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Nur eine kleine Gruppe traf sich in der Waakirchner Schule, um die Zukunft der Volkshochschule zu diskutieren.

Krisensitzung in der Waakirchner Schule

Hartl: Am Ende der vhs ist nicht mehr zu rütteln

Das Aus der Waakirchner Volkshochschule ist besiegelt. Daran sei nicht mehr zu rütteln, machte der Bürgermeister bei einer Sitzung mit Dozenten und vhs-Befürwortern deutlich. Die Stimmung war aufgeheizt.

Waakirchen –Zu dem Treffen waren gerade einmal sieben interessierte Bürger gekommen, zudem Franz Schweiger, Geschäftsleiter der Gemeinde, Hannelore Stuber, seit drei Jahrzehnten Leiterin der Waakirchner Volkshochschule (vhs), und Silvia Hartl, Vorsitzende des Vereins und Frau des Bürgermeisters. Unmut wurde vor allem laut, weil die Anwesenden sich vom Gemeinderat mit seiner negativen Entscheidung zur Zukunft der vhs überrumpelt fühlten. Sie seien nicht informiert gewesen, monierten sie. Die Gemütslage war vor allem zu Beginn der Sitzung recht erregt.

Hartl stellte zunächst klar, dass die Informationen zu den jeweiligen Gemeinderatssitzungen für alle Bürger im Internet zugänglich seien. „Eine Woche vor der Sitzung stehen die Themen im Netz“, sagte er. „Jeder kann sich informieren. Hinterher zu schimpfen, verändert die Sachlage nicht.“

Friedrich Joachim aus Gmund, der seit Jahren bei der Rückenschule der Volkshochschule dabei ist, erinnerte daran, dass es einen Verfassungsauftrag zur Erwachsenenbildung gebe, der nicht einfach vom Tisch zu wischen sei. Der Gemeinderat habe mit seiner Entscheidung eine Institution beschädigt und auch die Tür für später geplante vhs-Zusammenschlüsse zugeschlagen. Er übergab dazu einen Brief an den Gemeinderat. Schweiger und Hartl legten dar, dass der Auftrag der Erwachsenenbildung, den eine vhs hat, in Waakirchen bisher gar nicht erfüllt worden sei. Anmeldungen zu Internet-Schulungen oder Sprachkursen habe es zu wenige gegeben, so dass die Lehrgänge nicht hätten stattfinden können.

Das bestätigten schließlich auch die anwesenden Dozenten und die vhs-Leiterin. Die Gesundheitskurse und die Senioren-Ausflüge seien dagegen gut gebucht. Und auch die Musikkurse für Kinder seien sehr gefragt. Die will Sepp Hartl auch künftig garantieren. „Für unsere Waakirchner Kinder wird es das ganze Jahr hier weiterhin Unterricht geben“, versprach er. „Wir haben eine große Musiktradition in Waakirchen.“ Vielleicht, so meinte der Bürgermeister, müsse man hier neue Wege gehen und ein eigenes Musikschul-Angebot bereit halten. Die Fahrt zur Musikschule am Tegernsee sei jedenfalls nicht allen Familien zuzumuten. Auch bezüglich der anderen gut besuchten Kurse signalisierte Hartl Gesprächsbereitschaft. „Wir haben Räume, die wir unseren Bürgern zur Verfügung stellen können. Wie wir das genau organisieren, müssen wir in der Gemeinde nun durchplanen“.

Das Angebot soll offenbar ohne eine festangestellte Kraft funktionieren. Hannelore Stuber hatte bislang 17,5 Stunden pro Woche für die vhs gearbeitet. Zum 30. Juni ist offiziell Schluss. Damit sie 2018 die Abrechnung fürs laufende Geschäftsjahr noch erledigen kann, hält sie drei bis vier Wochen Arbeitszeit von diesem Jahr zurück. Zusammen mit dem Urlaub, der ihr noch zusteht, wird sie also voraussichtlich bereits im April ihre Tätigkeit beenden. Deshalb, so kündigte Stuber an, werde sie die vhs-Homepage schon jetzt offline schalten, denn sie könne keine Kurse mehr verwalten.

Hartl setzt auf die Eigenverantwortung der Dozenten: „Dann machen Sie eben weiterhin ihren Kurs und sammeln das Entgelt von den Teilnehmern direkt ein“. Er machte Mut, dass es einen Weg geben wird, den Bürgern ihre Kurse weiterhin anzubieten. Auch wenn er den Ausstieg aus dem vhs-Verbund persönlich bedauere.

Sonja Still

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