Gesprächsbedarf unterm Maibaum: Die Einladung zur Diskussion um die Waakirchner Ortsmitte nahmen zahlreiche Interessierte an. foto: andereas leder

Vor-Ort-Termin in Waakirchen

Zwei Stunden rege Ortsmitte-Diskussion

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Es sollte eine Ortsbesichtigung mit Möglichkeit zur Diskussion über das Projekt Waakirchner Ortsmitte werden, und tatsächlich wurde am Samstagvormittag unterm Maibaum reichlich und leidenschaftlich debattiert.

Waakirchen – Rund 50 Bürger sowie Rathauschef Sepp Hartl und einige Gemeinderäte waren gekommen, um angesichts der mit Flatterbändern gekennzeichneten Grundrisse der fünf Häuser, die hier entstehen sollen, über die Zukunft des Areals zwischen Bäckervoitl-Anwesen, Pfarrhaus und Kreissparkasse zu sprechen. Abgestimmt wird bekanntlich am 7. Juli durch einen Bürgerentscheid.

Noch bevor der Waakirchner Architekt Hans Hagleitner mit seiner Führung über die circa 2000 Quadratmeter große Wiese beginnen konnte, verwickelte ihn ein Bürger, hierhin und dorthin zeigend, in eine Diskussion über die Einfahrt der geplanten Tiefgarage (70 Plätze). Daniel Schreyer, Projektleiter des von der Gemeinde für die Informationsreihe beauftragten Münchner Kommunikationsunternehmens Hendricks & Schwartz, schritt ein.

Auch wenn sich der eine oder andere Teilnehmer wünschte, die Wiese als Grünfläche mit Obstbäumen zu belassen, wurde klar, dass das in Anbetracht des Mangels an bezahlbarem Wohnraum keine Option ist. „Normalerweise stünden hier Einfamilienhäuser mit Hecken drumrum, und Waakirchen wäre ein Ort ohne Zentrum“, meinte Hagleitner im Hinblick auf seit den 1970er-Jahren bestehende Wohnbaupläne. Der Architekt will ein staatliches Wohnbauförderprogramm nutzen, das es der Gemeinde ermöglicht, die Häuser für Familien und Senioren, Gewerbe und Gastronomie über 30 Jahre günstig zu finanzieren. Es sei eine Chance, die Gemeinde zu entwickeln, hieß es.

Dann schritt man das Gelände ab. Hier war trotz Flatterbänder die Vorstellungskraft der Bürger gefragt, weil das Areal am Hang liegt und das Plateau abgesetzt werden soll. Heißt: Im unteren Bereich (an der Lindenschmitstraße) soll es um zwei Meter angehoben, oben 1,80 Meter abgetragen werden. Das passe zum Terrassencharakter, des Orts. „Schaugerüste hätten die Größenverhältnisse und Höhen verfälscht wiedergegeben können, weil das Ausgangsniveau jetzt ein anderes ist“, erklärte Hagleitner auf entsprechende Anfrage.

Um das Abstecken gab es vorab Ärger. Lesen Sie hier: Ortsmitte: Flatterbänder statt Schaugerüst 

Auch die Abstände zwischen den Häusern und deren Ausrichtung warfen Fragen auf. Hagleitner präsentierte dazu Pläne, auf denen die Waakirchner Ortsmitte und der Miesbacher Marktplatz beziehungsweise der untere Teil der Tölzer Marktstraße übereinandergelegt waren und die zeigen sollten, dass der Platz so locker gestaltet würde wie diese beiden Zentren. Die Abstände zwischen den Häusern würden zwischen sieben und 7,5 Meter betragen und seien so angeordnet, dass man einen ungehinderten Blick nach Westen bis zum Peißenberg habe. Die engste Stelle des Platzes messe 23,5 Meter. „Mir liegt wirklich nichts ferner, als unseren Ort zu verschandeln“, beteuerte der Architekt. Der Verlust von neun der alten Obstbäume werde durch 19 Neupflanzungen mehr als ausgeglichen.

Gefragt wurde auch, wer denn die Wohnungen bekomme. Plötzlich standen zig Fragen zum Vergabeverfahren im Raum. Hagleitner riet, den Bedarf beizeiten an die Gemeinde zu melden, damit er die Wohnungsgrößen besser planen könne. Im Nu bildeten sich die unterschiedlichsten Diskussionsgruppen.

Lesen Sie hierzu auch: Waakirchner Ortsmitte: Gemeinde will mit Modell und Plänen überzeugen

Sabine Dorner bestand indes auf eine ansprechende und kindgerechte Gestaltung: „Es darf keinesfalls so hässlich wie der Erhardt-Platz in Gmund.“ Barbara Wimmer forderte einen Dorfsaal für Vereine, Veranstaltungen und Hochzeiten – vielleicht auf der Tenne des gemeindeeigenen Bäckervoitl-Anwesens. Hartl hielt dagegen, dass viele Vereine eigene Heime hätten und dass die laufenden Kosten für einen Dorfsaal immens seien. Hagleitner lenkte ein, dass ein Saal mit Parkplätzen später direkt neben der Dorfmitte auf dem unbebauten Grundstück an der Tölzer Straße vor der Sparkasse besser platziert sei. Eine Idee, die Hartl gefiel.

Nach zwei Stunden heißer Diskussion dankten Hartl, Hagleitner und Schreyer für das Interesse und die vielen Anregungen.

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