Verhandlung gegen Waakirchner (33)

Blutiger Familienstreit endet vor Gericht

Blut, Scherben, Verletzte: Was in der Wohnung in Waakirchen passiert ist, wissen nur die Beteiligten selbst. Doch der Angeklagte (33) und die Zeugen verweigerten vor Gericht die Aussage. Fest steht: Da wurde heftig gestritten.

Waakirchen – Blutspritzer kleben an der Wand, überall liegt zerbrochenes Geschirr. Verletzte gibt es auch. Es sind Szenen, die sich in einer Juli-Nacht im vergangenen Jahr in einer Wohnung in Waakirchen abgespielt haben. Grund für das Schlachtfeld war offenbar ein Streit zwischen einem 33-Jährigen, der in der Wohnung lebt, und dessen Vater. Ersterer fand sich nun wegen des Vorfalls auf der Anklagebank des Miesbacher Amtsgerichts wieder. Die Staatsanwaltschaft legte ihm gefährlicher Körperverletzung zur Last, am Ende wurde er jedoch freigesprochen.

Amtsrichter Walter Leitner und die Staatsanwaltschaft fanden nur den Angeklagten samt seinem Verteidiger Frank Zahnert zur Verhandlung vor. Vom Vater des Beschuldigten keine Spur. Auch der Bruder des 33-Jährigen, Zeuge der Auseinandersetzung, erschien nicht. Beide machten von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch, das sie als nahe Angehörige haben. Was sich in der Juli-Nacht also genau abgespielt hat, ist weiter unklar. Auch der Angeklagte sagte nicht aus. Weitere Zeugen gibt es nicht.

Fest steht jedoch, dass der Waakirchner in seinen Geburtstag hineinfeierte und betrunken war. Sein Vater holte ihn vom Bahnhof in Schaftlach ab. Auf der Fahrt zur Wohnung soll es zu einem verbalen Schlagabtausch gekommen sein. Der Angeklagte soll hierbei sogar aus dem fahrenden Auto gesprungen sein. Bestätigt werden konnte das vor Gericht nicht.

In der Wohnung angekommen, eskalierte der Streit offenbar. Der 33-Jährige soll sich mehrere Teller und Gläser geschnappt, sie in Richtung seines Vaters geworfen und auch getroffen haben. Davon jedenfalls ging die Anklage aus. Der Vater trug Schnittverletzungen im Gesicht und am Arm davon. Auch der 33-Jährige selbst erlitt Blessuren. Woher die kamen, konnte das Gericht nicht herausfinden. In einem Brief erklärte der Vater zumindest, dass er den Notruf abgesetzt habe. Allerdings nur, weil sein Sohn Diabetes habe und er ihm helfen wollte, nicht aber wegen des heftigen Disputs.

Die Symptome bei der Zuckerkrankheit sind vielfältig und reichen von Konzentrationsstörungen bis hin zu äußerst aggressivem Verhalten. Das zeigte auch der Waakirchner in der Tatnacht und spritzte sich anschließend „eine unkontrollierte Menge Insulin“, wie eine Beamtin der Polizei Bad Wiessee vor Gericht aussagte. Zudem erinnerte sie sich, dass im Juli gleich vier Streifen zur Wohnung des Angeklagten gefahren waren. „Er war uns eben schon bekannt“, meinte die Polizistin über den Angeklagten. Sie ergänzte: „Als wir dort eintrafen, fanden wir einen völlig verwirrten Mann vor, der die Lage nicht mehr einschätzen konnte.“

Den Sachverhalt aufklären konnte die Beamtin jedoch auch nicht, „da sich alles schon wieder beruhigt hatte, als wir angekommen sind“. So blieb der Staatsanwältin nichts anderes übrig, als auf Freispruch für den Waakirchner zu plädieren. „Es ist auch überhaupt nicht klar, wer der Aggressor dieses Streits war“, begründete sie ihre Entscheidung. Rechtsanwalt Zahnert schloss sich dem an.

Auch Amtsrichter Leitner waren die Beweise zum Tathergang für eine Verurteilung nicht klar genug. „Wenn die Zeugen nicht aussagen und kein Geständnis vom Angeklagten kommt, haben wir kein vernünftiges Beweismaterial“, sagte er. „Somit bleibt am Ende nur ein Freispruch.“

hph

Rubriklistenbild: © dpa

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