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In seinem Element: Walter Hartwig auf dem VIVO-Firmengelände in Warngau.

Nachruf auf Schöpfer der Mülltrennung im Landkreis

Trauer um Walter Hartwig (68): Ex-VIVO-Chef unerwartet gestorben

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21 Jahre lang hat Walter Hartwig die Geschicke der VIVO geleitet. Am Mittwoch ist der Schaftlacher nun plötzlich und unerwartet im Krankenhaus Agatharied gestorben.

Schaftlach/Landkreis – Ein Teil von Walter Hartwigs Lebenswerk steht in nahezu jedem Haushalt im Landkreis, gern auch in doppelter Ausführung: einmal in Braun, einmal in Blau. Die Rede ist von der Bio- und der Papiertonne, die Hartwig in seinen 21 Jahren als Chef des Abfallwirtschaftsunternehmens VIVO eingeführt hat. Mehr noch: Der Schaftlacher war der Schlüssel für die heute im Landkreis praktizierte Mülltrennung und die damit verbundene Nutzung der Wertstoffe. „Er war eine Koryphäe“, sagt Hartwigs Nachfolger Thomas Frey über seinen früheren Vorgesetzten, der ihm bis zuletzt als Ratgeber zur Verfügung stand. Umso fassungsloser ist Frey, dass Hartwig am Mittwoch im Alter von 68 Jahren plötzlich und unerwartet im Krankenhaus Agatharied gestorben ist. „Das hat uns getroffen wie ein Schlag“, sagt Frey.

Hartwigs Engagement für die Abfallentsorgung wurzelte in seiner Funktion als Umweltjurist im Landratsamt. Schon da sei er die „Triebfeder“ für eine Biomüllsammlung und Kompostierung in Eigenregie des Landkreises gewesen, erinnert sich Frey. Eine echte Trendwende in einer Zeit, in der die Müllproblematik zunehmend für Konfliktstoff sorgte. Die Suche nach einem Standort für eine eigene Müllverbrennungsanlage im Oberland und eine neue Deponie in den 1980er-Jahren trieben etliche Bürger auf die Straße.

Hartwig verfolgte einen anderen Ansatz: die Abfallvermeidung. 1991 wurde unter seiner Federführung das Unternehmen für Abfall-Vermeidung, Information und Verwertung im Oberland (kurz VIVO) als GmbH gegründet. Alsbald reihten sich die Meilensteine wie die Container auf den Wertstoffhöfen aneinander. 1994 ging unter Hartwigs Führung das Wertstoffzentrum in Betrieb. 2006 setzte sich Hartwig dafür ein, die GmbH zusammen mit dem Abfallentsorgungsunternehmen Landkreis Miesbach (A.L.M.) in ein Kommunalunternehmen umzuwandeln.

Nur ein Jahr später übernahm die VIVO die Müllabfuhr in allen Gemeinden des Landkreises (mit Ausnahme von Tegernsee, wo die Stadt bis heute selbst für die Restmüllabholung zuständig ist) und verhinderte so, dass ein externes Großunternehmen in einer EU-weiten Ausschreibung den Zuschlag erhält. Hartwig stockte das Personal und den Fuhrpark auf und setzte 2008 obendrein noch die Einführung der Papiertonne um.

Lesen Sie auch: 21 Tonnen Müll landen neben Containern - VIVO verärgert

Auch im Ruhestand blieb Hartwig laut Frey ein gefragter Fachmann. Deutschlandweit habe er Städte und Gemeinden bei den oft zähen Verhandlungen mit den rein auf Profit ausgerichteten, privatwirtschaftlichen „Dualen Systemen“ wie dem Grünen Punkt beraten. „Er war immer um einen fairen Ausgleich bemüht“, sagt Frey. Die von ihm ausgehandelten Mustervereinbarungen zum Verpackungsgesetz würden heute bundesweit Verwendung finden. „Er war ein kreativer Mensch, der immer nach praktischen Lösungen gesucht hat“, sagt Frey.

Seine wenige Freizeit verbrachte Hartwig als begeisterter Radsportler auf bisweilen anspruchsvollen Touren, bevorzugt in den Bergen Frankreichs, erzählt Frey. Dass er nun schon mit 68 Jahren aus dem Leben scheiden musste, sei ein Schock. Entsprechend groß ist die Trauer bei Hartwigs Frau, seinen beiden Töchtern und Enkelkindern. Sein Vermächtnis kommt den Landkreisbürgern noch heute zugute: eine vorbildliche Müllentsorgung zu fairen Gebühren – und das ganz ohne Verbrennungsanlage vor ihrer Haustür.

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