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Haben fleißig geplant: (v.l.) Verwaltungsräte Norbert Kerkel, Andreas Hagleitner, Hermann Mair und Bürgermeister Josef Hartl.

Spätere Umrüstung dadurch einfacher

Asyl-Häuser werden Flüchtlings-Sitten angepasst

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Waakirchen - Das neue Waakirchner Kommunalunternehmen hat die Pläne für zwei Häuser mit insgesamt acht Wohnungen in Schaftlach fertig, die Ausschreibung läuft. Schon im Herbst sollen dort Asylbewerber einziehen.

Im Eiltempo hat das neue Kommunalunternehmen (KU) Wohnungsbaugesellschaft Waakirchen einen Hausbau in Schaftlach auf den Weg gebracht, der zwei Zwecken dient: Erst sollen hier Asylbewerber leben, dann stehen die Wohnungen Einheimischen mit kleinem Geldbeutel zur Verfügung. Um das auf den Weg zu bringen, haben Verwaltungsrats-Chef Andreas Hagleitner und sein Team viel unbezahlte Arbeit in das Projekt gesetzt. „Wir machen das jetzt für dieses Objekt kostenlos“, erklärt FWG-Gemeinderat Hagleitner. 

Wie berichtet, hatte die FWG die Gründung des KU im Gemeinderat gegen den Willen der CSU mit der Zusicherung durchgesetzt, dass der Gemeinde keine Kosten entstehen. Das Objekt, um das es geht, ist im Ort schwer umstritten. Neubau-Wohnungen für Asylbewerber, während Einheimische mit Altbauten vorlieb nehmen müssen? Das schmeckt vielen nicht. 

Doch tatsächlich liegen die Dinge anders, macht Hagleitner deutlich. Acht 50-Quadratmeter-Wohnungen zu errichten, rollstuhlgerecht und für Senioren bestens geeignet, das könne sich die Gemeinde nur leisten, weil das KU zunächst für Asylbewerber baue. Die Baukosten werden über die Miete finanziert, die der Freistaat zahlt. Der entsprechende Vertrag gilt zehn Jahre. So lange ist die Miete garantiert, und so lange leben Asylbewerber in den Häusern. Wenn das KU als 100-prozentige Tochter der Gemeinde Waakirchen die Wohnungen nach einem Jahrzehnt an Einheimische vergibt, ist nur noch der Restwert der Häuser aufzubringen.

Nach der derzeitigen Kalkulation dürfte der Quadratmeterpreis der Wohnungen bei sieben Euro liegen. Über die Belegung entscheidet die Gemeinde, eine Sozialbindung besteht nicht. Erster Spatenstich könnte im April sein, Einzug frühestens im Oktober. Ob der sportliche Zeitplan eingehalten werden kann, hängt vom Ergebnis der Ausschreibung ab, die am Montag begonnen hat. Infos gibt’s im Internet auf www.wbw-ku.de. Die Unterlagen können auch im Rathaus abgeholt oder bei Verwaltungsrat Norbert Kerkel unter norbert-kerkel@wbw-ku.de angefordert werden. 

Wie hoch die Kosten sein werden, steht erst nach der Ausschreibung fest. Über den Bauantrag hat dann der Gemeinderat zu entscheiden. Vor dem Start erfolgt auch noch eine Wirtschaftlichkeitsberechnung. Das Geld für den Bau holt sich das KU von der Bank. „Die Zinslage ist ja günstig“, meint SPD-Gemeinderat Hermann Mair, der sich im Verwaltungsrat ums Finanzielle kümmert.

In den beiden Häusern werden etwa 32 Asylbewerber wohnen. Die Aufteilung in kleine Einheiten veranlasse die Bewohner erfahrungsgemäß, ihre Domizile pfleglich zu behandeln, meint Hagleitner. Um den Sitten der Geflüchteten Rechnung zu tragen, werden die Wohnungen auch mit südländischen Stehtoiletten ausgestattet. Sie lassen sich später ohne viel Aufwand zu Toiletten für Rollstuhlfahrer umrüsten.

In Waakirchen ist vorerst kein Hausbau geplant. Dort leben aktuell etwa 30 Asylbewerber im Untergeschoss der Turnhalle. Zudem sind in Waakirchen und neuerdings auch in Marienstein je acht Flüchtlinge in Privathäusern untergebracht. Der Raum in der Halle solle nach Möglichkeit geräumt werden, meint Bürgermeister Sepp Hartl (FWG), der ebenfalls dem Verwaltungsrat angehört. Den Vorsitz, der eigentlich dem Rathauschef zukommt, hat er wegen eigener Arbeitsüberlastung an Hagleitner abgetreten. Vom Ergebnis des bisher Geleisteten ist er begeistert: „Das hätten wir in der Verwaltung in dieser Zeit nie schaffen können.“ 

Das KU kümmert sich im Übrigen ausschließlich um das Schaftlacher Hausprojekt. Um die bestehenden Gemeindewohnungen – etwa 70 in Marienstein und Waakirchen – kümmert sich die Rathausverwaltung weiterhin selbst. Zu tun hat sie damit eine Menge: Die meisten der Wohnungen sind sanierungsbedürftig – aber sehr günstig.

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