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Tempo-30-Krise: „So habe ich das nie gewollt“

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Von: Christina Jachert-Maier

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Tempo 30 gilt auf der Hauptstraße in Marienstein. © al

Das Tempo 30-Gebot auf der Hauptstraße bringt die Mariensteiner auf 180. Ungebremst. Das weiß jetzt auch Anwohner Olaf Jäckel, der dafür 200 Unterschriften gesammelt hatte.

Marienstein – Das Tempo 30-Gebot auf der Hauptstraße bringt die Mariensteiner auf 180. Ungebremst. Das weiß jetzt auch Anwohner Olaf Jäckel, der 200 Unterschriften gesammelt hatte, um die Geschwindigkeitsbeschränkung durchzusetzen. Wie berichtet, wurde das erste Tempo 30-Schild schon in der ersten Nacht ausgehebelt, ein für 2000 Euro neu angeschafftes Digital-Display komplett demoliert. Die Stimmung kocht. Und Jäckel sieht sich falsch verstanden.

„Ich wollte nie Tempo 30 auf der gesamten Hauptstraße“, versichert Jäckel. Nur im Bereich nahe dem Feuerwehrhaus, im Wohngebiet, hätte die Anordnung gelten sollen. Tatsächlich ist nun auf der gesamten Länge der Hauptstraße Tempo 30 ausgewiesen. Dafür, sagt Jäckel, wolle er sich bei allen Mariensteinern entschuldigen. Er habe Bürgermeister Sepp Hartl auch gebeten, die Anordnung zu korrigieren. Doch der lehne das ab.

In der Tat. „Jetzt reicht es dann mal“, wettert Hartl. Immer wieder habe Jäckel wegen seiner Tempo 30-Forderung im Rathaus vorgesprochen und sei allen auf die Nerven gegangen. In Anbetracht der zahlreichen Unterschriften habe der Gemeinderat wie gewünscht Tempo 30 auf der Hauptstraße angeordnet, zunächst testweise für ein Jahr. Dabei bleibe es jetzt: „Der Gemeinderat ist doch kein Chaotenhaufen.“

Unterdessen hofft Jäckel, dass sich die Stimmung beruhigt. Er ist 2015 nach Marienstein gezogen, sein Haus steht dicht an der Hauptstraße. Dort brausen die Lastwagen vorbei. „So schnell, dass die Häuser wackeln.“ Gern hätte Jäckel erreicht, dass Tempo 30 nur für Lkw gilt. Als sich das als nicht machbar erwies, forderte er generell Tempo 30. Dies im Glauben, allen Mariensteinern einen Gefallen zu tun. „Es geht um den Lärm und die Erschütterung“, meint Jäckel. Dass alle Mariensteiner Tempo 30 wollen, habe er jedoch nie behauptet, merkt Jäckel an. „Aber von den 200, die ich angesprochen hatte, waren nur zwei dagegen.“

Von der Reaktion auf das nun seit zwei Wochen geltende Tempo 30-Gebot ist er enttäuscht. Dass die Mariensteiner, „spontan Dinge tun, die nicht in Ordnung sind“, habe er nicht erwartet: „Das ist für den Ort mehr als peinlich.“ Dabei habe er Verständnis, dass Bewohner des hinteren Bereichs von Marienstein verärgert sind. Denn die sollen nun eine lange Strecke am Waldrand mit 30 km/h entlangzockeln. „Das nervt“, weiß Jäckel.

Aber nicht nur Jäckel, auch der Mariensteiner CSU-Gemeinderat Alfred Finger ist von der Heftigkeit der Reaktion auf die neue Verkehrsanordnung überrascht: „Das habe ich unterschätzt.“ Finger hatte den Antrag Jäckels im Gemeinderat befürwortet. Allerdings nicht ohne Bedenken: Schon damals, im Dezember 2018, vermutete Finger, dass nicht alle Mariensteiner mit der Neuregelung glücklich sein würden. Letztlich stimmte er dafür, weil so viele Unterschriften vorlagen. „Jetzt frage ich mich, wo die eigentlich herkamen“, rätselt Finger. Auch ihm schlägt eine Welle der Empörung entgegen. „Alle fragen mich, wie die Gemeinde so etwas machen konnte. Die Leute sind sehr aufgebracht.“

Bürgermeister Hartl denkt nicht an einen vorzeitigen Abbruch der Testphase. Die umgeknickten Schilder hat er erneuern lassen. Als Ersatz fürs demolierte Dialog-Display ist ein mobiles Gerät platziert. In der Bürgerversammlung hatte Hartl anklingen lassen, man könne das Schild auch mit einer Kamera überwachen. Inzwischen hängt eine Wildkamera an einem benachbarten Baum.

Echtes Ungemach müssen die Mariensteiner nicht fürchten. Polizei und Fachbehörden hatten das Tempo 30-Gebot an dieser Stelle nicht befürwortet. Somit fehlt die rechtliche Grundlage für strafbewehrte Kontrollen. Er entsende auch keine kommunalen Verkehrsüberwacher, erklärt Hartl: „Ich will ja nicht, dass ein Mariensteiner seinen Führerschein verliert.“  

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