Abgeriegelt in Corona-Zeiten: Die Schaftlacher Eisratzn konnten das Potenzial ihrer neuen Halle an der Kreisstraße zwischen Schaftlach und Piesenkam noch nicht im vollen Umfang ausschöpfen.
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Abgeriegelt in Corona-Zeiten: Die Schaftlacher Eisratzn konnten das Potenzial ihrer neuen Halle an der Kreisstraße zwischen Schaftlach und Piesenkam noch nicht im vollen Umfang ausschöpfen.

Nach drohender Insolvenz

Trotz Corona-Flaute im Neubau: Eisratzn Schaftlach im Aufwind

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
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Als die Halle der Schaftlacher Eisratzn nach vielen Turbulenzen endlich eröffnet hatte, kam Corona. Der Verein stottert derweil seinen Kredit bei der Gemeinde Waakirchen ab.

Schaftlach – „Wir hatten ein sehr gutes Corona-Konzept“, stellt Rudi Reber zufrieden fest. Bis im November der zweite Lockdown kam, wurde in der Stockschützen-Halle der Schaftlacher Eisratzn fleißig trainiert. „Es sind ja immer kleine Gruppen“, erklärt Reber. Und nachdem die Halle zu allen Seiten geöffnet werden kann, spielen die Sportler im Freien. Durch die Spielgebühr kam so viel zusammen, dass die Eisratzn dieser Tage 6000 Euro an die Gemeinde Waakirchen zahlen werden. Es ist die erste Rate für den Kredit, den die Kommune dem Verein im Frühjahr 2019 gewährt hat. Trotzdem, sagt Reber, sei der Verein noch im Plus: „Darauf sind wir schon stolz.“

Der ABV-Gemeinderat Reber gehört dem Vorstand der Schaftlacher Eisratzn offiziell als Zweiter Schriftführer an. Tatsächlich hat er als Notfallmanager viele Brände gelöscht, als das Hallenprojekt im Feuer stand. Wie berichtet, rettete die Gemeinde den Verein mit einem Kredit über 104 000 Euro vor der Insolvenz und ermöglichte damit die Fertigstellung des Neubaus. Vorher war viel schief gelaufen, sowohl bei der Planung als auch beim Bau und der Finanzierung von Halle und Vereinsheim.

Inzwischen stehe der Verein gut da, freut sich Reber. Die Zahl der Mitglieder sei gestiegen, der Rückhalt groß. Sein besonderer Dank gelte Stefan Quercher, der den Stockschützen-Nachwuchs in der Halle trainiert. Das Netzwerk des erfolgreichen Sportlers verschaffte der neuen Halle viel Zulauf. Zwar konnten im Corona-Jahr keine Wettkämpfe stattfinden, aber zum Training reisten Stockschützen von weither an. Auch Sportler mit Handicap sind regelmäßige Trainingsgäste.

Doch das volle Potenzial konnte die Halle noch nicht entfalten. Ideen, die Halle zum Beispiel für Flohmärkte zu nutzen, mussten wegen der Pandemie allerdings in die Zukunft verschoben werden. Nicht realisieren ließ sich auch der Plan, an Heiligabend einen Gottesdienst in der Halle abzuhalten. „Wir hätten 160 Menschen unterbringen können“, berichtet Reber. Doch angesichts der steigenden Infektionszahlen entschieden sich die Kirchenvertreter gegen eine Messe unterm Hallendach. „Aber wir sind Gewehr bei Fuß gestanden“, versichert Reber. In Corona-Zeiten müsse man sich etwas einfallen lassen.

Aktuell liebäugeln die Eisratzn mit einem Eisplatz

Aktuell denken die Eisratzn daran, südlich der Halle einen Eisplatz anzulegen. „Es soll ja kalt bleiben“, sagt Reber. Er selbst wird mit Helfern den Part des Vorsitzenden Richard Hacklinger übernehmen und mit dem Schlauch Wasser aufs eiskalte Pflaster spritzen, bis Schicht um Schicht eine ordentliche Eisfläche geschaffen ist. „Das dauert eine Woche“, weiß Reber, der sich hat instruieren lassen. Der Vorsitzende ist nach einer Schulteroperation vorläufig außer Gefecht.

Wie die Eisfläche genutzt werden kann, hängt davon ab, was die Corona-Vorgaben hergeben. Denkbar wäre, dass immer Mitglieder von zwei Haushalten gleichzeitig aufs Eis dürften. „Dann muss man sich anmelden und in eine Liste eintragen“, meint Reber. Wie die Regelung im Detail aussehen wird, entscheidet der Verein kurzfristig nach den dann geltenden Vorgaben. Wenn irgend möglich, betont Reber, wolle der Verein heuer für Spaß auf dem Eis sorgen.

Es wäre das erste Mal seit dem Beginn des Hallenneubaus. Das Gebäude steht just an der Stelle, wo vor 2018 im Winter blankes Eis lockte. Auch im vergangenen Jahr hätte der Verein Schlittschuhläufern gern wieder eine passende Unterlage verschafft. „Aber da war’s zu warm“, erinnert sich Reber.

2021, hofft Reber, werden vielleicht Wettkämpfe und Veranstaltungen in der Halle möglich sein. Er habe jedenfalls keinen Zweifel daran, dass der Verein den von der Gemeinde gewährten Kredit wie vereinbart abstottern kann. Pro Jahr sind 6000 Euro angesetzt. Nach einem Jahrzehnt bleiben demnach noch 44 000 Euro Schulden. Zum Glück, so Reber, erhalte der Verein auch Spenden: „Wir bekommen viel Unterstützung.“

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