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Die frühere Mitarbeiterin der Kreissparkassen-Filiale in Waakirchen ist zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Sparkassen-Kunden um 130.000 Euro geprellt

Urteil im Untreue-Prozess: Ex-Bankangestellte muss ins Gefängnis

Das Schöffengericht hat eine Gmunderin (51) zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die frühere Mitarbeiterin der Sparkasse in Waakirchen Kunden um 130.000 Euro gebracht hat.

Waakirchen – Nach acht Prozesstagen seit Ende Juni ist eine frühere Mitarbeiterin der Waakirchner Kreissparkassenfiliale vom Schöffengericht in Miesbach schuldig gesprochen worden. Mehr als 130 000 Euro soll die Gmunderin (51) mit gefälschten Kundenunterschriften über einen Zeitraum von drei Jahren veruntreut haben. Dafür muss sie nun zweieinhalb Jahre ins Gefängnis.

Spätestens ab 2013 habe sie begonnen, ihre Beschäftigung wie auch ihre allgemeine Beliebtheit auszunutzen, sagte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. Die vier geschädigten Kunden habe sie gezielt ausgewählt: wenig gewandt in Bankgeschäften, drei von ihnen altersbedingt sehr unbeholfen, teils dement, halb erblindet.

Gmunderin soll 130.000 Euro von Sparkassen-Kunden einkassiert haben

Ein Geständnis hat die Gmunderin nicht abgelegt. Sie bestreitet alle Vorwürfe. Ihre Version: Sie habe eine Art Helfersyndrom, habe sich verantwortlich gefühlt für die hilflosen Kunden. „Unglaubwürdig“, urteilte die Staatsanwältin. Auf überprüften Überwachungsvideos ist die 51-Jährige mehrmals beim Abheben von Geld zu sehen, das nachweislich von den fraglichen Konten stammte. Für Gutschriften zu ihren Gunsten in sechsstelliger Höhe konnte sie keine plausible Erklärung geben. An eine angebliche Erbschaft, die den plötzlichen Wohlstand gänzlich erklären sollte, wollte die Staatsanwältin nicht glauben. „Ein Geständnis wäre sicher hilfreich, ist aber bei den umfangreichen Indizien nicht zwingend notwendig“, sagte sie. Der klassische Griff in die Kasse sei hier „gewerbemäßig“ betrieben worden. Die zum Nachteil der Angeklagten gereichenden Punkte überwogen klar: eine Vielzahl von Delikten über einen langen Zeitraum, die hohe Schadenssumme, keine Wiedergutmachung und Entschuldigung, keine erkennbare Einsicht in begangenes Unrecht. Dreieinhalb Jahre, lautete daher die Forderung, über Bewährung könne man da nicht mehr diskutieren.

Verteidiger zweifeln an Beweisen und Zeugen

In einem weit ausgreifenden, knapp zweistündigen Plädoyer machten die beiden Verteidiger Michael Barleben und Isabella Komm auch sparkasseninterne Versäumnisse verantwortlich. „Man hat wohl in vielem nicht aufgepasst“, meinte Barleben. 

Die Rechtsanwälte forderten Freispruch mangels echter Beweise und angesichts teils schwacher Indizien. Sie hatten im vorangegangenen Verfahren Beweise und Zeugen in Zweifel gezogen und einen Befangenheitsantrag gegen Richter Walter Leitner gestellt, der jedoch nicht verfing. 

Schöffengericht sieht Schuld der Ex-Bankangestellten als erwiesen an

Richter Leitner verkündete die Entscheidung des Schöffengerichts. Es sieht 249 Fälle von Untreue in Tateinheit mit Urkundenfälschung als erwiesen an. Neben zweieinhalb Jahren Freiheitsstrafe wurde eine Einziehung von knapp 123 000 Euro zur Wiedergutmachung angesetzt. „Dass sie kein Geständnis abgelegt hat, ist zwar bedauerlich, aber auch wieder verständlich, da ihr Mann und ehemalige Kollegen im Zuhörerraum sitzen“, meinte der Richter.

Ob sie Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen, dazu äußerten sich die 51-Jährige und ihre Anwälte nicht.

Stefan Gernböck

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