erklärte Nadia Sadeghian als Sprecherin der Initiative.

Wertschätzung für heimische Produkte und Dienstleistungen fördern

In Waakirchen zuhause ist Sadeghian erst seit fünf Jahren. Zuvor war sie international unterwegs. Die Familie stammt aus dem Iran, sie hat dort und auch lange in den USA gelebt, dann in München. Mit ihrem Ehemann, dem Grünen-Gemeinderat Carsten Brockmann, zog die IT-Spezialistin ins dörfliche Oberland und verlor ihr Herz an die kleinen Landwirtschaften in ihrer neuen Heimat. „Das ist doch Natur-, Arten- und Landschaftsschutz“, findet sie. Es gelte, das Bewusstsein und die Wertschätzung für gute, gesunde, heimische Produkte und Dienstleistungen zu erhöhen.

Vereinsgründung im April

In Eva Vogl, die seit über 20 Jahren den Demeter-Betrieb Evas Paradiesgarten in Waakirchen führt, liegt sie auf einer Welle. Es entstand eine Gruppe von acht Engagierten, die sich jede Woche, teils sogar zweimal, virtuell trifft, um ihr Marktplatz-Projekt voranzubringen. Mit dabei sind die Gemeinderäte Rudi Reber (ABV) und Brockmann. Inzwischen ist die Homepage www.wosguads vorort.de schon online. Mit der Standortmarketinggesellschaft (SMG) des Landkreises und der Öko-Modellregion ist die Initiative bestens vernetzt. Am 14. April gründet die Initiative sich als Verein. Für den 18./19./20. Juni ist eine landkreisweite Gastro-Challenge ausgerufen. Sponsoren habe der Verein gefunden, aber eine finanzielle Lücke bleibe, meinte Sadeghian. Als Anschubfinanzierung beantragte die Gruppe 6000 Euro.

Junge Bäuerinnen engagieren sich

Im Rücken hatte Sadeghian nicht nur Bürgermeister Kerkel, sondern vor allem junge Bäuerinnen, die neben ihr vor den Gemeinderat traten. Afra Schnitzenbaumer aus Riedern, Theresia Sonner vom Hofmoar und Ortsbäuerin Christa Pichler machten klar, wie wichtig die Unterstützung für sie ist. Auch BBV-Ortsobmann Florian Schmotz-Schöpfer stimmte mit ein. „Da steckt viel Power dahinter“, erklärte Bürgermeister Kerkel. Seit einem Jahr habe die Gruppe ihm immer wieder Arbeitsergebnisse präsentiert und bisher nie etwas verlangt. „Nadia ist da mit Leib und Seele dabei.“ Er schlage vor, 3000 Euro als Starthilfe zu gewähren. Dem stimmte der Gemeinderat einmütig zu. Dies sei ein echter und hilfreicher Beitrag zur Dorfentwicklung, war man sich einig. Andere Kommunen müssten für diesen Zweck Agenturen engagieren. Zu den Förderern gehört auch Martin Weingärtner (ABV), der allerdings klar machte, dass die Betriebe, die vom Marktplatz beworben werden, sich auch finanziell beteiligen sollten.

3000 Euro Zuschuss an neuen Verein

Die 3000 Euro Starthilfe fließen an den Verein, der sich im April gründet. Auch wenn die Initiative nur die Hälfte der beantragten Summe erhält, ist Sadeghian mehr als zufrieden mit dem Beschluss. Sie habe nicht damit gerechnet, überhaupt eine Förderung zu bekommen. Der Zuschuss und das Vertrauen seien „wunderbar“.

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