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In Waakirchen trafen sich Vertreter verkehrsbelasteter Gemeinden zu einem Runden Tisch.

Tölzer, Holzkirchner & Waakirchner trafen sich

Runder Tisch diskutierte über Verkehrsbelastung

Waakirchen - Die B 472 ist die wichtigste Ost-West-Achse im Süden Münchens. Waakirchen liegt mittendrin und erstickt im Verkehr. Ein Runder Tisch sollte jetzt Lösungen bringen.

Die zündende Idee, das war allen Gesprächsteilnehmern im Vereinsheim des SV Waakirchen von Beginn an klar, würde es an diesem Montagabend vermutlich nicht geben. Immerhin schaffte es Bürgermeister Sepp Hartl (FWG) mit der von der Aktiven Bürgervereinigung initiierten Veranstaltungen, Vertreter weiterer belasteter Gemeinden an einen Tisch zu holen.

Eine hochkarätig besetzte Runde saß zusammen: Bürgermeister, die Chefs der Staatlichen Bauämter Rosenheim und Weilheim, Claus-Peter Olk und Michael Kordon, Landtagsabgeordneter Florian Streibl (FW), CSU-Bundestagsabgeordneter Alexander Radwan schickte seinen Mitarbeiter Johannes Loth. Zur Hälfte war das Vereinsheim aber in Holzkirchner Hand. In der Marktgemeinde suchen Gegner von Umfahrungsmodellen und Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) derzeit nach Lösungen für den zunehmenden Verkehr.

Der Tölzer Landrat Josef Niedermaier moderierte und räumte ein: „Wir Tölzer sind Teil des Problems.“ Zwar bekomme Bad Tölz demnächst seine Nordumfahrung, doch sei es wichtig, weitere Lösungen für den Ost-West-Verkehr zu finden. „Wir müssen politischen Druck machen in Berlin“, forderte der Landrat.

Zahlen von 2010 belegen: 13.961 Autos wälzen sich täglich über die B 472 durch Waakirchen, darunter 1000 Lkw. Durchwegs Durchgangsverkehr. Für Gerhard Voit, der seit drei Jahren mit einer Bürgerinitiative gegen den Verkehr kämpft, ist das Maß längst voll: „Keiner ist so belastet wie wir. Es muss was passieren!“ Christoph Scholz von „Hartpenning muckt auf“ brachte erstmals eine Trasse zwischen Sachsenkam und der B 318 ins Gespräch. „Damit würden wir uns in der Mitte treffen.“ Auch sei es sinnvoll, die Bahnstrecke für einen Express-Zug von Tölz nach Deisenhofen zu ertüchtigen. „Das bringt die Tölzer Pendler weg.“

Claus-Peter Olk dämpfte die Hoffnungen: „Das wäre keine Entlastung für Waakirchen.“ Und was Holzkirchen betrifft, so argumentierte der Behördenchef: „Je weiter eine Umfahrung weg ist vom Ort, desto weniger bringt sie.“ Balsam für die Gegner der ohnehin gestorbenen Südspange, die in der Bevölkerung allerdings nach wie vor breite Zustimmung findet.

Der Tölzer Landrat überlegte laut, was eine Umfahrung von Holzkirchen überhaupt bringen würde. Bei 4000 Autos weniger täglich, sei der Preis zu hoch. Marktgemeindechef Olaf von Löwis will sich auf keine Seite schlagen und gab sich diplomatisch: „Aus fachlicher Sicht ist bis jetzt keine Zwischenlösung in Sicht.“ Es gebe immer Betroffene, egal wie man plane, „doch bitte“, mahnte von Löwis, „lasst uns sachlich bleiben!“

Der dreistündige, gut strukturierte Abend blieb überwiegend sachlich, auch wenn der streitbare SDPler Hans Pawlovsky mit düsteren Prognosen zu fehlenden Bundesgeldern versuchte, Hoffnungen zu zerstören. Fast bekam die Holzkirchner Problematik Übergewicht, doch Michael Konder von der Bürgerinitiative Stop Südumgehung zog ein besonnenes Fazit: „In Waakirchen muss zuerst was geschehen. Dann müssen wir über andere Wege in Holzkirchen nachdenken. Findet Ihr das doof?“, fragte er in die Runde. „Klingt interessant“, meinte zumindest der Tölzer Landrat. Hartl zieht ein Fazit: „Wenn wir miteinander reden, sind wir auf dem besten Weg.“

Konkret wird versucht, dass die Umgehungsstraße im Bundesverkehrswegeplan die höchste Priorität bekommt. Für Landtags-Abgeordneten Florian Streibl sei der Abend „sehr lehrreich gewesen“, auch ohne konkrete Lösungen. Das Oberland sei verkehrsmäßig vernachlässigt worden. Angesichts des weiteren Verkehrsanstiegs um bis zu zehn Prozent bis 2025 forderte Streibl: „Wir müssen jetzt über Lösungen nachdenken, sonst sind wir zu spät dran.“ Dies werde er im Landtag vorbringen.

Von Gerti Reichl

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