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Verkehr: Demo am Löwendenkmal geplant

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Von: Gerti Reichl

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Das Thema Verkehr bewegt die Waakirchner. © Thomas Plettenberg/Archiv

Waakirchen - Der zunehmende Verkehr stinkt den Waakirchnern gewaltig. Jetzt wird auch die Aktive Bürgervereinigung (ABV) tätig. Sie lud zu einem Infoabend, bei dem lang diskutiert wurde.

Es wurde spät am Donnerstag im Pfarrheim. Erst kurz vor Mitternacht gingen die letzten Besucher, darunter Bürgermeister Sepp Hartl und einige Gemeinderäte, nach Hause. Rudi Reber, ABV-Sprecher, Dritter Bürgermeister und Initiator des Abends, hatte zusammen mit Moderator Michael Mohrenweiser, Christian Klein und Michael Bichler über mehrere Stunden mit vielen Infos, Fakten und Vorschlägen klargemacht: Die Gemeinde alleine kann Lösungen nicht durchsetzen, sie braucht die Bürger. „Steht Ihr hinter uns?“, fragte Reber immer wieder in den Saal. Am Ende zeigte sich: Im Prinzip schon, doch ist den meisten eben noch nicht klar, hinter was sie genau stehen sollen und wie die optimale Lösung aussehen könnte.

Das ist Fakt: Heuer wird in Berlin entschieden, ob eine Ortsumfahrung von Waakirchen im Bundesverkehrswegeplan in die Kategorie „vordringlicher Bedarf“ hochgestuft wird. Das Staatliche Bauamt Rosenheim hat dies zusammen mit der Gemeinde beantragt. „Wenn das alles ist, was Ihr unternommen habt, dann ist das ein bisserl wenig“, stichelte Gerhard Voit von der Bürgerinitiative in Richtung Gemeinde.

Damit das Thema Verkehr wieder Fahrt aufnimmt, wollte die ABV an diesem Abend neben bekannten Zahlen zur Blechlawine mit 10.000 Pkw und 700 Lkw täglich durch Waakirchen sowie 9000 Pkw und 200 Lkw durch Hauserdörfl und der prognostizierten, 40-prozentigen Zunahme des Güterverkehrs bis 2030 auch kurz- und längerfristige Lösungen diskutieren. Etwa den Einbau von ausreichend breiten Überquerungshilfen, die Entlastung des Bahnhofs Schaftlach durch einen Shuttle-Bus für Pendler, eine zusätzliche BOB-Haltestelle im Gewerbegebiet, den Ausbau und die bessere Beschilderung des Geh- und Radwegenetzes oder die Installation von Blitzerkästen, um die Raser zu bremsen.

Doch über allem steht eine Ortsumfahrung von Waakirchen. Reber schwebt dafür der Bau von Grünbrücken vor, um die Anlieger vom Lärm zu schonen. Dafür wäre freilich ein „signifikantes Budget“ in Millionenhöhe nötig, doch könne es nicht sein, „dass östlich des Landkreises 1,6 Milliarden Euro verplant, westlich des Landkreises knapp 500 Millionen Euro in Umfahrungen und Tunnels investiert und der Landkreis selbst in den vergangenen 20 Jahren mit 20 Millionen Euro abgespeist wurde. Wir werden doch verarscht!“ sagte Reber. „Jetzt reicht’s.“

Doch welche Umgehungsstraße wäre die richtige? Hans Hagleitner, Architekt und Städteplaner, hält eine „Insellösung“ für Waakirchen nicht für sinnvoll: „Eine ortsnahe Straße für sieben Millionen Euro, die wieder vor unseren Gärten liegt und Waakirchen in die Zange nimmt, wollen wir das?“ Viele Besucher klatschten. Hagleitner hält eine Umfahrung von Holzkirchen Richtung Bad Tölz für sinnvoller, dann wäre auch Waakirchen ein wenig entlastet. Rudi Reber hatte zuvor eine Trasse zwischen der B 318 bei Reitham, südlich vorbei an Piesenkam und weiter zur B 13 nach Sachsenkam als Alternative zur schwierigen Südumgehungs-Diskussion von Holzkirchen erneut ins Gespräch gebracht. Diese Variante erscheint sinnvoll, um angesichts der möglichen Trassenführung über die vorhandene Warngauer Straße den bayernweiten Landverbrauch von 20 Hektar täglich einzudämmen.

Rebers wiederholtem Appell „Wir brauchen Euch“ wollte zumindest Hagleitner an diesem Abend nicht folgen: „Wenn Ihr Unterstützung wollt, müsst Ihr Klartext reden und konkrete Lösungsvorschläge aufzeigen.“ Viele Besucher im Saal teilen an diesem Abend wohl insgeheim diese ehrliche Aussage. Einige melden sich dann doch, als Reber zu einer Demo am Löwen aufruft. „Wir sollten Farbe bekennen“, sagt Reber. Die Kundgebung soll in den nächsten Wochen stattfinden.

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