Für frische Luft muss Schulleiter Holger Kraus künftig nicht mehr ganz so oft die Fenster aufreißen.
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Für frische Luft muss Schulleiter Holger Kraus künftig nicht mehr ganz so oft die Fenster aufreißen.

Gemeinde Waakirchen kauft Raumlüfter

Technik gegen den Frost im Klassenzimmer

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
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Anorak und Mütze können die Kinder nach den Weihnachtsferien in der Garderobe lassen: Die Gemeinde Waakirchen spendiert der Grundschule Raumlüfter.

  • Raumlüfter für die Grundschule werden Mitte Januar geliefert.
  • Maske im Unterricht bleibt trotzdem Pflicht.
  • Gemeinderat segnet Auftragsvergabe nachträglich ab.

Waakirchen – Schulleiter Holger Kraus hatte die Gemeinde Waakirchen schon vor Beginn der kalten Jahreszeit um Lüftungsgeräte für die acht Klassenzimmer gebeten. Wenn man die Vorgaben zur Corona-Pandemie ernst nehme, gebe es gar keinen anderen Weg, findet er. „Wir müssten die Fenster eigentlich permanent offen halten“, meint er. Aber auch ein kräftiges Stoßlüften alle 20 Minuten sei kaum praktikabel. Auch bei mildem Wetter würden Arbeitsblätter von den Tischen geweht, ständig müsste alles abgeräumt werden. Im oberbayerischen Winter wären die Temperaturen im Zimmer unzumutbar für Kinder und Lehrerschaft. „Und was sollen wir machen, wenn es quer schneit?“

Probebetrieb im Klassenzimmer

Bei der Suche nach Lösungen beschäftigte sich Kraus mit technischem Möglichkeiten zur Luftreinigung. Eine Firma stellte Testgeräte zur Verfügung. Zunächst je ein großes und ein kleines Gerät pro Klassenzimmer. Es zeigte sich: Bei manchen Modellen ist die Lautstärke ein Problem. „Da kann man eigentlich keinen Unterricht mehr halten“, berichtet Kraus.

Aber auch die Beschaffung erwies sich als nicht einfach. Weil viele Kommunen Anlagen für ihre Schulen orderten, waren die Geräte schnell Mangelware. Die ursprünglich ins Auge gefasste Ausstattung hätte erst im März geliefert werden können – zu spät. Doch letztlich gelang es der von der Schule ins Boot geholten Firma, Lüfter aufzutreiben, die Mitte Januar geliefert werden. Es handelt sich um kleine Geräte, von denen es pro Zimmer drei braucht. „Das ist sogar besser“, meint Kraus. Die kleinen Modelle seien leiser. Gelüftet werden muss trotz der Technik trotzdem – aber eben nicht ständig.

Lieferung nach den Weihnachtsferien

Insgesamt 18 000 Euro kosten die Geräte, die den 200 Grundschülern ein angenehmes Raumklima bescheren sollen. Als das Angebot des Fachhändlers für eine Lieferung gleich nach den Weihnachtsferien im November endlich stand, fackelte Bürgermeister Norbert Kerkel (FWG) nicht lange. Er holte sich per E-Mail das Okay der Gemeinderäte und erteilte den Auftrag. Bei der jüngsten öffentlichen Sitzung sollte der Gemeinderat die Investition per Beschluss rückwirkend absegnen.

Das geschah auch einstimmig: Niemand im Gremium zweifelte am Nutzen der Investition. Auch nicht Alexander Mayr (CSU), der jedoch den holprigen Weg bis zur Abstimmung monierte. Der Gemeinderat hätte im November in nicht öffentlicher Sitzung über die Beschaffung der Lüfter entscheiden sollen. Der Punkt wurde jedoch wieder von der Tagesordnung genommen. Zwei Tage später erkundete Kerkel per E-Mail die Bereitschaft der Gemeinderäte, die Lüfter zu beschaffen. In der Zwischenzeit hatten einige Gemeinderäte auf eigene Faust recherchiert, welche Raumlüfter am besten und günstigsten wären. Deren Erkenntnisse hätten einbezogen werden sollen, merkte Mayr an. Er hoffe, dass die Geräte nun die richtigen seien.

Messgeräte als Ergänzung

Es sei wegen der geringen Verfügbarkeit der Lüfter eilig gewesen, erwiderte Kerkel. „Der Händler hat die mühsam zusammengekratzt.“ Sicher solle die Abfrage per E-Mail nicht zur Regel werden.

Neben den Raumlüftern schafft die Gemeinde auch CO²-Messgeräte an, damit beim Lüftungskonzept alles passt. Auch jenseits von Corona sei es sinnvoll, die Raumluft zu filtern, erklärte Evi Obermüller (Grüne).

Kraus hatte gehofft, dass die Kinder dank der gereinigten Raumluft künftig keine Maske mehr im Unterricht tragen müssen. Doch leider, so Kraus, ergaben Rückfragen beim Gesundheitsamt: Die Maske bleibt Pflicht.

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