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Hat keine Angst vor harter Arbeit in großer Höhe: die Kaminkehrer-Gesellin Tamara Koch. 

Frauen in ehemaligen Männerberufen

Vor der Kaminkehrerin hat jeder Respekt

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Einen Arbeitsplatz im Büro wollte die Waakirchnerin Tamara Koch (23) nie. Die junge Frau zieht’s in luftige Höhen: Sie ist Kaminkehrerin und strebt jetzt den Meistertitel an.

Waakirchen – Morgens ins Büro fahren, abends heimkommen und in der Zwischenzeit nie weiter gehen als bis zum nächsten Kaffeeautomaten: Für Tamara Koch ist dies eine Horrorvorstellung. Die Waakirchnerin wählte ganz bewusst einen Beruf, der rein gar nichts mit einem Bürojob zu tun hat. Sie absolviert eine Ausbildung zur Kaminkehrer-Meisterin.

Frauen sind in dieser Branche eine Seltenheit. Im Landkreis gibt es zehn Kaminkehrer-Meister – aber nur eine Meisterin. Dafür gibt es gute Gründe. Kaminkehrer kommen am Abend regelmäßig rußverschmiert heim. Der Beruf ist körperlich sehr anspruchsvoll. Wer ihn ausübt, sollte kein Problem damit haben, schwere Leitern zu tragen und in schwindelerregender Höhe zu arbeiten. Auch im Winter, wenn die Dächer schneebedeckt sind. „Wenn man nicht körperlich fit ist, tut man sich schwer“, sagt Koch. Deshalb hält sie sich in der Freizeit in Form, geht auf Berge, fährt Rad und reitet. „Was man als Frau halt so macht“, sagt Koch schmunzelnd.

Die 23-Jährige ist schwindelfrei und topfit – und trotzdem war ihr beruflicher Weg nicht vorgezeichnet. Nach ihrer Zeit in der Herrschinger Realschule wusste sie nicht so recht, in welche Richtung es gehen soll. Sie absolvierte ein Praktikum im Einzelhandel und versuchte sich als Pferdewirtin. Ihr Urteil: „Alles nicht das Wahre.“

Da traf es sich günstig, dass ein Bekannter ihrer Eltern Kaminkehrer-Meister ist. Koch absolvierte ein vierwöchiges Praktikum, war begeistert und begann eine Ausbildung in Dießen am Ammersee. Dann wechselte sie nach Gmund zum Energiebüro am Tegernsee von Kaminkehrermeister Helmut Jaki. Seit einem Jahr geht sie auf die Meisterschule. Die Ausbildung dauert drei Jahre.

Was den Beruf so spannend mache, sei die Abwechslung, sagt Koch. Kaminkehrer müssen weit mehr beherrschen als nur auf Dächer zu klettern. Sie müssen bei Neubauten die Heizungen unter die Lupe nehmen und untersuchen, ob die Abgas-Grenzwerte eingehalten werden. Sie entscheiden, ob es nötig ist, den Kundendienst einzuschalten. Sie reinigen Öfen und untersuchen Wohnungen auf Brandsicherheit: „Wir müssen zum Beispiel sagen, wenn eine Couch zu nah an einem Abgasrohr steht“, erläutert Koch. Dabei gilt es immer den richtigen Tonfall zu finden – Milliardäre in Luxusvillen gehören ebenso zur Kundschaft wie Hartz IV-Empfänger. „Das erfordert ein selbstbewusstes Auftreten“, sagt Koch. Und jede Menge Fachwissen.

Über mangelnde Akzeptanz kann sich die 23-Jährige nicht beklagen: „Meine Bekannten bewundern es, dass ich als Frau so einen anstrengenden Beruf ausübe.“ Zugleich wird sie regelmäßig mit Fragen zu Heizungen, Öfen und Rauchmeldern bombardiert. Auch die Kundschaft habe kein Problem mit der Frau im Männerberuf: „Eine Frau kommt mir nicht ins Haus –das hat noch keiner gesagt“, sagt Koch lachend. Es komme höchstens mal vor, dass ihr jemand beim Tragen der Leiter helfen will.

Nach Abschluss der Ausbildung stehen ihr alle Wege offen. Sie hat die Chance, sich als Meisterin selbstständig zu machen. Ebenso könnte es sein, dass sie in Zukunft als Energieberaterin oder Brandschutztechnikerin arbeitet. „Kaminkehrer ist das Fundament für viele Berufe“, sagt ihr Chef Jaki. Viele Berufe, die nichts mit einem Bürojob zu tun haben.

Zu unserer Serie

In den Pfingstferien stellen wir Frauen vor, die in Berufen arbeiten, die als Männerdomäne gelten. Warum sie sich gerade für den Job entschieden haben und ob die Geschlechterfrage überhaupt eine Rolle spielt, lesen Sie in unseren nächsten Ausgaben.

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