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Dichter Verkehr herrscht regelmäßig auf der Ortsdurchfahrt von Waakirchen. Die Schaffung einer Umfahrung hat hier höchste Priorität. Gemeinde und Staatliches Bauamt ringen um eine Lösung. 

Gemeinde sucht nach guten Argumenten

Waakirchner Ortsumfahrung: Ringen um die teure Lösung

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
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Der Bund will Waakirchen eine Südumgehung für 7,67 Millionen Euro spendieren. Doch diese Lösung ist der Gemeinde deutlich zu billig. Sie will die Trasse im Boden versenken.

Waakirchen – Norbert Kerkel erinnert sich an ein sehr freundliches Gespräch im Staatlichen Bauamt Rosenheim. Als neuer Waakirchner Bürgermeister hatte er den Kontakt mit der Behörde gesucht, die realisieren soll, was der Bundesverkehrswegeplan 2030 (BVWP) vorgibt. Im Raum Miesbach hat der Bau einer Südumfahrung von Waakirchen höchste Priorität. 7,67 Millionen Euro sind für eine einfache Umfahrung des Ortes vorgesehen, durch den die stark frequentierte Bundesstraße 472 führt.

Rein rechtlich hat die Gemeinde in dieser Sache wenig zu entscheiden. Doch die Vertreter des Staatlichen Bauamts wollten den Konsens, berichtet Kerkel.

Einigkeit wird allerdings nicht leicht herzustellen sein. Bekanntlich hat der Waakirchner Gemeinderat noch im Dezember, drei Monate vor der Kommunalwahl, die einfache Südumgehung abgelehnt. Gewünscht ist eine Lösung, die Experte Helmuth Ammerl im Auftrag der Gemeinde erarbeitet hat. Die 2,7 Kilometer lange Trasse verläuft teils in Trögen, teils in Tunneln und kostet 83,5 Millionen Euro. Zudem drängt die Gemeinde auf eine Umfahrung von Hauserdörfl, die nicht Sache des Bundes, sondern des Freistaats wäre.

Lesen Sie hier: Verkehrsentlastung von Waakirchen: Klare Empfehlung, keine Entscheidung

Fazit des Gesprächs: Wenn die Gemeinde Waakirchen die teure statt der günstigen Variante will, muss sie dafür eine sehr gute Begründung liefern. Der Gemeinderatsbeschluss allein reiche nicht aus, macht Kerkel deutlich. Die Verwaltung erarbeite derzeit eine umfassende Stellungnahme. Sie soll als Grundlage der weiteren Gespräche zwischen dem Staatlichen Bauamt und dem zuständigen Ministerium dienen. Denn angesichts der gewaltigen Mehrkosten ist die von Ammerl entworfene Trasse nicht vom BVWP abgedeckt. Die nötigen Gelder müssten für eine Realisierung neu bewilligt werden.

Für die Stellungnahme werde sich die Gemeinde die nötige Zeit nehmen und wohl auch noch einen Experten hinzuziehen, meint der Bürgermeister. Einen Schnellschuss hinzulegen, wäre kontraproduktiv.

Mit dem Papier und dem weiteren Vorgehen wird sich dann der neu gegründete Mobilitätsausschuss des Gemeinderats befassen. Dass sich an der grundsätzlichen Haltung – also an der Ablehnung des BVWP-Entwurfs und des Vorzugs für die tiefergelegte Trasse – etwas ändert, glaubt Kerkel nicht. Er erkenne ein klares Stimmungsbild für diesen Kurs.

Zum Thema: Süd-Umgehung Waakirchen: Argumente suchen für die Vorzugstrasse

Ein Thema war bei dem Gespräch auch der Bau eines Ortstunnels. Mindestens 120 Millionen Euro würde es kosten, den Verkehr in einer Röhre unter Waakirchen verlaufen zu lassen. 2017 hatten 3500 Bürger diese Variante mit ihrer Unterschrift gefordert. Bis jetzt hat Kerkel den Tunnel nicht abgeschrieben. Wenn sich bei den Gesprächen zeige, dass eine Alternativtrasse kostenmäßig in die Nähe eines Tunnels komme, könne die Gemeinde noch einmal versuchen, diese Lösung durchzusetzen. Vorerst gelte es, Wünsche und Finanzierbarkeit in Einklang zu bekommen: „Das müssen wir austarieren.“

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jm

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