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Mit Strümpfen, Krawatte und grünem Gilet rücken die Waakirchner Trachtler aus – wie hier der Trommlerzug beim jüngsten Gaufest in Otterfing. Dieser Optik werden sich nach der Fusion auch die Bodenschneidler aus Hauserdörfl anpassen

Schmid von Kochel und Bodenschneid Hauserdörfl

Revolutionär: Zwei Trachtenvereine fusionieren

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Waakirchen – Trachtler kämpfen stolz um den Erhalt ihrer Vereine. Doch manchmal geht's alleine einfach nicht mehr: In Waakirchen proben zwei Trachtenvereine das Unfassbare: Eine Fusion.

Die beiden Trachtenvereine Schmied von Kochel und Bodenschneid trauen sich: Sie stellen die eigenen Geschichten hinten an und planen einen neuen, gemeinsamen Verein – und das kurz vor dem jeweils 100-jährigen Bestehen. „Seit 15 Jahren reden wir schon von einer Fusion und rücken bei Gaufesten und anderen Gelegenheiten gemeinsam aus. Vorne die Waakirchner, dahinter die Hauserdörfler“, sagt Roland Kostkan (41), der seit sieben Jahren an der Spitze des Gebirgs-Trachten-Erhaltungs-Vereins Schmied von Kochel steht. 

Jetzt sei die Zeit reif, die Partnerschaft offiziell zu besiegeln. Der Fahrplan zur Fusion steht und war jetzt bei der Hauptversammlung erneut Thema: Bei einer außerordentlichen Versammlung im Herbst sollen die beiden Vereine verschmolzen und ein Übergangsvorstand gebildet werden. Im Februar 2017 ist die erste Hauptversammlung des neuen Vereins mit der Neuwahl der Führungsspitze geplant. „Das meiste ist geschafft“, sagt Kostkan. 

Es war kein leichter Prozess für die Vereine: 2015 stimmten die 380 Mitglieder der Waakirchner erstmals ab. „Drei Viertel waren für die Fusion, laut Satzung ausreichend“, berichtet Kostkan. Bei den Hauserdörflern war die Sache eindeutig: „Bei uns haben alle dafür gestimmt“, berichtet Hans Willberger (53), der seit 2006 Vorsitzender des 1920 gegründeten und 200 Mitglieder starken Heimat- und Volkstrachtenvereins Bodenschneid Hauserdörfl ist. 

Warum eine Fusion, wo sich doch gerade Trachtler den Erhalt ihrer Traditionen und individuellen Trachten auf die Fahnen geschrieben haben? „Es ist der richtige Schritt für die Zukunft“, argumentiert Kostkan. „Wir haben mit 45 Kindern eine starke Jugendabteilung, sind wesentlich aktiver.“ Die Hauserdörfler hingegen können ein eigenes Trachtenheim aufweisen und ein gesundes Finanzpolster. Deren Altersdurchschnitt ist allerdings höher. 

Die gemeinsame Organisation des Gaufestes, das 2019, zum 100. Geburtstag des Vereins Schmied von Kochel, in Waakirchen stattfinden soll, ist für Kostkan ein wichtiger Grund. „Wenn wir dann als ein Verein gemeinsam marschieren, dann macht das schon was her.“ Die neue Satzung steht schon, und auch die Frage nach der künftigen Tracht ist geklärt. 

Anpassen müssen sich die Bodenschneidler. Ihre Loferl werden durch Strümpfe ersetzt, wie sie die Waakirchner schon bisher tragen. Männer müssen sich eine Krawatte anschaffen, ein Gilet in Grün haben viele schon. Beim Hutschmuck setzen sich die Bodenschneidler durch: Künftig ziert eine Spielhahnfeder die Kopfbedeckung der Männer, die Waakirchner müssen sich von ihrer Mäusebussardfeder verabschieden. Bei den Frauen ist alles einfacher: Schalk bleibt Schalk, und bei den Spenzern und Kitteln der Miederdirndl dominiert die Farbe Grün der Waakirchner. 

Auf den neuen Namen haben sich die Vereine auch schon geeinigt: Schmied von Kochel Bodenschneid Waakirchen Hauserdörfl. „Das wird umgangssprachlich auf Trachtenverein Waakirchen hinauslaufen“, ist sich Kostkan sicher. Dass der „Schmied von Kochel“ erhalten bleibt, war ihm wichtig. Schließlich soll dieser Held der Sendlinger Mordweihnacht von 1705 der Legende nach aus Waakirchen stammen. 

Eine Fusion zweier Trachtenvereine, selbst für Hans Schwaiger, den Vorsitzenden im Oberlandler Gauverband mit derzeit noch 49 Vereinen, ist das eine Seltenheit: „Ich bin jetzt seit 30 Jahren dabei, aber an eine Fusion kann ich mich nicht erinnern.“ Die letzte wurde 1933 abgewickelt: Im Dritten Reich wurden Schaftlach und Piesenkam zur Fusion gezwungen – damals gewaltsam.

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