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Am Brunnenweg hat die Firma Biolink ihren Sitz. 2020 will sie nach Bad Tölz umziehen. Daran hält sie trotz der Erweiterung des Gewerbegebiets fest. 

Biolink-Umzug erst 2020

Bürger kämpfen weiter um Schutzgebiet

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Waakirchen - Um die Firma Biolink zu halten, hat Waakirchen ihr viel Raum verschafft. Biolink geht trotzdem. Bürger-Kritik an der Herausnahme aus dem Schutzgebiet schmetterte der Gemeinderat ab.

Auslöser war der Wunsch der Firma Biolink, Produzent von lösemittelfreien Klebebändern, ihren Standort am Brunnenweg in Waakirchen zu erweitern. Um das Unternehmen zu halten, kämpfte Bürgermeister Sepp Hartl (FWG) erfolgreich für die Herausnahme einer fünf Hektar großen Fläche aus dem Landschaftsschutzgebiet. Wenig später winkte Biolink ab und verkündete seinen Umzug nach Bad Tölz. Die Gemeinde Waakirchen will das Gewerbegebiet am Brunnenweg trotzdem wie geplant vergrößern. Rund 200 Bürger hatten daran Kritik geäußert. Erfolglos. Jetzt gab es erneut Einwände, die den Gemeinderat beschäftigten.

Als „städtebaulich nicht erforderlich“ bezeichneten sechs Anlieger die Erweiterung des Industriegebiets. Im Rahmen der öffentlichen Auslegung des Flächennutzungsplans und des Bebauungsplans ließen die Nachbarn durch einen Rechtsvertreter die Kritikpunkte auflisten. Die Aussage, eine Erweiterung sei überflüssig, ließ der Gemeinderat jedoch nicht gelten. Waakirchen brauche für seine Entwicklung Gewerbeflächen.

„In Krottenthal ist nur noch eine Fläche übrig, in Marienstein sind es nur noch Reserven“, sagte Gemeinde-Geschäftsleiter Franz Schweiger im Gemeinderat. Ebenfalls zurückgewiesen wurde der Einwand, die Planung verstoße gegen die landschaftliche Einbindung und das Anbindegebot an eine vorhandene Bebauung. Zudem wollen die Anlieger den angestrebten Bahnhaltepunkt nicht haben. „Die Möglichkeit, bei Bedarf den öffentlichen Personenverkehr zu stärken, soll aber erhalten bleiben“, erklärte Schweiger.

Die Gemeinde muss den Flächennutzungsplan nun erneut auslegen. Schweiger: „Es sollen Zweifel an der Lage und Ausdehnung des Plangebiets ausgeräumt werden.“ Der Gemeinderat stimmte dafür. Da sich viele der vorgebrachten Einwände gegen den Entwurf des Bebauungsplans richteten, sah die Gemeinde noch Prüfungsbedarf und vertagte das Thema Bebauungsplan.

Unterdessen scheint keine Hoffnung zu bestehen, dass Biolink die Umzugspläne wieder fallen lässt. „Biolink hält am Standort Bad Tölz fest“, erklärt Geschäftsführer Peter Gämmerler auf Nachfrage. Allerdings ist von einem Umzug im Jahr 2018 nun nicht mehr die Rede. Der Standortwechsel sei für Anfang 2020 geplant, meint Gämmerler. Dies entspreche dem Ende des derzeitigen Mietvertrags in Waakirchen. Das Gebäude hatte vor dem Einzug von Biolink übrigens die Firma Sitec genutzt. Sitec wiederum siedelte 2009 nach Bad Tölz um. Gleich daneben will nun auch Biolink bauen.

Für die derzeit knapp 80 Mitarbeiter von Biolink stelle der Umzug ins acht Kilometer entfernte Bad Tölz kein Problem dar, versichert Gämmerler. Das Wohl der Mitarbeiter hatte der Biolink-Chef zuvor sogar als Grund für den Standortwechsel genannt. Vor allem für jüngere Mitarbeiter sei die Stadt einfach attraktiver. Zur „Realisierung des Unternehmenswachstums“ nutze Biolink zwischenzeitlich bereits eine Produktions- und Lagerhalle der Planatol-Firmengruppe in Holzkirchen, erklärt Gämmerler: „Ergänzend.“

Unterdessen ist aus dem Waakirchner Rathaus zu hören, es gebe interessierte Firmen, die sich im Gewerbegebiet ansiedeln wollen. Konkretes ist nicht bekannt. Dass Biolink seine Umzugspläne auf 2020 verschoben hat, war Erwin Welzmiller (CSU) neu. Er vertritt derzeit Bürgermeister Hartl. Es sei zu überlegen, ob die Gemeinde nicht noch einmal das Gespräch mit Biolink suchen sollte, meint Welzmiller. Der Weggang des Betriebs schmerze die Gemeinde sehr. Die Abwanderungspläne seien der Gemeinde nicht bekannt gewesen, als sie den Antrag auf Herausnahme der Erweiterungsfläche gestellt habe, versichert Welzmiller. Die Nachricht, dass Biolink trotz der neuen Möglichkeiten am Brunnenweg umziehen will, kam ihm zufolge überraschend: „Da waren wir sehr enttäuscht.“

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