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Bald Vergangenheit: Die Tempo 30-Schilder in Marienstein werden bis Ende des Monats abmontiert. 

Schilder in Marienstein werden wieder abmontiert

Zum Teufel mit Tempo 30

Das Experiment Tempo 30 in Marienstein ist krachend gescheitert. Jetzt kommen die Schilder wieder weg.

Marienstein– Das Experiment Tempo 30 in Marienstein ist krachend gescheitert. Statt dem Dorf mehr Ruhe zu bescheren, brachte die verordnete Langsamkeit die Gemüter in Wallung. Jetzt hat der Gemeinderat entschieden: Zum 1. September kommen die Tempo-30-Schilder weg. Kontrolliert wurde ohnehin noch nie.

Zum Teufel hauen möge der Gemeinderat das Tempo-30-Gebot auf der Mariensteiner Ortsdurchfahrt, empfahl Waakirchens Bürgermeister Sepp Hartl (FWG): „Sollen sie doch fahren, wie sie lustig sind.“ Seinem Vorschlag, die Tempo 30-Schilder zum 1. September abmontieren zu lassen, folgte der Gemeinderat einmütig.

Tempo 30 in Marienstein: Das vorzeitige Ende einer Probephase

Der Gemeinderat hatte im Frühjahr beschlossen, das zulässige Tempo auf der Mariensteiner Ortsdurchfahrt vorerst bis Oktober auf Tempo 30 zu bremsen. Anwohner hatten schon seit Jahren immer wieder darauf gedrängt, vor allem den Lkw-Verkehr auf der Strecke zu bremsen. Stets hatte der Gemeinderat abgelehnt. Doch als Anwohner Olaf Jäckl 200 Unterschriften präsentierte, lenkte das Gremium ein. Es befürwortete den Antrag auf Tempo 30. Im Alleingang: Polizei und Behörden lehnten das Tempolimit ab.

Doch in Marienstein war keine Freude über den Erfolg der Unterschriftenaktion auszumachen. Das erste Tempo 30-Schild wurde über Nacht abgesägt, ein 2000 Euro teures Dialog-Display zertrümmert. Forderungen, die Probephase vorzeitig zu beenden, wies Hartl zunächst zurück. „Wir sind doch kein Kasperlhaufen“, zürnte er Mitte April im Gemeinderat. Bis Oktober werde das Experiment durchgezogen.

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Doch ein Schreiben von Peter Schiffmann, Fachbereichsleiter am Landratsamt, ließ Hartl jetzt zurückrudern. Es gebe beim Landratsamt Beschwerden wegen der Tempo 30-Anordnung, teilte Schiffmann mit. Demnach produziere das Gebot riskante Überholmanövern. „Es zeigt sich, dass unsere damaligen Bedenken durchaus berechtigt waren“, heißt es in dem Schreiben. Das Landratsamt empfehle der Gemeinde, die Notwendigkeit von Tempo 30 an dieser Stelle noch einmal zu überprüfen. Eine Überwachung sei ohnehin schwierig, da auch die Polizei Tempo 30 dort nicht befürworte und Messstellen für eine kommunale Verkehrsüberwachung erst eingerichtet werden müssten.

Für Hartl war dies der Anstoß, nun doch die Auflösung des Gebots vorzuschlagen. Auch er selbst sei dort schon überholt worden, erklärte er. Er könne das sogar nachvollziehen: „Ich habe selbst den Tempomaten drin gehabt. Du meinst, Du verhungerst.“

Das Experiment Tempo 30 in Marienstein sei vollumfänglich fehlgeschlagen, stellte Robert Englmann (CSU) fest. Seine Schlussfolgerung: „Es hat sich gezeigt, dass der Gemeinderat überlegen muss, von welcher Unterschriftenaktion er sich beeindrucken lässt.“ Es sei falsch gewesen, sich über rechtliche Bedenken hinwegzusetzen, meinte Englmann, von Beruf Richter.

Tempo 30 Marienstein: Aktion habe zum Nachdenken angeregt

Hartl widersprach. Die Aktion habe zum Nachdenken angeregt. „Sie ist nicht gescheitert.“ Auch Rudi Reber (ABV) wollte nicht vom Scheitern sprechen: „Das hat mit Sicherheit etwas gebracht.“ Insgesamt werde in Marienstein nun langsamer gefahren. Zuvor wären Autos teils mit 100 km/h durch den Ort gerauscht, erinnerte er. Das Schreiben Schiffmanns sah Reber kritisch. Der Fachmann habe nicht einmal bedacht, dass die Wirkungskraft der Tempo 30-Schilder an der ersten Zufahrt schon wieder ende, monierte Reber. „So wie wir die Schilder aufgestellt haben, gelten sie für vielleicht 100 Meter.“

Erwin Welzmiller (CSU) schüttelte über diese Aussagen den Kopf. Schiffmann sei immer gegen die Maßnahme gewesen, erinnerte er. Um Tempo 30 in Marienstein ordentlich auszuweisen, wäre ein wahrer Wald von zwölf Schildern nötig gewesen. Der Fehler liege beim Gemeinderat: „Wir haben uns von der Unterschriftenliste beeindrucken lassen.“

jm

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