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Feiern gemeinsam am zweiten Weihnachtsfeiertag: (v.l.) Andrea Hanisch, Haile Fetwi, Thomas Hanisch mit den Söhnen Bastian und Anton und Mahammadou Jeiteh.

So geht Herbergssuche im Jahr 2015

Weihnachten mal anders: Die Hanischs feiern mit Flüchtlingen

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Waakirchen - In diesem Jahr ist Weihnachten in Waakirchen anders: 15 Familien laden Asylbewerber zu sich nach Hause ein, um ihnen für ein paar Stunden Geborgenheit zu bieten. Familie Hanisch ist eine von ihnen.

Ja, sie war ein bisserl aufgeregt. Wie wird das sein, wenn zwei wildfremde Männer mit am Tisch sitzen, heißen Tee aus Tassen schlürfen, Maroni aus der Pfanne essen und Schokotaler vom Lebkuchenhaus knabbern? Wie werden die Kinder reagieren, der sechsjährige Anton und sein dreijähriger Bruder Bastian? Seit einer halben Stunde sind der Eritreer Haile Fetwi (48) und Mahammadou Jeiteh (19) aus Mali Gäste im Haus von Familie Hanisch in Waakirchen, und für Andrea, die 40-jährige Unternehmensberaterin und Mutter, ist die Welt in Ordnung. „Die beiden sind lustig und nett“, findet sie. 

Das finden auch Anton und Bastian. Von Scheu und Berührungsängsten keine Spur. Schon nach kurzer Zeit nehmen die Brüder den 19-jährigen Mahammadou in Beschlag, streichen ihm über seine „seltsamen“, krausen Haare, fordern ihn zum Scherzen heraus. Haile ist ein wenig zurückhaltender. Er spricht ein paar Brocken Englisch und Deutsch, und so ist aus ihm herauszulocken, dass er seit sechs Monaten in der Waakirchner Flüchtlingsunterkunft unter der Turnhalle lebt, bei Eybel Pralinen abwiegt und Schleifen bindet und in Eritrea vier Kinder hat. Haile ist Katholik, geht jeden Sonntag in St. Martin zur Messe. Die Kerzen am Adventskranz, die Christbäume, die vielen Lichter – Weihnachten in Eritrea ist anders. Dort wird am 7. Januar gefeiert, „mit viel Essen“. Wie hier. Mahammadou, der in einer Spenglerei im Ort arbeitet, kann das alles nur schwer einordnen. Er ist Muslim, kennt nur sein Opferfest, das heuer im September gefeiert wurde. Er ist einfach nur „happy“, dass er eine Einladung bekommen hat. 

So wie den beiden ergeht es dieser Tage 19 weiteren von insgesamt 26 Waakirchner Flüchtlingen. Im Oktober startete die Zahnärztin Sigrid Weisshaar-Broxtermann, die sich seit dem Eintreffen der ersten Flüchtlinge in einem Arbeitskreis engagiert, ihren Aufruf. Sie veröffentlichte die Suche nach Gastfamilien im Gemeindeboten, auf der Homepage asyl-waakirchen.de, heftete Einladungen in vier Sprachen an die Pinwand in der Unterkunft – und stieß auf große Resonanz. Die Ärztin organisierte ein Treffen, um die Flüchtlinge passend zu verteilen. „Es gibt viele Leute, nicht nur im Helferkreis, die schon immer mal was für und mit Flüchtlinge machen wollten“, sagt Weisshaar-Broxtermann. „Weihnachten ist die Initialzündung dafür. Man kommt ins Gespräch, lässt die Asylbewerber an einer Tradition unseres Landes teilhaben, bietet Nähe.“

Schon im Vorfeld habe sie – von beiden Seiten – Worte des Dankes bekommen und gemerkt, dass eine Stimmung von „Weltfamilie“ aufkommt. Thomas Hanisch, 44, Personalleiter in einem großen Unternehmen, musste nicht lange überlegen, als seine Frau mit dem Aufruf nach Hause kam. „Es ist das Mindeste, was man tun kann“, sagt der Familienvater. Er ist überzeugt, dass Aktionen wie diese die Gemeinschaft im Dorf zusammenschweißen. Das erste Treffen ist eine Generalprobe für den zweiten Weihnachtsfeiertag. Dann folgt die richtige Einladung. „Es gibt Raclette“, kündigt Andrea Hanisch an. Sie, ihr Mann und die beiden Buben, Haile und Mahammadou werden sich dann nochmal näher kommen, vielleicht sogar Freunde werden. Eine einmalige Aktion, das hat sich die Waakirchnerin vorgenommen, soll diese Einladung nicht bleiben. Maria und Josef, ist man inzwischen im Ort überzeugt, hätten in Waakirchen kein Problem gehabt. Moderne Herbergssuche im Jahr 2015.

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