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Ein großes Herz für Tiere hat Sepp Hartl, hier mit seiner Perserkatze und Bourdauxdogge Balu.

Aber schießen will er nicht

Tierverrückter Bürgermeister macht Jagdschein

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Mit 63 Jahren hat Waakirchens Bürgermeister Sepp Hartl sich ans grüne Abitur gewagt. Und bestanden. Den Jagdschein braucht er vor allem, um sich einen Traum zu erfüllen. Ein Interview.

Herr Hartl, Sie haben den Jagdschein in nur drei Wochen gemacht und als Zweitbester abgeschnitten. Wie geht denn das?

Hartl: Ich habe einen Kurs im Sauerland belegt, auf Gut Ruckeljahn. Dafür habe mir drei Wochen Urlaub genommen. Den Jagdschein so nebenher zu machen, das geht in meinem Job nicht. Aber der Kurs war wirklich anstrengend, da wird einem nichts geschenkt. Von den 17 Teilnehmern sind auch vier durchgefallen. Wir hatten 18 Kurstage mit acht Stunden Unterricht. Aber mir hat das Lernen viel Spaß gemacht. Und ich habe die Zeit in der Männer-WG genossen.

Männer-WG?

Hartl: Auf Gut Ruckeljahn haben wir wie im Internat gelebt. Sechs Männer, der jüngste 22 Jahre alt. Ich war der Älteste. Wir mussten sehr viel lernen, aber wir hatten auch viel Spaß und eine echte Gemeinschaft. Für mich war das ein super Ausgleich von der Bürgermeister-Arbeit. Die Prüfung selbst habe ich dann in Emden gemacht, dem nördlichsten Zipfel Deutschlands. Ich war auch der Einzige, der ganz aus dem Süden gekommen ist.

Man könnte sich einen erholsameren Urlaub vorstellen.

Hartl: Ich möchte mir einen Traum erfüllen, und dafür brauche ich den Jagdschein. Mein Traum ist es, Falken zu halten und vielleicht sogar zu züchten. Raubvögel haben mich schon immer fasziniert. Wenn ich den Vogel auch fliegen lassen will, brauche ich den Jagdschein. Den habe ich jetzt schon mal gemacht – auch wenn ich eigentlich erst im Ruhestand Zeit haben werde, mich wirklich um die Falknerei zu kümmern. Aber der Anfang ist gemacht.

Das heißt, Sie wollen die Jagd gar nicht ausüben?

Hartl: Doch, ich hoffe, dass erfahrene Jäger mir die Gelegenheit geben, mit Ihnen im Revier unterwegs zu sein. Die Theorie kann ich jetzt, aber das Eigentliche lernt man erst in der Praxis. Ich stehe also ganz am Anfang. Wichtig ist mir das Wohl der Tiere. Ich möchte ein guter Waidmann werden. Und wahrscheinlich widme ich mich mehr dem Schwarzwild. Ein Rehlein schießen, das würde ich wohl noch nicht übers Herz bringen.

Als Gärtnermeister sind Sie doch eigentlich mehr ein Mann der Pflanzen. Stichwort: Wald vor Wild.

Hartl: Ich liebe Blumen sehr und freue mich an Pflanzen. Bei meiner Jägerausbildung habe ich erkannt, wie wichtig die Bejagung ist, damit der Wald sich entwickeln und vernünftig bewirtschaftet werden kann. Der Abschuss ist wichtig. Aber schon als Kind habe ich mit Hingabe kleine Vögelchen und junge Igel aufgezogen, mir Frettchen ins Haus geholt. Später hatte einen Hund, einen Bobtail, mit dem ich sogar auf Ausstellungen gegangen bin. Dazu fehlt mir jetzt die Zeit.

Es gibt jetzt also keine Tiere mehr im Hause Hartl?

Hartl: Doch! Ohne Viecherl kann ich einfach nicht sein. Nachdem mein Hund gestorben war, habe ich mir zwei Perserkatzen ins Haus geholt. Meistens ist auch der Hund meines Sohnes bei uns, eine Bordauxdogge namens Balu. Der wiegt 64 Kilo, ist aber ganz brav. Er mag es nur nicht, wenn einer um unser Haus schleicht, und das ist ja auch ganz gut. Und dann habe ich mehrere Bart-Agamen, also Echsen. Die habe ich während des Kurses schlafen gelegt, damit sich keiner um sie kümmern muss. Jetzt wecke ich sie wieder auf.

Und wann zieht der Falke ein?

Hartl: Eventuell im Herbst. Ich will mich erst noch intensiv mit der Haltung und Pflege befassen. Da muss ich noch viel lernen. Dem Tier soll es ja rundum gut gehen bei mir. So wie allen meinen Tieren.

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